Anderes Straff-Gedichte

By Andreas Gryphius

Written 1640-01-01 - 1640-01-01

Man fragt Eugenie, woher es doch sey kommen

Daß ich so einsam mir zu leben vorgenommen

Daß mich ein todtes Buch ein rauher Wald ergetzt

Da Thyrsis unterdeß von so viel Freunden schwätzt

Die mit gebeugtem Knie ihm schier die Füsse küssen

Und biß nach Mitternacht vom Morgen ihn begrüssen.

Die wenn er über Feld und über See wil gehn

Als Sclaven auf ein Wort ihm zu Gebote stehn.

Was mag die Ursach seyn? man hat ja offt verspühret

Das mich mein Dünckel nicht in mich allein verführet

Lisander kennt mich wol und Cres rühmt iederzeit

Mein niemals falsches Hertz mit grosser Freundligkeit.

Laocles spricht mir zu: und hat mich hoch gebethen

Sein über-prächtig Haus was öffter zu betreten

Die grosse Livia gönnt mir ein günstig Ohr

Man zeucht mich hier und dar nicht wenig andern vor.

Man kennt und ehrt mich dort wo ich noch nie hinkommen

Viel Seelen haben mich in ihren Bund genommen.

Viel lieb' ich mehr denn mich und bin nicht selber mein

Dafern zu ihrem Nutz ich kan behülfflich seyn.

Daß ich mich aber nicht mach' iedermann gemeine

Ist diß wol fragens werth? Viel besser gantz alleine

Als unter fremden Volck das untreu in der That

Und nichts denn lauter Treu auf falscher Zungen hat.

Mit allen geh ich um. Ich werde nichts versagen

Dafern es möglich ist. Man mag mich sicher fragen

Ich wil mir lieber selbst als andern schädlich seyn.

Eugenia ihr wisst den Ursprung meiner Pein.

Doch daß ich allen stracks mein Hertze solt entdecken

Dünckt mich so rathsam nicht. Ehr wolt ich mich verstecken

In ein verwüstet Land in ein verlassen Feld.

Wo ein verdorrter Baum sich an die Felsen hält

Der nun mit Fallen dräut. Dieweil in wenig Jahren

Ich was ein falscher Freund vor eine Last erfahren

Dieweil (wo denck ich hin?) dieweil ich offt erkannt

Wie man mit Eyden schertzt und mit dem Mund und Hand.

Mit Aug' und Lippen lieg' ich wil euch nicht erzehlen

Wie Themison zu nechst ließ mein Gemach bestehlen.

Wie treflich daß er schwur als der auf frischer Fahrt

Mit dem gefasten Raub von mir ergriffen ward.

Clearchus wie ihr wißt ist offt bey Nachte kommen

Und hat nächst meiner Thür ein Stücklein vorgenommen

Das auch den Feind verdroß um das ich in der Noth

In die er sich vertäufft ihm treuen Beystand both.

Um daß ich Ursach bin daß man noch heut' ihn ehret

Doch diß ist Kinderwerck: Der der mich angehöret

Und mir durch Blut verknüpft; Was hat er nicht erdacht?

Hat er nicht für und für auf meinen Fall gewacht?

Wem hab' ichs daß ich steh' und ihm entgieng zu dancken?

O Schande! Lælia begunte selbst zu wancken

Uns schlug mir Beystand ab; Er zog' und rieß zu sich

Was doch mein eigen war. Beatrix hatte mich

Umsonst eh' als sie schied zu Erben eingesetzet

Das schöne Gold das ihr als sie der Todt verletzet

Noch um den zarten Halß und beyde Brüste hing

Der beyden Ohren Pracht und der so theure Ring

Ward als sie noch nicht kalt in einem nun verrücket!

Jetzt hat der Mann sein Weib und Kind damit geschmücket!

Schaut seine Kammern an: Was hier und dar zu sehn

Steht meines Vatern Geld. Ruffin der alle schmähn

Und keinen loben kan wird sich so schöne machen

Dafern er zu mir kommt: Bald wird er hönisch lachen

Und lästern was ich schrieb: Weil sein verfluchter Mund

(Trotzt diesem den es schmertzt) von mir mit gutem Grund

Nichts schändlichs sagen kan. Kein Tag' ist vor erblichen

In welchem nicht Levin schier stündlich kam geschlichen

Und seine Dienst' anboth. Biß er von mir erlangt

(Den er nunmehr nicht kennt) womit er pocht' und prangt.

Da auch was mehr denn sonst die Taffel wird besetzet

Kommt Tallus von sich selbst den guter Wein ergötzet

Und Speise frölich macht. Schleust man die Küchen zu

Denn hat mein Diener wohl für seinem klopffen Ruh.

Sucht Flaccus guten Rath ist Crispus nicht bey Gelde

Darff Celadon ein Buch den fragt man auf dem Felde

Den fragt man auf der Burg den fragt man in der Stadt

Biß dieser oder der mich angetroffen hat.

Denn heiß ich Herr und Freund denn wil Paulin sein Leben

Und Celadon die Seel' und Habe vor mich geben.

So bald man ohne mich den Wagen führen kan

Denn sieht mich Celadon kaum über Achsel an.

Und Crispus acht mich nicht. Und Flaccus hat vergessen

Wo meine Wohnung war und wo ich angesessen

Was red' ich? Ist ein Mensch dem Phillidor bekand

Und dem verborgen ist wie ich mit Hertz und Hand

Ihm beygesprungen bin. Was hab' ich nicht erlitten?

Als er von so viel Angst und grimmer Noth bestritten

Wir in die Armen fiel und sein Anliegen klagt

Da ich mein Leben selbst für seines hingewagt.

Was hat er vor und ietzt? Das er mir nicht zu dancken?

Jetzt schmäht mich Phillidor und laufft als in den Schrancken

Ein rasend tolles Pferd ohn Zaum und Ziegel rennt

Das weder rechte Bahn noch Menschen-Stimm' erkennt

Und seinen Meister Tritt und durch den Sand umreisset

Und was entgegen kommt voll Grimm zu boden schmeisset.

Nicht wenig die es schmertzt beklagen meine Treu

Umsonst ihr Liebsten! Ach! es ist nicht heute neu;

Daß Undanck auf den Danck und Schimpff auf Wolthat folge

Drum mögen immerhin die Scythen an der Wolge

Und dort bey Astracan auf recht und redlich seyn.

Der überklugen Welt geht nur die Falschheit ein.