An Themiren

By Gottfried August Bürger

Written 1773-01-01 - 1773-01-01

Ach, würden falsche Schwüre

Durch Zeichen an dir kund!

Verfärbte sich, Themire,

Dein frevelhafter Mund!

O, daß ein Zahn sich schwärzte.

Meineidige! daß nur

Ein Fingerchen dir schmerzte,

Das sich erhob zum Schwur!

So glaubt' ich, Götter hielten

Noch was auf Treu' und Pflicht,

Und falsche Mädchen spielten

Mit teuern Eiden nicht. –

Doch deinen Reiz erheben

Verbrechen nur noch mehr;

Und immer dichter schweben

Verehrer um dich her.

Frau Venus und ihr Völkchen

Läßt fünf gerade sein.

Von Unmut nicht ein Wölkchen

Hüllt ihre Stirnen ein.

Per Dio! Was noch schlimmer,

Dein Flattersinn ergötzt

Den Schadenfroh, der immer

An heißen Pfeilen wetzt.

Daher in allen Schulen

Befiedert täglich sich

Ein Heer von jungen Buhlen,

Und insgesammt für dich.

Die kommen dann, und zollen

Dir Huldigung und Pflicht.

Die Alten aber trollen

Deswegen sich noch nicht.

Und Alt und Jung umschwärmet

Nun, wie behext, dein Haus.

Man baxet sich, man lärmet – – –

Ach! wo will das hinaus? –

Dich scheut, des Söhnchens wegen,

Die zärtliche Mama;

Und, seines Beutels wegen,

Der geizige Papa.

Du ängstigst junge Frauen:

Es möchte deinen Wert

Ein Tröpfchen Gunst betauen,

Das ihnen zugehört.