Anderweitige B etrachtung Der Grösse GOTTES In seiner Vorherversehung und Führun...
Auf, auf, mein Geist! auf, auf, bereite dich,
Dem Schöpfer der Natur zum Ruhm, von neuen,
Zu dieser Wechsel-Zeit recht innig dich zu freuen!
Dein grosses Wohn-Hauß drehet sich
Nicht mehr, so wie vorhero, von der Sonne;
Wir nähern uns dem Licht und Lebens-Strahl,
Zu unserm Nutz, zu unsrer Lust und Wonne,
Nach GOttes Ordnung abermahl.
Weil dieses nun, daß man die Wunder-Wercke
Des herrlichen Regirers wol bemercke,
Mehr als zu wol verdient; so soll mich diese Zeit
So wol zum Danck, als Lobe, treiben;
Ich will, nach meiner Pflicht und aller Möglichkeit,
Zu dessen Preis’ und Ruhm, gedencken, reden, schreiben,
Der alle Welt- und Himmel-Heere,
Jm Grund- und Gräntzen-losen Meere
Des allgemeinen Raums, gemacht, erhält und führt,
Ja alles, was darin, zu seiner ew’gen Ehre
Und einem weisen Zweck, regirt!
Grund- und Gräntzen-lose Tieffe seel'ger Liebe! helle Klarheit
Eines nie-durchdrungnen Lichts! ewige, selbständ'ge Wahrheit!
Gönne mir auch dieses mahl
Aus dem Meere deiner Weisheit einen hellen Gna- den-Strahl,
Daß ich, deiner Herrlichkeit, Weisheit', Lieb' und Macht zum Preise,
Nach Vermögen, deine Wege mir und vielen andern weise!
Schärffe mir, zu diesem Endzweck, selbst die Kräfte meiner Sinnen!
Laß mein Dencken dir gefallen! Segne selber mein Beginnen!
Wir haben, im verwichnen Jahr,
Der Theilchen grosse Meng’ und ungeheure Schaar,
Die allen Engeln, Geistern, Seelen
Unmöglich fällt zu kennen und zu zehlen,
Aus welchen alle Ding’ entstehen und bestehen,
Zu ihres Schöpfers Ruhm, erstaunet, angesehen.
Wir haben auf die Zahl absonderlich geachtet,
Wir haben einiger derselben Regeln, Kräfte,
Gesetz und Ordnungen betrachtet.
Jetzt fühl’ ich einen Trieb in mir,
Annoch zum edlern Zweck und herrlichern Geschäfte
Der Seelen Kraft zu lencken, zu erheben,
Und, in der herrlichen Regierung
Und aller dieser Theil’ unendlich weisen Führung,
Der GOttheit weise Macht zum Ruhm, mich zu bestreben.
Auf diese Weise wird der GOttheit Licht und Schein
Am herrlichsten erkannt, gerühmet und gepriesen;
Man wird zugleich, was er auch uns erwiesen,
Was er für eine Kraft in unsern Geist gesencket,
Und wie, wenn man von ihm was würdiges gedencket,
Wir ihn, durch uns, uns selbst in ihm, erhöh’n,
Recht überzeuglich sehn.
Selbständige Weisheit! selbständige Güte!
Unendlicher Ursprung der ewigen Wahrheit!
Erleuchte du selbst mein verfinstert Gemüthe
Mit einer dich heller entdeckenden Klarheit!
Die Wunder, die Himmel und Erden erfüllen,
Entstehen aus deinem allmächtigen Willen;
Bestehen durch deine beständige Macht;
Geschehen, wie du es vorhero gedacht!
Daß unzähliche Geschöpfe in den Himmeln, auf der Welt,
Durch die Allmachts-volle GOttheit sind erschaffen und
Daß zugleich sein weiser Wille solche Creatur erhält,
Haben wir in vor’gem Jahr, wie bereits gesagt, verstanden;
Wären nun die Creaturen, der Natur nach, und in sich,
Nicht der Aendrung unterworffen, sondern unveränderlich;
Würde, nebst derselben
Zu derselben Daur und Wesen, unumgänglich nöthig seyn.
