An seine Inclination.

By Johann Georg Gressel

Nimm Geliebte Hertz und Hand

Beydes ist dir zugewandt

Du weist daß meine Treu

Frey von der Heucheley;

Drum vertausche ohne Schertz

Wertheste mit mir dein Hertz.

Was bedenckest du dich noch

Nimm das leichte Liebes-Joch

Ertrag es mit Gedult

Das Schicksahl hat die Schuld

Jetzt will es nicht anders seyn

Gib nur deinen Willen drein.

Ist schon etwas Bitterkeit

Bey der Liebe ausgestreut

So ist doch keine Lust

Unliebenden bewust;

Von der Grillenfängerey

Macht die süsse Liebe frey.

Amor ist ein kluger Artzt;

Er macht offtmahls Weiß aus Schwartz

Hat man gleich Schwartz auf Weiß;

Er spahret keinen Fleiß

Daß sich die gefangen sehn

Die ihm aus dem Wege gehn.

Will man in die Wälder fliehn

Wird man ihn doch nach sich ziehn

Die Wild-Bahn und die Hatz

Ist recht sein Sammel-Platz

Da treibet er die Jägerey

Vogel fängt er auch dabey.

Geht man in die Welt hinein

Er wird ein Gefährte seyn

Er reiset täglich aus

Ist nirgends recht zu Haus

Doch nennt er wie wol bekannt

Jeden Ort sein Vater-Land.

Sencket man sich in die Fluth

Spührt man da auch seine Gluth

Der Wellen Silber-Schaum

Macht seinen Flammen raum.

Venus ist da ausgeheckt

Als die Muschel sie entdeckt.

Nun du Engel-gleiches Bild

Wähle dir das was du wilt

Doch traue dem Bericht

Es hilfft dir alles nicht

Deiner Schönheit Sonnenschein

Soll und muß geliebet seyn.

So umarme mich mein Kind

Eil’ und küsse mich geschwind

Der Leffzen Honig-Seim

Ist gar ein süsser Leim

Wodurch Hertz an Hertz sich vest

Unzertrennlich fügen läst.

Alabaster scheint dein Hals

Und die Brüste ebenfals

Sie wallen also sehr

Recht wie ein Perlen-Meer

Wenn des Athens sanffter Wind

Sie erregt und mich entzündt.

Weiter will ich jetzt nicht gehn

Noch recht in die Tieffe sehn

Das ander spahr ich mir

Auf beßre Zeiten für.

Bleib indessen Eingedenck

Ich sey dein du mein Geschenck.