Anhang zur Seifen-Blase, in welchem eine Erläuterung vieler Geheimnisse in der N...

By Barthold Heinrich Brockes

Wie ich von der Seifen-Blase dieß Gedicht jüngst

nachgelesen

Und derselben Blasen Ursprung, Stand und eigentliches

Wesen,

Auch die Art, auf welche Weise sie von uns hervorgebracht,

Wie sie eigentlich entstehen und vergehen, überdacht;

Fällt aus dem so schönen Buche,

tur, mir bey:

Wie zu den verborgnen Wegen der Natur-Kraft in der

Luft,

In dem Regen, Schnee und Hagel, Blitz und Donner,

Wind und Duft,

Dieses kindische Betragen fast der beste Schlüssel sey.

Laßt uns denn mit frohem Ernst, um den Schöpfer zu

erhöhn,

Ein bewundernswürdigs Gleichniß im Betrieb der Kin-

der sehn!

Zu etwas Wasser nehmen sie in ein Gefäß ein wenig

Seife:

Wenn solches nun darinn zergangen; so heben sie mit einer

Pfeife

Ein Tröpfgen dieses Wassers auf, und dehnen es durch

lauen Duft

Und sanftes Hauchen aus einander, wodurch die bunten

Kreis' entstehn,

Die, nicht allein in ihren Augen, auch in der That, recht

wunderschön.

Die Quelle dieses Luft-Gesichts ist, daß das Kind die

warme Luft

Aus seiner Lunge, durch die Röhre, ins fette Wasser-

Tröpfgen läßt.

Das Feuer, welches diese Luft schon ausgespannet, dehnt

und preßt

Die Luft, (die in dem Wasser-Tropfen,) die Luft, gedehnt,

verjagt, vermehrt,

Durch ein stets unterhaltnes Blasen, wenn es ununter-

brochen währt,

Entfernt die gröbere Partikeln des Wassers, auch der

Fettigkeiten,

Und aller andrer Seifen Theile. Es widersteht, von allen

Seiten,

Die äußre Luft der innern Handlung, wodurch die Wirkung

denn entsteht,

Daß das darinn enthaltne Feur, zusammt der Luft, nicht

Strich-weis geht,

Nein, sich beständig in der Ründe, und gleichsam als im

Wirbel, dreht,

Auf dem das Wasser und das Oel den äussern Rand

besetzt und zieret.

Der Stoff nun, von der innern Luft gepreßt und aussen-

werts gedrückt,

Von der, die sie ringsum umgiebet, und allenthalben

drängt, formieret,

Durch beyder Druck ein glatt Gewölbe, das an der Dicke

stets verlieret,

Und dünner wird, je mehr dasselbe gedehnet wird und aus-

gespannt.

Die Luft nun in der Wasser-Blase, zusammt dem Oel

und Wasser, wiegt

Noch minder, oder doch nicht mehr, als wie die Luft, die um

sie liegt,

Und deren Stelle sie beschlägt. Es wird daher denn leicht

erkannt,

Auf welche Art sie, von der Luft getragen, in die Höh’ sich

hält.

Es kann der allersanftste Wind sie niederdrücken oder

heben.

Dieß kann uns nun von allen dem, was mit dem Wasser

auf der Welt,

Vom Sonnen-Strahl und von dem Wind betrieben wird,

ein Gleichniß geben.

Der Feuer-reiche Stoff, den uns die Quell’ des Lichts

von oben schickt,

Wird in der feuchten Cörper Flächen, ohn’ alle Hindrung,

eingedrückt.

Er dringt sich in der Lüfte Bläsgen, die machen, daß das

Wasser fliesset.

Wenn nun das Feur die Luft verbreitet, sie mit sich zieht, so

spannt und schwellt

Es folglich auch das Wasser-Theilchen, in welchem sich die

Luft verschliesset.

Das Feuer nun, das von der Sonnen aufs Wasser und

die Erde fällt,

Springt rückwerts, wie uns ja bekannt, und nimmt das

kleine feuchte Stück

Des Wassers, worinn es gedrungen, da es sich hebt, mit sich

zurück,

Dadurch formieret sich ein Bläsgen, das es stets in die

Ründe dreht.

