An Melinden.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Schönste der seelen ich muß es bekennen:

Daß mich dein augen-plitz endlich besiegt

Daß ich vor liebe wie feuer muß brennen;

Weil mir mein hertze selbst wunden zufügt;

Und wider mich kriegt.

Drum setze mir o meine zier!

Die schaalen der himmlischen lebens-krafft für

Und laß mir die morgen

Der traurigen sorgen

Die täglich in meinen gedancken entstehn

Mit rosen auffgehn.

Zwar ich betadle mein kühnes verlangen;

Denn ich bin gegen dir freylich zu schwach:

Aber der purpur der lachenden wangen

Mehret mein winseln und seuffzendes ach

Und zieht mich dir nach.

Stürtzt nun dein schertz mein treues hertz

Wie flammen die mutten in tödtlichen schmertz;

Wie hastu Melinde

Denn was ich empfinde

Und was mich noch täglich mit dornen verletzt

So gringe geschätzt?

Schau wie ich armer in thränen zerfliesse

Wie mir mein hertze vor trauren verschmacht;

Weilen dein safftiger balsam der küsse

Andern die lippen zu nectar-thau macht

Mich aber veracht.

Doch schmertz und leid wird mit der zeit

Nicht anders als nebel durch sonnen zerstreut:

Drum hoff ich auff lachen

Auch mitten im krachen

Wie lächzende muscheln in wäßriger grufft

Auff morgen und lufft.

Nun ach! mein engel du kanst mich erretten;

Höre doch endlich mein liebes-geschrey!

Trenne die stricke zermalme die ketten

Reiß die beschwerlichen fässel entzwey

Und mache mich frey.

Du hast gesiegt. Ich bin bekriegt.

Schau wie dir dein diener zum füssen hier liegt.

Ach laß dich des armen

Doch endlich erbarmen

Und kühle durch qvellen bezuckerter flut

Die traurige glut.

Wilstu denn lebenslang eisern verbleiben?

Ist denn dein hertze von stahl oder stein?

Soll ich mich ewig zum sclaven verschreiben?

Oder soll diese verbitterte pein

Mein liebes-lohn seyn?

Ich liebe dich! du hassest mich!

Doch deine gedancken verfinsteren sich

Und werden von fernen

Noch endlich erlernen

Daß du mich unschuldig zum tode verdammt

Da du mich entflammt.

Kanstu dich aber nicht meiner erbarmen

Wilstu gleich ärger als tiegerthier seyn;

So reist dein grausam-seyn dennoch mir armen

Durch die mit unglück erfüllete pein

Das hertze nicht ein.

Ich bin getreu und schwere frey:

Daß niemand an liebe beständiger sey.

Du hast mich betrübet

Weil ich dich geliebet.

Ich aber muß weil ich dich schönste gesehn

In flammen vergehn.