Aber da die Creatur bald sich ändert, bald vergehet,
Stirbet, aufgelöset wird, kömmt, verweset und entstehet,
Und doch alles, nach der Maasse, Ordnung, Regeln und
Sich verändert, sich beweget, steht, vergehet und geschicht;
Sieht man ja wol überzeuglich, daß solch’ eine weise Führung
So veränderlicher Dinge, solche richtige Regirung
Solcher ungefügten Theile, der unzählich vielerley,
Sonder eine
Es wird keiner läugnen können, daß auf unserm Kreis
Nicht nur viele
Sondern auch in allen Cörpern und in der Materie
Erstere sind: die wir fühlen, hören, riechen, schmecken, sehen;
Letztere sind dennoch
Da die Sonne lieblich scheinet. Bey den Menschen und den
Wovon wir, bey letzteren, mehrentheils
Und, bey den vernünftigen,
Sind die Aendrungen unzählich: da es dennoch möglich wär’
Daß gantz andere geschähen. Ich spatziere hin und her
Ob es gleich nicht minder möglich, daß ich sitzen, reiten,
Fahren, stehn und liegen könnte, oder etwas anders treiben.
Nun entsteht mit Recht die Frage: ob der Schöpfer aller
Keinen Theil an allem nehme? ob ihm alles zu geringe,
Was er je hervorgebracht? ob er, daß dieß so gescheh’,
Oder auf ein’ andre Weise, sich gar nicht bekümmere?
Von Verändrungen der Cörper blos allein ist offenbar,
Daß die Göttliche Regirung sich damit gewiß befasse
Und von ihrer Aenderung, sich durchaus nicht scheiden lasse,
Dieß erweiset dieß Exempel überzeuglich, deutlich, klar:
Daß die Sonn’ jetzt lieblich scheint, da es stürmen könnt’ und
Stammt entweder gantz gewiß von der ersten Ordnung ab,
Da der Schöpfer allen Cörpern eine solche Regel gab,
Daß,
Unser Himmel gläntzt und pranget in entwölckter Heiterkeit;
Oder dieses schöne Wetter und der heut’ge Sonnen-Schein
Müste durch ein Wunder-Werck kommen und entstanden
Beides zeigt des Schöpfers Macht, Lieb’ und weise Vorsorg
In dem ersten Fall erhellt,
Daß, da sein allwissend Aug’ alles übersehen kann,
Er, bey der Zusammensetzung und der Anlag’ unsrer Welt,
Alles, was aus dieser Mischung bis zum heut’gen Tag’ ent-
Fliessen und geschehen würde, schon mit einem Blick gesehen;
Also, daß schon, in der That,
GoTT, vor so viel tausend Jahren,
Vor die Wittrungen, die wir überkommen und erfahren,
In der Ordnung der Natur allbereit gesorget hat.
Ist nun, nach dem letzten Fall, dieses Tages Sonnen-Strahl
Welches GOtt nur zuzuschreiben; so ist gleichfals abermahl
GoTTES Vorsorg überzeuglich, sonder Wiederspruch
Wenn wir nun noch fernerhin auch die Handlungen
Welche aus dem
Oder aus der
Daß derselben Grund und Quell in den Creaturen liege;
Aber daraus folget nicht, daß GOtt keinen Antheil nehm’
Und sich mit den Handlungen im geringsten nicht befasse;
Sondern sie in allen Dingen schalten, thun und walten lasse.
Zwar ist dieses wahr; hat GOtt Creaturen schaffen wollen,
Welche einen freyen Willen hätten; lässet sich auch schliessen
Daß er freye
Denn sonst wären sie nicht das, was sie hätten werden sollen.
