An Rosa

By Gotthard Ludwig Kosegarten

Written 1788-01-01 - 1788-01-01

Rosa, denkst du an mich? Innig gedenk' ich dein.

Durch den grünlichen Wald schimmert das Abendroth.

Auf den Wipfeln der Tannen

Rinnt das Säuseln des Ewigen.

Rosa, wärst du bei mir, säh' ich das Abendroth

Deine Wange beglühn, sähe den Abendhauch

Deine Locken durchrieseln –

Edle Seele, so wär' mir wohl!

Lieber lehn' ich an dir, als an der Einsamkeit

Trautem Busen. Mir klingt süßer der Flötenton

Deiner klagenden Stimme,

Als das Säuseln im Tannenhain.

Oft umfingst du mich, meine Holdselige,

Mit vertraulichem Arm, wenn ich an deiner Brust

Melancholischen Frieden

Schwärmens müde mich rettete.

Jedes leisere Weh, jedes verschwiegne Ach,

Das den Busen mir preßt, haucht' ich dir öfter aus,

Schöpfte freieren Odem,

Klomm heroischer felsenan.

Nie soll darum ein Freund meiner holdseligen

Rosa ermangeln, und nie Mild'rung ihrem Gram!

Nie sey trostlos ihr Leiden!

Ihre Urne nie blumenleer!