Anderweitige Betrachtung der Kirsch-Blüthe.
Mein GOtt, da ich hier stille stehe,
Und, mit für Lust erstarrten Blicken,
Die Blüthe, womit sich die Kirschen-Bäume schmücken,
Mit billiger Aufmercksamheit, besehe;
Entdeck’ ich auf das neu und mercke
Noch nie bemerckte Wunder-Wercke,
Die, daß man deine Macht und Lieb’ in ihnen ehrt,
Auf gantz besondre Weise, wehrt.
Es öfnen sich die braunen Knospen kaum
Die, wie wir einsten schon besehen,
Aus manchem künstlichem Gewebe selbst bestehen;
So wird man in derselben innerm Raum
Drey grüne Blätterchen gewahr,
So hohl und gantz erfüllt mit zartem Haar:
Die, wenn sie von einander gehn,
Wie grüne Blumen anzusehn.
Aus diesen siehet man drey andre steigen,
Die länglichter, und die sich in der Mitten
Als wie ein Hertz durchschnitten,
Und, aus dem Schnitt, ein nettes Blätchen zeigen.
Nachhero werden noch drey andre, welche grösser,
Fast von derselben Art erblickt,
Nur daß darin die Form von Blättern besser
Und deutlicher schon ausgedrückt.
An eines jeden Fuß, die Frucht noch mehr zu schützen,
Sieht man aufs neu zwey grüne Spitzgen sitzen;
Noch über diesen steht ein Blatt,
Das rings um seinen Fuß vier kleine Spitzen
Als ein absonderlich Gewächse hat;