Dieser Schluß ist wahr. Allein,
Es kann doch, bey dieser Freyheit, dennoch nicht geläugnet
Daß die GOttheit alle Wercke, die von ihnen auf der Erden
Würden vorgenommen werden,
Nicht zuvor gesehen hätte; folglich stehet leicht zu fassen,
Daß er auch zugleich beschlossen, was geschicht, geschehn zu
Daß demnach auch solche Dinge, welche sonsten frey geschehn,
Dennoch unter GOttes Willen, Providentz und Vorsehn
Weil der Schöpfer sonsten nur,
Wenn er dieses nicht gewollt, eine solche Creatur
Ja nicht dürfen werden lassen. Da so denn, unstreitig, nicht
Das, was jetzt aus freyen Willen von denselbigen geschicht,
Vorgenommen werden könnte. Daß ich also klärlich sehe,
Wie von allen Handlungen, nichts von ungefähr geschehe,
Sondern alles unter einer Göttlichen Regirung stehe.
Laßt uns aber nunmehr auch von des Schöpfers aller
Unläugbarer Providentz würdige Begriff’ uns machen!
Nemlich, daß dieselbe nicht eine
Sondern, daß in ihr zugleich immer, mit vereinter Kraft,
Von der GOttheit wahrem Wesen eine jede Eigenschaft,
Nemlich
Wunderbar zusammen fliesset.
Seine
Nebst dem
In dem allerhellsten Lichte, in der grösten Deutlichkeit.
Er erkennt, was die Verbindung aller
Er begreift die Wirckungen, die dadurch, zu aller Zeit,
Aller Orten, so im grossen, als im kleinen, kommen werden;
Er ergründet, was der Thiere Willkühr wirckt und nach sich
Er erforscht, was die Geschöpfe, denen er ein frey Gemüht
Und, in ihren Handlungen, einen ungezwungnen Willen
Eingesencket, reden, handeln, thun, beginnen und erfüllen,
Wircken und begehren werden, was gerahten, nicht gerahten
Und was unterbleiben werde, auch was aus derselben Thaten
In der künftgen Zeit erfolgt. Ja nicht nur das, was geschicht
Und geschehen wird, weis er; sondern auch, wenn was
Was daraus entstehen würde, ist ihm ja so wol bekannt,
Als wenn ich, was gegenwärtig mir vor Augen lieget, sehe.
Dieser Weisheit helle Sonne und sein Göttlicher Verstand
Strahlt aus allen Creaturen recht, als wie ein helles Licht.
Wie ist alles durch einander wunderwürdig eingericht,
Und bewunderns-wehrt verknüpffet! Man sieht überall die
Wie von allen Creaturen, in dem Reiche der Natur,
Eines stets am andern hanget;
Jegliches hat seinen Zweck und es wird der Zweck aufs neu
Wiederum ein Mittel, wodurch es zum neuen Zweck’ ge-
GoTTES Liebe, seiner Güte, seiner Gnaden Wunder-Schein
Flößt sich ferner, nebst der
Jhm, dem allerhöchsten Gut, wallt im Göttlichen Gemühte
Eine seelige Geneigtheit, Gnad’, Erbarmung, Huld und
Den Geschöpfen mitzutheilen, stets ihr Gutes zu vergrössern,
Und, nach seiner weisen Ordnung, ihren Zustand zu verbessern.
Gleichfals wirckt der GOttheit
In der Providentz, vereint. Nimmt man diese nun zu-
Und man leitet aus denselben Göttliche Vorsehung her;
Wird von solcher Providentz nicht allein ein richtiger,
Auch ein tröstlicher, Begriff, sonder allen Zweifel, stammen.
Wird ein sterblicher Monarch und ein irdischer Regent,
Welcher seiner Unterthanen Nutz und Bestes sucht und kennt,
Dem es an Gewalt nicht fehlet und der sie als Kinder liebt,
Selbige nicht glücklich machen? wird desselben Regiment
Nicht gedeylich für sie seyn? da nun GOtt, im höchsten Grad,
Alle die Vollkommenheiten Macht und Eigenschaften hat;
Können wir unmöglich anders von desselben Führung
Als; es werde nichts, als gutes aus derselben uns entspriessen.
Aber laßt uns diese Wahrheit deutlicher noch zu verstehn
Das, worüber die Versehung sich erstrecket, übersehn.
Erstlich kommen Dinge vor, welche gäntzlich
Deren sind nun
Willkühr oder freyer Wille etwas ändern, etwas geben,
Etwas nehmen, mindern, mehren, bessern und verschlimmern