Anfang des Winters mit dem herannahenden Alter verglichen.
Jm Winter, wenn ich, mit Vergnügen,
Den noch nicht dick gefallnen Schnee
Nur dünn auf flachen Aeckern liegen,
Sie decken und nicht decken seh,
Indem der Furchen Tiefen nur
Vom Schaum der Luft die weisse Spur
Uns, in geraden Strichen, zeigen,
Und daß wir die erhabnen Höh’n,
Als ob sie aus den Tiefen steigen,
In einem braunen Schmuck noch seh’n;
So kommt der ganze Acker mir,
In einer sprenklich-grauen Zier,
Als wie bey uns ein sprenklicht Haar,
Bey noch nicht vollem Alter, für.
Man wird nur einzeln hier und dar
Ein glänzend Silber-Haar gewahr,
Das noch die braunen unterdrücken.
Ob sie nun gleich die Scheitel schmücken,
Ist doch in der noch seltnen Pracht
(wie hier des Winters kalte Nacht)
Das nahe Alter zu erblicken.
Doch schrecket beydes mein Gesicht,
Da ich auf meines Scheitels Höhe
Auch schon dergleichen Schimmer sehe,
Mich, durch die Furcht vors Künft’ge, nicht.
Ich seh, GOtt Lob! auch hier die Spur
Der weisen Ordnung der Natur,
Und denke, wenn die Felder weiß,
Und unser Haupt-Schmuck völlig greiß,
Daß wir dem Lenzen näher kommen,
Hier einem, der veränderlich,
Dort aber einem, welcher sich
Nicht ändert, der uns nie entnommen.
Ich seh indeß, so lang ich kann,
Des frühen Winters sanftes Prangen,
Das sich nur eben angefangen,
Als einen holden Vorwurf an:
Vergnüge mich nicht nur allein
An seinem Silber-gleichen Schein,
Ich denk auch, daß sein gleiches Bild,
So mir bereits mein Haupt erfüllt,
Mir, wenn ich nur vernünftig lebe,
Mehr Anmuht noch, als Schrecken, gebe.
Da ich dort GOttes Ordnung sehe
Jm frohen Wechsel unsrer Zeit;
So seh ich hier der Ewigkeit
Beglückten Frühling, in der Nähe,
Den unsers Schöpfers Liebe fest,
Nach meiner kurzen Tage Rest,
Voll Zuversicht mich hoffen läßt.
Mich kränkt dabey kein Zweifel mehr,
Da GOttes Ordnung feste stehet:
Denn hier so wohl, als dorten, gehet
Der Winter vor dem Frühling her.