An Lisetten welche ihm mittel vor die hitze verordnete. C. E.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Ich klagte neulich dir Lisette voller pein

Die heisse todes-angst die mir das hertze rührte

Und solch ein scharffes weh durch meine glieder führte

Daß ich dem himmel selbst um hülffe muste schreyn.

Dich jammerte der noth die meine sinnen band;

Du schlugest mittel vor die zur genesung dienen:

Cerallen rosen-safft und was mehr gut geschienen

Ward zur errettung mir gantz heilsam zuerkant.

Corallen? fragt ich: ach! soll diß ein labsal seyn?

Soll diß den krancken geist von seiner marter retten

Und aus der schwartzen grufft und finstren todes-ketten

Den abgeschwächten leib erlösen und befreyn?

Ich gieng auff dieses wort in höchst-verwirrtem sinn

Mit halb-zerschlagnem muth und schier erstorbnem leben

In hofnung meine pein durch einen artzt zu heben

Zur Amaranthen noch denselben abend hin.

Ich fand sie wie gewohnt in auffgeschickter pracht;

Das haar in diamant den leib in gold verhüllet

Die augen voller glut draus tod und leben quillet

Die wangen licht wie schnee und perlen gleich geacht

Deu mund als einen thron von rosen auffgebaut

Und als ein rothes meer gemachsam sich bewegen

Und purpur und corall in seinen ufern hegen

Dergleichen die natur nie schönres angeschaut.

Corallen? dacht ich itzt: corallen sind ja gut!

Hier siehstu rath und trost dir durch corallen spielen;

Hier kanstu deinen brand auff rosen lippen kühlen

Und findest was dir wohl bey deiner hitze thut.

Auff dieses fügt ich mich zur Amaranthen hin:

Doch drückt ich meinen mund nur an erhitzte flammen

Die schlagen mehr und mehr ietzt über mich zusammen

Und zeigen öffentlich daß ich verlohren bin.

Lisette falsches bild was hab ich dir gethan

Daß du mich umgeführt daß du mir vorgelogen

Und so verräthrisch mich hast in ein garn gezogen

Drauß ich auff ewig mich nicht wieder finden kan?

Jtzt fühl ich meine glut durch frische glut gehäufft

Den zunder welcher todt durch flammen angehitzet

Ein feur das mich verzehrt das tieff im hertzen sitzet

Und wie ein schneller strom mir durchs geäder läufft.

Ich fühle meinen geist in angst und vein verstrickt

Die seele durch den todt den leib auffs blut erschrecket.

Ach! Amaranthe ach! du hast mich angestecket

Und mir des leben selbst durch stille list entrückt.

Komm mehr Lisette komm und steh mir tröstlich bey!

Komm ietzt und reiß mich auch aus diesen steiffen banden!

Ich leide bloß durch dich wo bist du ietzt verhanden?

Ist niemand welcher spricht wie mir zu helffen sey?