Anderes Straff-Gedichte
Written 1640-01-01 - 1640-01-01
Man fragt Eugenie, woher es doch sey kommen
Daß ich so einsam mir zu leben vorgenommen
Daß mich ein todtes Buch ein rauher Wald ergetzt
Da Thyrsis unterdeß von so viel Freunden schwätzt
Die mit gebeugtem Knie ihm schier die Füsse küssen
Und biß nach Mitternacht vom Morgen ihn begrüssen.
Die wenn er über Feld und über See wil gehn
Als Sclaven auf ein Wort ihm zu Gebote stehn.
Was mag die Ursach seyn? man hat ja offt verspühret
Das mich mein Dünckel nicht in mich allein verführet
Lisander kennt mich wol und Cres rühmt iederzeit
Mein niemals falsches Hertz mit grosser Freundligkeit.
Laocles spricht mir zu: und hat mich hoch gebethen
Sein über-prächtig Haus was öffter zu betreten
Die grosse Livia gönnt mir ein günstig Ohr
Man zeucht mich hier und dar nicht wenig andern vor.
Man kennt und ehrt mich dort wo ich noch nie hinkommen
Viel Seelen haben mich in ihren Bund genommen.
Viel lieb' ich mehr denn mich und bin nicht selber mein
Dafern zu ihrem Nutz ich kan behülfflich seyn.
Daß ich mich aber nicht mach' iedermann gemeine
Ist diß wol fragens werth? Viel besser gantz alleine
Als unter fremden Volck das untreu in der That
Und nichts denn lauter Treu auf falscher Zungen hat.
Mit allen geh ich um. Ich werde nichts versagen
Dafern es möglich ist. Man mag mich sicher fragen
Ich wil mir lieber selbst als andern schädlich seyn.
Eugenia ihr wisst den Ursprung meiner Pein.
Doch daß ich allen stracks mein Hertze solt entdecken
Dünckt mich so rathsam nicht. Ehr wolt ich mich verstecken
In ein verwüstet Land in ein verlassen Feld.
Wo ein verdorrter Baum sich an die Felsen hält
Der nun mit Fallen dräut. Dieweil in wenig Jahren
Ich was ein falscher Freund vor eine Last erfahren
Dieweil (wo denck ich hin?) dieweil ich offt erkannt
Wie man mit Eyden schertzt und mit dem Mund und Hand.
Mit Aug' und Lippen lieg' ich wil euch nicht erzehlen
Wie Themison zu nechst ließ mein Gemach bestehlen.
Wie treflich daß er schwur als der auf frischer Fahrt
Mit dem gefasten Raub von mir ergriffen ward.
Clearchus wie ihr wißt ist offt bey Nachte kommen
Und hat nächst meiner Thür ein Stücklein vorgenommen
Das auch den Feind verdroß um das ich in der Noth
In die er sich vertäufft ihm treuen Beystand both.
Um daß ich Ursach bin daß man noch heut' ihn ehret
Doch diß ist Kinderwerck: Der der mich angehöret
Und mir durch Blut verknüpft; Was hat er nicht erdacht?
Hat er nicht für und für auf meinen Fall gewacht?
Wem hab' ichs daß ich steh' und ihm entgieng zu dancken?
O Schande! Lælia begunte selbst zu wancken
Uns schlug mir Beystand ab; Er zog' und rieß zu sich
Was doch mein eigen war. Beatrix hatte mich
Umsonst eh' als sie schied zu Erben eingesetzet
Das schöne Gold das ihr als sie der Todt verletzet
Noch um den zarten Halß und beyde Brüste hing
Der beyden Ohren Pracht und der so theure Ring
Ward als sie noch nicht kalt in einem nun verrücket!
Jetzt hat der Mann sein Weib und Kind damit geschmücket!
Schaut seine Kammern an: Was hier und dar zu sehn
Steht meines Vatern Geld. Ruffin der alle schmähn
Und keinen loben kan wird sich so schöne machen
Dafern er zu mir kommt: Bald wird er hönisch lachen
Und lästern was ich schrieb: Weil sein verfluchter Mund
(Trotzt diesem den es schmertzt) von mir mit gutem Grund
Nichts schändlichs sagen kan. Kein Tag' ist vor erblichen
In welchem nicht Levin schier stündlich kam geschlichen
Und seine Dienst' anboth. Biß er von mir erlangt
(Den er nunmehr nicht kennt) womit er pocht' und prangt.
Da auch was mehr denn sonst die Taffel wird besetzet
Kommt Tallus von sich selbst den guter Wein ergötzet
Und Speise frölich macht. Schleust man die Küchen zu
Denn hat mein Diener wohl für seinem klopffen Ruh.
Sucht Flaccus guten Rath ist Crispus nicht bey Gelde
Darff Celadon ein Buch den fragt man auf dem Felde
Den fragt man auf der Burg den fragt man in der Stadt
Biß dieser oder der mich angetroffen hat.
Denn heiß ich Herr und Freund denn wil Paulin sein Leben
Und Celadon die Seel' und Habe vor mich geben.
So bald man ohne mich den Wagen führen kan
Denn sieht mich Celadon kaum über Achsel an.
Und Crispus acht mich nicht. Und Flaccus hat vergessen
Wo meine Wohnung war und wo ich angesessen
Was red' ich? Ist ein Mensch dem Phillidor bekand
Und dem verborgen ist wie ich mit Hertz und Hand
Ihm beygesprungen bin. Was hab' ich nicht erlitten?
Als er von so viel Angst und grimmer Noth bestritten
Wir in die Armen fiel und sein Anliegen klagt
Da ich mein Leben selbst für seines hingewagt.
Was hat er vor und ietzt? Das er mir nicht zu dancken?
Jetzt schmäht mich Phillidor und laufft als in den Schrancken
Ein rasend tolles Pferd ohn Zaum und Ziegel rennt
Das weder rechte Bahn noch Menschen-Stimm' erkennt
Und seinen Meister Tritt und durch den Sand umreisset
Und was entgegen kommt voll Grimm zu boden schmeisset.
Nicht wenig die es schmertzt beklagen meine Treu
Umsonst ihr Liebsten! Ach! es ist nicht heute neu;
Daß Undanck auf den Danck und Schimpff auf Wolthat folge
Drum mögen immerhin die Scythen an der Wolge
Und dort bey Astracan auf recht und redlich seyn.
Der überklugen Welt geht nur die Falschheit ein.