Anhang zur Seifen-Blase, in welchem eine Erläuterung vieler Geheimnisse in der N...
Wie ich von der Seifen-Blase dieß Gedicht jüngst
nachgelesen
Und derselben Blasen Ursprung, Stand und eigentliches
Wesen,
Auch die Art, auf welche Weise sie von uns hervorgebracht,
Wie sie eigentlich entstehen und vergehen, überdacht;
Fällt aus dem so schönen Buche,
tur, mir bey:
Wie zu den verborgnen Wegen der Natur-Kraft in der
Luft,
In dem Regen, Schnee und Hagel, Blitz und Donner,
Wind und Duft,
Dieses kindische Betragen fast der beste Schlüssel sey.
Laßt uns denn mit frohem Ernst, um den Schöpfer zu
erhöhn,
Ein bewundernswürdigs Gleichniß im Betrieb der Kin-
der sehn!
Zu etwas Wasser nehmen sie in ein Gefäß ein wenig
Seife:
Wenn solches nun darinn zergangen; so heben sie mit einer
Pfeife
Ein Tröpfgen dieses Wassers auf, und dehnen es durch
lauen Duft
Und sanftes Hauchen aus einander, wodurch die bunten
Kreis' entstehn,
Die, nicht allein in ihren Augen, auch in der That, recht
wunderschön.
Die Quelle dieses Luft-Gesichts ist, daß das Kind die
warme Luft
Aus seiner Lunge, durch die Röhre, ins fette Wasser-
Tröpfgen läßt.
Das Feuer, welches diese Luft schon ausgespannet, dehnt
und preßt
Die Luft, (die in dem Wasser-Tropfen,) die Luft, gedehnt,
verjagt, vermehrt,
Durch ein stets unterhaltnes Blasen, wenn es ununter-
brochen währt,
Entfernt die gröbere Partikeln des Wassers, auch der
Fettigkeiten,
Und aller andrer Seifen Theile. Es widersteht, von allen
Seiten,
Die äußre Luft der innern Handlung, wodurch die Wirkung
denn entsteht,
Daß das darinn enthaltne Feur, zusammt der Luft, nicht
Strich-weis geht,
Nein, sich beständig in der Ründe, und gleichsam als im
Wirbel, dreht,
Auf dem das Wasser und das Oel den äussern Rand
besetzt und zieret.
Der Stoff nun, von der innern Luft gepreßt und aussen-
werts gedrückt,
Von der, die sie ringsum umgiebet, und allenthalben
drängt, formieret,
Durch beyder Druck ein glatt Gewölbe, das an der Dicke
stets verlieret,
Und dünner wird, je mehr dasselbe gedehnet wird und aus-
gespannt.
Die Luft nun in der Wasser-Blase, zusammt dem Oel
und Wasser, wiegt
Noch minder, oder doch nicht mehr, als wie die Luft, die um
sie liegt,
Und deren Stelle sie beschlägt. Es wird daher denn leicht
erkannt,
Auf welche Art sie, von der Luft getragen, in die Höh’ sich
hält.
Es kann der allersanftste Wind sie niederdrücken oder
heben.
Dieß kann uns nun von allen dem, was mit dem Wasser
auf der Welt,
Vom Sonnen-Strahl und von dem Wind betrieben wird,
ein Gleichniß geben.
Der Feuer-reiche Stoff, den uns die Quell’ des Lichts
von oben schickt,
Wird in der feuchten Cörper Flächen, ohn’ alle Hindrung,
eingedrückt.
Er dringt sich in der Lüfte Bläsgen, die machen, daß das
Wasser fliesset.
Wenn nun das Feur die Luft verbreitet, sie mit sich zieht, so
spannt und schwellt
Es folglich auch das Wasser-Theilchen, in welchem sich die
Luft verschliesset.
Das Feuer nun, das von der Sonnen aufs Wasser und
die Erde fällt,
Springt rückwerts, wie uns ja bekannt, und nimmt das
kleine feuchte Stück
Des Wassers, worinn es gedrungen, da es sich hebt, mit sich
zurück,
Dadurch formieret sich ein Bläsgen, das es stets in die
Ründe dreht.
