An meine Schwester Marie Luise zum Abschiede.
Es schlägt! es schlägt! mein Herz ist voll,
Dein Auge nebeltrübe!
Nun, süsse Schwester, lebe wohl,
Und denke mein in Liebe!
Gedenke mein, wenn Lunens Licht,
In deine Fenster flimmert,
Und wenn dein klares Angesicht
Im Glanz Aurorens schimmert.
Gedenke mein, wenn du empor
Zum Morgenhimmel blickest,
Und in des Abends grauem Flor
In süssen Schlummer nickest.
Denk öfter an mein fernes Land,
An meine Hochgestade,
An Wittow's meerumrauschten Strand
Und traute Uferpfade.
Denk öfter an den Schattengang
In meinem stillen Garten,
Wo wir manch einsam Stündlein lang
In holder Dämmrung harrten.
Denk, wie wir öfter Hand in Hand
Hoch auf Arkona ruhten.
Wie klang der hochgebirgte Strand!
Wie donnerten die Fluthen!
Gedenk' an mich. Doch öfter noch
Gedenk' an Freundin Tugend;
Ihr Arm ist sanft, und süss ihr Joch,
Und hold ist sie der Jugend.
Sey kalt, wie Eis! Sey rein, wie Schnee!
Wie Veilchen sey demüthig!
Sey mild, wie Milch, rasch, wie ein Reh,
Wie Lämmchen fromm und gütig!
Sey rüstig, deine Pflicht zu thun,
Zu handeln, dulden, lieben!
Auch Mägdlein mögen Thaten thun,
Und heilge Pflichten üben!
Sey fromm, sey fromm und fürchte Gott!
Und halt, halt' an im Glauben,
Und lass nicht frecher Frevler Spott
Dir deine Krone rauben!
Und wird dir eng und bang ums Herz
Von Ahnung, Sehnsucht, Reue,
Und presst dich tiefverschwiegner Schmerz,
So tritt hinaus ins Freye!
Schau auf! schau auf ins Vaterland!
Das Vaterland ist droben!
Was irdisch ist, ist Traum und Tand;
Was bleibend letzt, ist oben.
Und oben ist auch Wiedersehn —
Drum weine nicht, Luise!
Uns winkt, uns lächelt Wiedersehn
Im schönern Paradiese!