An SchlosserVeranlaßung zu dem folgenden GedichteFußnoten
Written 1777-01-01 - 1777-01-01
Freund! In jenen bangen Tagen,
Als so tief die Menschheit fiel,
Ehrt ich deine frommen Klagen,
Rührte nicht mein Saitenspiel;
Aber, hohen Muthes voll,
Schlag' ich lauter nun die Leyer,
Weil kein Höllen-Ungeheuer
Unser Glück uns rauben soll.
Bleibt doch Gottes Sonne stehen,
Wo sie unsre Väter sahn,
Wird der Mond doch glänzend gehen,
Wie vor Alters, seine Bahn;
Auch der Sternlein goldnes Chor,
Wenn die Büsche friedlich thauen,
Redet mit uns im Vertrauen,
Hebt den Geist zu sich empor.
Laß der Zwietracht Fackel wüthen
Bis zur letzten Gräuelthat!
Wandelt nicht im Kranz von Blüthen
Gottes Segen um die Saat?
Kann des Aufruhrs Feldgeschrey
Wider uns den West empören
Das Geräusch der Bäche stöhren
Und den Waldgesang im May?
Was da lispelt, singt und rauschet,
Kündigt dem geweihten Mann,
Der auf jedes Blättchen lauschet,
Freude nur und Eintracht an;
Freude säuselt durch das Feld,
Wenn vorbey die Stürme zogen,
Und der Friede seinen Bogen
In die Wetterwolke stellt.
Aus des Pöbels tollen Händen,
Die am selbst gestürzten Herd
Vaterland und Freyheit schänden,
Winde Fürsten-Macht das Schwert;
Und der stolze Königssohn
Spreche da, wo seine Blitze
Trafen, vom Tyrannen- Sitze
Feig gewordnen Völkern Hohn!
Keiner Lerche Lied verstummer
Vor dem Wink der Majestät;
Honig sucht die Bien' und summet
Fort auf ihrem Blumenbeet;
Holder Freyheit Lobgesang
Schallt von allen Hügeln nieder,
Tönt in Männer-Herzen wieder
Bey der Sklaven Ketten-Klang.
Sollt' herauf aus ihren Nächten
Auch die ganze Hölle ziehn,
Und das Häuflein der Gerechten
Mit geschmähter Tugend fliehn;
Trübte sich des Tages Licht,
Wo der Unschuld Hütten sanken,
Wo Altar und Tempel wanken:
Dennoch siegt das Laster nicht.
Tugend, weggescheucht in Höhlen,
Schafft noch himmlischen Genuß,
Macht das Bündniß schöner Seelen
Enger, treuer ihren Kuß;
Und die bleiben sich verwandt;
Oder dort in lichter Ferne
Trennet Bosheit einst die Sterne,
Lös't sie des Orion Band.
Mag des Frevels wilde Rotte
Jedes Heiligthum entweihn!
Berge jauchzen unserm Gotte,
Weihrauch duftet ihm der Hain;
Gottes Morgenwinde wehn
Ueber seines Tempels Trümmer;
In der Abendsonne Schimmer
Läßt er uns sein Antlitz sehn.
Nur getrost! dem Reinen fließet
Immer rein die Quell' im Thal,
Und mit Bruderliebe grüßet
Ihn der Edlen kleine Zahl.
Manche beßre Seele reicht
Uns, zum freundlichen Geleite,
Still die Hand; an ihrer Seite
Wird des Lebens Mühe leicht.
Ruft uns, früher oder später,
Ein befreundter Engel ab;
Unsern Kindern dann der Väter
Guten Glauben bis ins Grab;
Milder Lüfte kühlen Hauch,
Wenn sie Last und Hitze drücken,
Und, den Pilgerstab zu schmücken,
Hier und dort ein Blümchen auch!