An seine Buhlschaft. Auf die Weise: Angelica die Edle.

By Johann Jacob Bodmer

Asterie du Edle Schäferin

Werd ich dich sehen schier?

In deiner Huld ich gantz verschlossen bin,

Und lebe weit von dir.

Nur bey den wilden Thieren,

Und in dem wüsten Wald,

Muß ich mein Leben führen,

Das ist mein Ausenthalt.

Kein schöner Baum, kein zartes Blümelein,

Kein Ort mich trösten mag,

Kein kalter Brunn mit springender Fontein,

Erleschet meine Plag,

Mein Augen auch wie Brunnen

Sind gantz von Thränen naß,

Auch fast gar ausgerunnen

Durch Weinen ohne Maaß.

Kein Rath noch Hülff ohn dich mein Hertz erfreut,

Kein edler Lauten-Klang,

Kein grüner Platz erquicket mich in Leyd,

Kein lieblicher Gesang,

Voll Zittern, Furcht und Zagen

Ist mir die gantze Welt,

Nur trauren, seufftzen, Klagen

Alleine mir gefällt.

Ach komm, ach komm du sehr gewünschter Tag,

Jhr Stunden eilet fort,

Daß ich doch bald mit Freuden kommen mag

Zu meines Lebens Hort!

Laß Eolus die Winde

Mich führen von dem Land,

Neptunus gieb geschwinde

Mich in der Liebsten Hand!

Gehabt euch wol ihr Nymphen in der Heyd!

O Pan ich muß von dir!

Gehabt euch wohl, mein Schiff ist schon bereit,

Das mich von hinnen führ,

Adie ich will verlassen

Der Weisheit Lob und Ehr,

Minerva mag mich hassen,

Mein Augentrost ist mehr.