An Lisimenen. 1.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Ljsimene liebst du nicht?

Wilstu ewig einsam leben?

Soll der augen sternend licht

Mir nicht die vergnügung geben?

Ach die sonnen sind zu schöne

Lisimene!

Ist der lippen ihr rubin

Vor die todten nur erkohren?

Gibst du so die rosen hin

Die vor götter sind gebehren?

Ach der purpur ist zu schöne

Lisimene!

Trägt nicht deine zarte hand

Der die perle nicht zu gleichen

Ein verwundtes hertz im band?

Kan dich dieses nicht erweichen?

Ach die hände sind zu schöne

Lisimene!

Es hängt an dem weissen schild

Der die runden hügel träget

An dem halse ja ein bild

Da Cupido drauff gepräget.

Ach der hals der ist zu schöne

Lisimene!

Soll der marmor deiner brust

Welchen du mit fleiß verhüllet

Nicht zum lieben tragen lust

Wenn er auff und nieder quillet?

Ach die äpffel sind zu schöne

Lisimene!

Ach ich bitte zürne nicht

Daß ich neulich auff der wiesen

Gantz verstohlen o mein licht!

Konte deinen leib erkiesen.

Ach der leib der war zu schöne

Lisimene!

Es trit dein geschickter fuß

Die betrübten einsamkeiten

Wie ich glaube mit verdruß

Weil ich ihn nächst sahe gleiten.

Ach die füsse sind zu schöne

Lisimene!

Schönste nimst du den nicht an

Der sich itzt vor deinem throne

Leget als dein unterthan?

Giebst du dich ihm nicht zu lohne?

Nein! ach nein! du bist zu schöne

Lisimene!