Anmuth des Regens nach grosser Hitze.
Es kochte gleichsam jüngst der schwühlen Lüfte Kreis
Durch strenger Sonnen-Strahlen Blitze.
Nicht nur das Land, das Wasser selbst war heiß.
Es lechtzte Gras und Laub vom Druck der schwehren Hitze;
Als unverhoft ein kühler Regen fiel,
So starck, daß alles rauscht’ und zischte,
Wodurch sich Luft und Land und Wald und Feld erfrischte.
Was erst durchhitzet war ward allgemählig kühl.
Ich sahe dieß bedachtsam an, und fand,
Daß Nutz und Lust hieraus, zu GOttes Ruhm entstand.
Mich daucht’ ob sehen meine Augen,
Die Blumen, Kräuter, Laub und Gras
Das lang’ erseufzte laue Naß
Mit tausend kleinen Münden, saugen.
Mich deucht’, ich könne, GOtt zu ehren,
Der ihnen neues Labsal schenckt,
Der sie so liebreich nährt und tränckt,
Jhr sanftes Schmatzen gleichsam hören.
Ein jeglich welck-, bestaubtes Blatt
Verschönert sich, wird frisch und glatt.
Man sieht ein angenehm und holdes Dunckel-Grün
So Feld als Garten überziehn.
Ja da des Himmels neues Licht
Sich an der nassen Glätte bricht,
Kann man, auf allen Blättern, schön
Ein Silber gleichsam gläntzen sehn.
Die schlaffen Stengel steiffen sich,
Es richten sich fast sichtbarlich
Die Blätter in die Höh, es strotzet Laub und Kraut.
Dadurch nun, daß die Luft sich lieblich abgekühlet,
Wird auch mit Lust von unsrer Haut
Ein süsser Schauder oft gefühlet,
Der selber unsern Geist ergetzet
Und ihn, wenn ers erwegt, in ein Vergnügen setzet,
Das wahrlich nicht gemein.
Mir fiel hiebey dieß Danck-Lied ein:
Ach GOtt! der du uns diesen Regen,
Und, in demselben, so viel Seegen
Der dürr- und matten Welt geschenckt,
Der du das durst’ge Feld getränckt,
Der du der welcken Pflantzen Heer,
Zu unserm Nutz, genährt, erqvicket,
Und auch zugleich die Welt geschmücket,
Dir sey dafür Lob, Preis und Ehr!