Und wie das Wasser allerley, was sich mit ihm vermischt,
enthält;
So zieht die Hitze, die das Wasser empor zieht, auch mit ihm
zugleich,
Von ganz verschiedener Natur, viel’ Theilchen in der Lüfte
Reich,
Ein Salz, das flüchtig, Schwefel, Oel, auch Theilchen aus
dem Fleisch der Thiere,
Aus Bergwerks-Minen und dergleichen, die sich dem Wasser
einverleiben,
Und mehrentheils wie Schaum und Fett auf seiner äußren
Fläche treiben.
Indem die Feuer-Theilchen nun viel’ tausend Bläsgen,
Fluht und Luft,
Von ihren vor’gen Cörpern trennen, so trennen sie zugleich
mit ihnen,
Und nehmen mit sich Salz und Oel, auch Schwefel-Theilchen
aus den Minen.
Das Feur und die gedehnte Luft erfüllt der Bläsgen innern
Raum,
Das Wasser, nebst den andern Theilchen, getrieben bis zum
äussern Rand,
Formiert daselbst der Blasen Rinde. Weil nun der kleinen
Blasen Stand
Viel leichter als die grobe Luft, und sie den Platz, der dieser
eigen,
Durch Dehnen eingenommen haben, so müssen sie nohtwen-
dig steigen,
Und zwar so hoch, bis sie zuletzt die obre Lüfte dünner finden,
Mit welchem sie, im Gleichgewicht, sich endlich fügen und
verbinden.
Das Wasser kann auf keine Weise zu einer solchen Leichte
kommen,
Als durch die ausgespannte Luft, die es umschliesset und ver-
schränkt.
Die Luft wird, durch das Feur allein, das sich in selbige
gesenkt,
So ausgedehnt, und alles steiget im Drehen, weil das Feur
zum Drehen,
Nach seiner Weise, sehr geneigt, wozu die Luft, die es
umringt,
Und zwar von allen Seiten gleich es um so viel geschwinder
bringt.
Das Wesen dieser kleinen Bläsgen ist nicht allein, dem
Schein nach, wahr;
Man kann im Wasser, wenn es siedet, dieselben mit den
Augen klar
Recht sichtbar in die Höhe springen, und deutlich sich erheben
sehen,
Wobey die allerkleinsten denn im Rauch sich fügen, sich erhö-
hen,
Und, wenn sie kurze Zeit verbunden, sich schnell zertheilen
und vergehen.
Die Bläsgen nun, die von dem Feuer, wie schon erwehnet
ist, formiert,
Und, theils von ihm, theils durch die Schwehre der Luft nun
in die Höh' geführt,
Die halten sich und bleiben oben, woselbst sie zwischen einer
Luft,
Die schwehrer, und noch einer andern, die leichter ist, bestän-
dig schweben.
Von weiten scheinet ihr Verband ein dichter Leib, ein fester
Duft,
Dem wir denn insgemein den Namen von Wolken und
Gewölke geben.
Doch haben tausend Reisende befunden auf der Berge
Höh'n,
Daß das, was sie von unten auf für dicke Wolken ange-
seh'n,
Nichts anders, als ein feuchter Nebel, so wie er auf der
Unterwelt
Zuweilen um uns treibt und schwebet, wenn er von oben
abwerts fällt.
Die Winde, die die Luft bewegen, woher dieselben auch
entsteh'n,
Vereinen sich mit allen Graden der Luft, bewegen, trennen,
fügen
Die in die Höh’ gestiegnen Dünste, daß sie bald hie, bald dort-
werts fliegen.
Begegnen diese kleine Bläsgen, die in der obern Luft zerstreut,
Nun etwan einer kalten Luft, die größre Kraft, hat sie zu
drücken,
Als wie das Feur sie auszuspannen; so ziehn die Bläsgen
allezeit
Sich in sich selber gleich zusammen, wodurch die Rinden sich
verdicken.
Indem sie nun auf diese Weise weit mehr, als wie vorhero,
klein;
So nehmen sie auch mindern Raum, als sie vorher befaßten,
ein.
Sie werden schwehrer, als die Luft, und deren Platz, worinn
sie schweben;
Daher kann sie die äußre Luft nicht mehr, so wie vorhero,
heben,
Und folglich sinken sie sodann gemach herunter aus der
Luft,
Wie oder fallen plötzlich nieder in Nebel, Regen, Thau
und Duft.