Andre Abhandlung. Von den Liedern, die gewissen Handthierungen eigen waren, oder...

By Friedrich von Hagedorn

Die du Korn und Aehren mehrest,

Ceres, laß doch diese Erndte

Ja recht reich und fruchtbar seyn.

Hört, die ihr die Garben sammelt,

Bindet ja dieselben gut,

Daß der, so vorüber gehet,

Und euch sieht, nicht sagen möge:

Liederliche Tagelöhner!

Das heißt, Lohn umsonst gegeben.

Stellet eurer Garben Spitze

Gegen Norden oder Westen;

Hiedurch schwellt das Korn am besten.

Jhr, die ihr dreschet, schlafet nie,

Wenn euch der Mittag brennt,

Weil ihr alsdenn mit leichter Müh

Das Korn von seinen Hülsen trennt.

Laßt euch ja im Felde sehen,

Schnitter, wenn die Lerch’ erwacht.

Mit ihr müßt ihr schlafen gehen;

Und der Mittags-Hitze Macht

Unempfindlich überstehen.

Jhr Kinder, die Bequemlichkeit,

Die Ruh, die jenen Frosch erfreut,

Verdienet unsern Wunsch und Neid.

Jhm fehlet kein verlangter Trunk,

Er suchet keinen, der ihm schenket,

Er trinket, durch sich selbst getränket,

Und hat zu trinken gnung.

So! karger Filz, nichts steht dir schöner,

Als daß du deine Tagelöhner

Mit schlechten Linsen weidst.

Verwunde dir nur nicht die Hände,

Wenn du einmal zu diesem Ende

Ein Kümmel-Korn zerschneidst.