An Sr. Excellentz Den Herrn geheimden Rath von Fuchs.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Wenn eine wolcke glantz aus sonnen-strahlen zieht

Die spreu den diamant die ulme reben liebet

Geringer majoran bey käyserkronen blüht

Ein hoher cederbaum auch pappeln schatten giebet;

So wundere dich nicht du wunder kluger welt

Daß sich mein finsterniß zu deinem lichte stellt

Und seinen schimmer will aus deinen holden augen

Wie muscheln ihre krafft aus kühlen morgen saugen.

Denn was auch die natur vor riesen-wercke zeigt

So kleben wir doch nur wie schnecken an der erden;

Wo unsre jugend nicht durch fiemde flügel steigt

Und uns ein Dädalus kan lehren klüger werden.

Drum muß ein junger mensch der in den frühlings-schein

Des glückes treten will wie balsam-bäume seyn

Und gleich wie diese bald ihm einen platz erwählen

Da es ihm nimmer kan an licht und sonne fehlen.

Wie aber solt’ ich wohl mein glücke grosser Rath

Auff einen bessern platz als deine klugheit gründen?

Die Friedrichs hohen geist zur sonne selber hat

Und also keine noth an strahlen darff empfinden.

Gantz Deutschland weiß bereit was deine feder kan

Die rechte schauen dich als einen Solon an

Die Marck wird aber bald die wunder deiner gaben

Wie Rom des Cato ruhm in ertz und marmol graben.

Denn was vor witz und kunst im Janus nur erdacht

Wann ihm das alterthum ließ zwey gesichter schnitzen

Hat dein gelehrter kopff nunmehro wahr gemacht

Wenn seiner augenlicht kan vor- und rückwärts plitzen.

Das ist: Wenn sein verstand in das vergangne blickt

Und als ein Hercules die sorgen unterdrückt.

Was aber hie und da vor schaden will geschehen

Wie Campanella bald kan in gedancken sehen.

Doch wo ein rechter rath dem zarten flachse gleicht

Der in der jugend schon so wie smaragden grünet

Mit himmels-farbe blüht von sonnen-hitze bleicht

Und endlich aller welt zu weisser leinwand dienet:

So geust ihm die natur zwar milch und klugheit ein

Doch muß sein absehn auch dem himmel ähnlich seyn;

Und letzlich wie der flachs im schooße tieffer erden

Durch hohe sonnen reiff durch mühe nutzbar werden.

Hochwohlgebohrner Herr was dein verstand gebiert

Muß nach dem himmel bald wie süsses manna schmecken;

Weil deine blüte Gott zur farbe selber führt

Und alle schlüsse sich nach seinem willen strecken.

Was wunder ist es denn daß deine frömmigkeit

Dich wie den Scipio mit lorbeern überstreut?

Und offt der feinde list in wenig stund und tagen

Gleich wie den Polyphem Ulysses blind geschlagen.

Der blüte folgt die frucht dem himmel fürsten-gunst.

Dein rath mag was er will in seinem zimmer schliessen

So hält er alles doch vor dampff und nebel-dunst

Biß Friedrichs sonnen es mit purpur übergiessen;

Vielleicht weil ieder stern ohn einen höhern schein

Ein staatsmann ohne fürst nicht kan vollkommen seyn

Und räthe zwar den witz von ihren mutter-gaben

Den glantz wie perlen nur von fremden lichte haben.

Was GOtt und fürst beliebt befördert deine treu;

Wenn sie die lüffte bald wie Orpheus erfüllen

Bald wie Pythagoras der tyger raserey

Bald plitz und donner kan wie Ganymedes stillen.

Ich meyne wenn dein mund der Preussen hertz bewegt

Der feinde wuth und grimm wie träume widerlegt

Und fremde bündnisse die wider Deutschland kämpffen

Wie saltz das wasser kan in vollem kochen dämpffen.

Und so weiß deine kunst das gantze Brennus-land

Mit nutzen wie der Nil Egypten zu befeuchten;

Wie aber ist dein ruhm in Hamburg nicht bekandt?

Wie wird dein ehren-stern nicht in dem norden leuchten?

Denn zeugt schon der geruch von reben und von wein

Ob sie aus libanon und nicht von karbon seyn;

So wird man ewiglich auch wohl in Holstein lesen:

Was deine thaten sind wer der von Fuchs gewesen.

Doch meine feder schweigt. Denn dein geübter geist

Ist nur verwunderns werth nicht aber zu beschreiben.

Der himmel der dir noch mit reinem zucker fleust

Der lasse deinen ruhm in vollem strohme bleiben!

Er lege deiner zeit mehr rosen-lust und ruh

Als dem Timoleon vor diesem glücke zu

Und lasse deinen fuß bey hofe nicht erleben

Daß auff- und niedergang in einem zirckel schweben.

Die sonne Brandenburgs der grosse Friederich

Bekröne deine treu und mehre deinen segen!

Mir aber gönne nur daß mein gemüthe sich

Durch diese blätter darff zu deinen süssen legen.

Denn wie ein maulbeerbaum am allerletzten blüht

Am ersten aber auch zu reiffen sich bemüht;

So kan ich wilst du mich mit strahlen nur ergetzen

Auch meine blumen leicht durch treue frucht ersetzen.