An Melinden auff ihren namens-tag.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Auff schönste tauche dich in milch und rosen-blut!

Laß deinen mund-rubin erfrischte strahlen fangen

Und streich den trüben schaum der herben thränen-flut

Und das vergiffte saltz von deinen purpur-wangen.

Der himmel stellet sich zu deinen diensten ein

Die sonne spielet selbst um deine perlen-glieder.

Und was dir etwan noch kan kummer-dornen streun.

Legt dieser stille tag bey deinem bette nieder

Du solst (ich rede kurtz) dein namens-fest begehn

Drum auff und rüste dich dein glücke zu begrüssen!

Dein glücke daß dich heißt auff lauter rosen stehn

Und nichts als zucker läßt um deine lippen fliessen.

Ich weiß zwar allzu wohl daß deine trauer-see

Von grosser hertzens-angst die worte wird gebähren:

Ach daß ich ärmste doch noch diesen tag begeh!

Daß doch die morgen mich nicht wie die nacht verzehren!

Wohin treibt wind und sturm doch meinen liebes-kahn?

Ist wohl ein ärmrer mensch auff erden noch zu finden

Der komm und schaue mich und meine thränen an

So will ich gerne mich der sorgen-last entbinden.

Ach aber liebes kind! die klagen sind zu groß

Wer sich aus ungedult zum grabe will verdammen

Wird endlich durch den tod zwar dieser erden loß

Stürtzt aber leib und seel in tausend höllen-flammen.

Im glücke lustig seyn ist warlich keine kunst;

Ein kluger aber saugt auch nectar aus den qvitten

Und folgt der sonnen nach die durch den nebel-dunst

Zwar öffters finsterniß doch keinen bruch erlitten.

Der liebe frucht entspringt aus einer stunde nicht:

Erst trincken wir das gifft aus porcellanen schalen

Gehn wie die taumelden wenn unser hertze bricht

Und schätzen ihren dampff vor lauter freuden-strahlen.

Nach diesem greifft der schmertz die glieder besser an

Das schnelle gifft zerfleust in ströhme schwartzer sorgen;

Und endlich wenn wir so die proben abgethan

So bringt das ende nichts als süsse frühlings-morgen.

Ach liebste! kanstu nun dem himmel noch vertraun

So trag das kummer-joch mit unverzagtem rücken;

Denn die ihr glücke nur auff Gottes felsen baun

Die brechen angst und noth wie schwaches rohr in stücken.

Mein hertze leget sich zu deinen füssen hin

Ich schencke mich dir selbst zum schemel deiner plagen

Und schwehre wo ich dir nicht gar zuwider bin

So solstu nur ein loth ich aber centner tragen.

Mehr hab ich ärmster nicht das weist du selber wohl

Denn meine schätze sind nur wollen und entschliessen

Sonst trieb ich deinen ruhm biß an den sternen pol

Und liesse nichts als gold aus meiner feder fliessen.

Nun allerliebstes kind! erkenne meine treu;

Was dieser schrifft gebricht ersetzen meine flammen.

Springt gleich das glücke nicht itzt meiner armuth bey

So schlägt die liebe doch in frische glut zusammen.

Du solt in kurtzer zeit mit andern augen seyn

Wie dich dein treuer knecht wird suchen zu bedienen

Wenn kummer ach und weh zu grabe werden gehn

Und unsre freude wird in vollen knospen grünen.

Der himmel schencke dir nur ferner seinen schein

Und führe deinen fuß von dornen auff narcissen!

Du aber ziehe selbst den strohm der thränen ein

Sonst wird mein leben so wie deine lust zerrissen.