Und wie das Wasser allerley, was sich mit ihm vermischt,

enthält;

So zieht die Hitze, die das Wasser empor zieht, auch mit ihm

zugleich,

Von ganz verschiedener Natur, viel’ Theilchen in der Lüfte

Reich,

Ein Salz, das flüchtig, Schwefel, Oel, auch Theilchen aus

dem Fleisch der Thiere,

Aus Bergwerks-Minen und dergleichen, die sich dem Wasser

einverleiben,

Und mehrentheils wie Schaum und Fett auf seiner äußren

Fläche treiben.

Indem die Feuer-Theilchen nun viel’ tausend Bläsgen,

Fluht und Luft,

Von ihren vor’gen Cörpern trennen, so trennen sie zugleich

mit ihnen,

Und nehmen mit sich Salz und Oel, auch Schwefel-Theilchen

aus den Minen.

Das Feur und die gedehnte Luft erfüllt der Bläsgen innern

Raum,

Das Wasser, nebst den andern Theilchen, getrieben bis zum

äussern Rand,

Formiert daselbst der Blasen Rinde. Weil nun der kleinen

Blasen Stand

Viel leichter als die grobe Luft, und sie den Platz, der dieser

eigen,

Durch Dehnen eingenommen haben, so müssen sie nohtwen-

dig steigen,

Und zwar so hoch, bis sie zuletzt die obre Lüfte dünner finden,

Mit welchem sie, im Gleichgewicht, sich endlich fügen und

verbinden.

Das Wasser kann auf keine Weise zu einer solchen Leichte

kommen,

Als durch die ausgespannte Luft, die es umschliesset und ver-

schränkt.

Die Luft wird, durch das Feur allein, das sich in selbige

gesenkt,

So ausgedehnt, und alles steiget im Drehen, weil das Feur

zum Drehen,

Nach seiner Weise, sehr geneigt, wozu die Luft, die es

umringt,

Und zwar von allen Seiten gleich es um so viel geschwinder

bringt.

Das Wesen dieser kleinen Bläsgen ist nicht allein, dem

Schein nach, wahr;

Man kann im Wasser, wenn es siedet, dieselben mit den

Augen klar

Recht sichtbar in die Höhe springen, und deutlich sich erheben

sehen,

Wobey die allerkleinsten denn im Rauch sich fügen, sich erhö-

hen,

Und, wenn sie kurze Zeit verbunden, sich schnell zertheilen

und vergehen.

Die Bläsgen nun, die von dem Feuer, wie schon erwehnet

ist, formiert,

Und, theils von ihm, theils durch die Schwehre der Luft nun

in die Höh' geführt,

Die halten sich und bleiben oben, woselbst sie zwischen einer

Luft,

Die schwehrer, und noch einer andern, die leichter ist, bestän-

dig schweben.

Von weiten scheinet ihr Verband ein dichter Leib, ein fester

Duft,

Dem wir denn insgemein den Namen von Wolken und

Gewölke geben.

Doch haben tausend Reisende befunden auf der Berge

Höh'n,

Daß das, was sie von unten auf für dicke Wolken ange-

seh'n,

Nichts anders, als ein feuchter Nebel, so wie er auf der

Unterwelt

Zuweilen um uns treibt und schwebet, wenn er von oben

abwerts fällt.

Die Winde, die die Luft bewegen, woher dieselben auch

entsteh'n,

Vereinen sich mit allen Graden der Luft, bewegen, trennen,

fügen

Die in die Höh’ gestiegnen Dünste, daß sie bald hie, bald dort-

werts fliegen.

Begegnen diese kleine Bläsgen, die in der obern Luft zerstreut,

Nun etwan einer kalten Luft, die größre Kraft, hat sie zu

drücken,

Als wie das Feur sie auszuspannen; so ziehn die Bläsgen

allezeit

Sich in sich selber gleich zusammen, wodurch die Rinden sich

verdicken.

Indem sie nun auf diese Weise weit mehr, als wie vorhero,

klein;

So nehmen sie auch mindern Raum, als sie vorher befaßten,

ein.

Sie werden schwehrer, als die Luft, und deren Platz, worinn

sie schweben;

Daher kann sie die äußre Luft nicht mehr, so wie vorhero,

heben,

Und folglich sinken sie sodann gemach herunter aus der

Luft,

Wie oder fallen plötzlich nieder in Nebel, Regen, Thau

und Duft.