An Lisetten welche ihm mittel vor die hitze verordnete. C. E.
Ich klagte neulich dir Lisette voller pein
Die heisse todes-angst die mir das hertze rührte
Und solch ein scharffes weh durch meine glieder führte
Daß ich dem himmel selbst um hülffe muste schreyn.
Dich jammerte der noth die meine sinnen band;
Du schlugest mittel vor die zur genesung dienen:
Cerallen rosen-safft und was mehr gut geschienen
Ward zur errettung mir gantz heilsam zuerkant.
Corallen? fragt ich: ach! soll diß ein labsal seyn?
Soll diß den krancken geist von seiner marter retten
Und aus der schwartzen grufft und finstren todes-ketten
Den abgeschwächten leib erlösen und befreyn?
Ich gieng auff dieses wort in höchst-verwirrtem sinn
Mit halb-zerschlagnem muth und schier erstorbnem leben
In hofnung meine pein durch einen artzt zu heben
Zur Amaranthen noch denselben abend hin.
Ich fand sie wie gewohnt in auffgeschickter pracht;
Das haar in diamant den leib in gold verhüllet
Die augen voller glut draus tod und leben quillet
Die wangen licht wie schnee und perlen gleich geacht
Deu mund als einen thron von rosen auffgebaut
Und als ein rothes meer gemachsam sich bewegen
Und purpur und corall in seinen ufern hegen
Dergleichen die natur nie schönres angeschaut.
Corallen? dacht ich itzt: corallen sind ja gut!
Hier siehstu rath und trost dir durch corallen spielen;
Hier kanstu deinen brand auff rosen lippen kühlen
Und findest was dir wohl bey deiner hitze thut.
Auff dieses fügt ich mich zur Amaranthen hin:
Doch drückt ich meinen mund nur an erhitzte flammen
Die schlagen mehr und mehr ietzt über mich zusammen
Und zeigen öffentlich daß ich verlohren bin.
Lisette falsches bild was hab ich dir gethan
Daß du mich umgeführt daß du mir vorgelogen
Und so verräthrisch mich hast in ein garn gezogen
Drauß ich auff ewig mich nicht wieder finden kan?
Jtzt fühl ich meine glut durch frische glut gehäufft
Den zunder welcher todt durch flammen angehitzet
Ein feur das mich verzehrt das tieff im hertzen sitzet
Und wie ein schneller strom mir durchs geäder läufft.
Ich fühle meinen geist in angst und vein verstrickt
Die seele durch den todt den leib auffs blut erschrecket.
Ach! Amaranthe ach! du hast mich angestecket
Und mir des leben selbst durch stille list entrückt.
Komm mehr Lisette komm und steh mir tröstlich bey!
Komm ietzt und reiß mich auch aus diesen steiffen banden!
Ich leide bloß durch dich wo bist du ietzt verhanden?
Ist niemand welcher spricht wie mir zu helffen sey?