An Melinden

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Written 1647-01-01 - 1647-01-01

Ich rede nur mit steinen.

Dein stoltzes ohre hört mich nicht

Und deiner augen feurig licht

Will mir nur ewig grausam scheinen.

Kan denn mein nasses thränen-meer

Nicht deines zornes glut abwaschen?

So siehe wie ich mich verzehr!

Dein heisser augen-blitz verbrennet mich zu asch.

Was zwinget dich Melinde

So grausam gegen mir zu seyn?

Verdopple doch nicht meine pein

Weil ich ohn dem genug empfinde;

Du straffest mich ja gar zu sehr.

Verdienet denn ein treues lieben

Bey dir schon kein erbarmniß mehr;

Wo hast du schönste denn die feinde hingeschrieben?

Was wilst du ferner haben?

Begehrst du noch mein blut zu lohn?

Denn meine seele hast du schon

So nimm es; dir will ichs vergraben.

Wird hierdurch deine lust gestillt

So will ich mich noch sterbend freuen

Und also mach ichs wie du wilt;

Doch wo du menschlich bist so wird mein tod dich reuen.