An S. T. Herrn F. von Hagedorn.

By Barthold Heinrich Brockes

Geist, Den jeder, doch ich mehr, als Jhn jeder ehret,

ehre.

Freund, Dem ein so redlichs Herz die gelehrte Brust be-

lebt,

Daß Dich dessen Eigenschaft mehr, als jener noch, erhebt,

Welches, zeigtest Du es nicht, sonst kaum zu begreifen

wäre.

Unsers unnachahmbar’n

Stück,Ein alter Frauen-Kopf.

Das Dein Bruder schildern ließ, send ich Dir hiebey

zurück.

Wenn Du Jhm es überschickest, meld Jhm unbeschwehrt

dabey:

Daß, in meinem Geist, von Jhm ein Jhm ähnlich treflichs

Bild,

Durch Sein sonderbar Verdienst, kräftig abgeschildert

sey.

In dem Schildereyen-Saal, den Er Selber angefüllt

Mit so manchem Farben-Wunder, die uns Welsch- und

Holland schenket,

Seh ich Jhn im Geist spatzieren, wie Er Seine Blicke

lenket

Auf der Künstler kluge Werke, doch noch mehr auf die

Natur,

Als der Wunder Wunder-Quell. Könnt’ Euch Euer

Vater sehen,

Dessen Treue Dännemark noch bemüht ist zu erhöhen,

Wie das edle Paar der Söhne Jhn, durch Jhr Verdienst,

noch ehrt;

Würde, glaub ich, Sein Vergnügen, wär es möglich,

noch vermehrt.

Füge Deinem würd’gen Bruder dieses noch hinzu, und

setze:

Daß ich darinn Seinen Stand, und Sein Glück vollkom-

men schätze,

Und Jhn fast darum beneide; da Er dem an Huld und

Macht

So vollkommnen König dient, daß Er auch die kluge

Pracht,

Die Verdienste, das Erhabne, das Gefällige, die Güte,

Den durchdringenden Verstand, das liebreizende Gemühte,

Dessen, Den die Tugend selber längstens ehrt und lieb

gewann,

In dem grossen Grafen