An Sr. Excellentz den Herrn geheimden Rath Stryck über die vermählung seines Her...

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Ich habe grosser mann zehn jahre dich gekannt

Und drey jahr dich gehört; gleichwohl ist meine hand

Die manchem stümper offt ein ehren-lied geschrieben

Dir dein verdientes lob mit fleisse schuldig blieben.

Mit fleisse denckestu? Ja grosser Stryck mit fleiß;

Denn du hast alles zwar was man zu rühmen weiß.

Die mutter hat dich nicht mit grober milch erzogen;

Die Musen sind dir mehr als du begehrst gewogen

Und gehn wohin du ziehst mit vollem hauffen nach.

Dein thun ist wohlbedacht und wie ein stiller bach

Der kein geräusche macht und doch mehr nutzen bringet

Als mancher wilder strohm der wall und tamm durchdringet.

Nechst diesem bist du schön und herrlich anzusehn

Und darffst die worte nicht erst in dem munde drehn

Nicht auff die nägel schaun nicht mit dem halse dehnen

Und gantze tackte lang an einer sylbe stehnen.

Denn deine wissenschafft ist lauter werck und that

Und weiß nicht wie dem ist der viel gelesen hat

Der einen bücher-kram in seinem kopffe träget

Und dennoch alle krafft mit ihnen niederleget.

Mit kurtzem: die natur hat da sie dich gemacht

Mehr auff ein wunderwerck als einen mensch gedacht;

Und hat was sieben sonst besonders haben sollen

Der welt in dir allein beysammen zeigen wollen.

So würdig als du bist so sehr wirst du geliebt

Kein hoff ist so dir nicht geneigte blicke giebt;

Die Kön’ge suchen dich auff mehr als hundert meilen.

Und liesse sich dein leib wie dein verstand zertheilen

So würdest du bereits in halb Europa seyn.

Diß alles sag ich schreibt dich zwar den sternen ein

Und ist wohl rühmens werth; Allein wie nach der lehre

Des weisen Solons auch bey vollem gut und ehre

Kein mensch bevor er stirbt sich glücklich achten kan

So war hingegen ich und stecke noch im wahn

Daß sich ein vater erst kan einen vater nennen

Wenn er sich selbst nicht mehr kan vor den kindern kennen.

Drum schien dein wohlseyn mir voll kummer und gefahr

So lange nicht dein sohn in gleichem stande war.

Denn ob ich schon gesehn wie du ihn aufferzogen

Wie er der weißheit milch zu Dantzig eingesogen

Zu Wittenberg vor fleiß und eyfer offt gebrannt

Auff reisen keinen blick unfruchtbar angewandt

Und die gesundheit eh’ als seine zeit verschwendet;

Ja ob ich gleich gesehn wie er den lauff vollendet

Sich auff die renne-bahn der lehrer schon gestellt

Und diß in Halle thut was dich in aller welt

Zu einem wunder macht; So fehlte seinem leben

Doch etwas so ihm leicht den garaus konte geben:

Ich meyne eine frau. Nichts ist so allgemein

Als eine nacht vermählt und schon geqvälet seyn.

Der aussatz findet sich auch an dem schönsten leibe

Und Socrates hat recht daß mancher nur beym weibe

Zwey gute tage hat: den einen da er freyt

Den andern da er sie mit erden überstreut.

Heut aber hat dich GOtt hierinnen auch erhöret;

Dein sohn ist wohl beweibt dein hauß ist wohl vermehret

Und nimmt ein solches kind zu seiner tochter an

Das himmel und vernunfft nicht besser bilden kan

Und man hier künfftig auch wird ohne namen kennen;

Denn wer sie nennen will darff nur die schönste nennen.

Und nun begreiff ich erst was mancher nicht bedenckt

Warum dir die natur nur einen sohn geschenckt.

Sie wuste dich so wohl in stücke nicht zu fassen

Drum wolte sie dich gantz und nicht gestümpelt lassen.

O hocherhobner mann! dein lob-lied ist zu schwer;

Wo nähm’ ich doch papier wo dint’ und federn her?

Die worte würden eh’ als deine thaten fehlen;

So kan ich mich auch nicht in diesen orden zehlen

Der mit der schnellen post zum Musen-berge reist

Der verße wie ein brunn das wasser von sich geußt

Und zehen bogen kunst aus einem ermel schüttelt.

Die sorgen haben mir die kräffte schon verrüttelt;

Und ich empfinde zwar zum reimen einen sinn

Doch auch bey weitem nicht daß ich ein tichter bin.

Wiewohl du fragest nichts nach tichtern und poeten;

Denn dein erleuchter ruhm hat keinen glantz von nöthen.

Wer schreibt was du gethan und saget wer du bist

Hat so viel wahres schon daß er der kunst vergist.

Drum laß ich andere bey diesem feste singen

Und weil dein wohlseyn doch nicht höher ist zu bringen

So wünsch ich wie vormahls Philippus hat gedacht

Als man ihm einen tag vier gute posten bracht:

Der himmel möge doch dafern er ja will plagen

Auff dieses glücke nur mit kleinen ruthen schlagen.