Annehmlichkeiten des Feuers zur Win- ter-Zeit.

By Barthold Heinrich Brockes

Ach, mein Schöpfer, wie erquickend,

Warm, und lieblich, ja entzückend

Ist das Feur zur Winter-Zeit,

Wenn es draussen friert und schneit,

Und man seinen regen Schimmer,

Sieht und fühlt im warmen Zimmer!

Die von Frost erstarrten Sehnen

Fangen an, sich aus zu dehnen,

Und es fühlet unsre Brust

Eine süsse Ruh und Lust,

Die aus holder Wärm’ entspringet,

Auch den gantzen Leib durchdringet.

Hat der Nord die Haut versehret;

Wird ein Pflaster ihr gewehret,

Durch des Feuers rege Glut,

Die dem Cörper sanfte thut,

Und, was durch den Frost gedrücket,

Gleichsam streichelt und erquicket.

Necht für unser gantzes Wesen

Scheint der Glut Natur erlesen;

Was die kalte Luft verletzt

Wird durch laue Wärm’ ersetzt;

Pein und Schmertzen sind gelindert

Und durchs Feuers Kraft vermindert.

Ja, des Feuers Glantz und Schimmer

Lässet im erwärmten Zimmer,

Manche Lust die Augen sehn.

Es vergnügen kleine Blitze

Uns nicht minder, als die Hitze.

Mancherley Gestalten stammen

Aus bald blau-bald weissen Flammen’,

Die wir mit Vergnügen sehn,

Wie sie sich gespitzt erhöh’n,

Da sie recht, als wenn sie leben,

Sich bewegen, drehen, schweben.

Ofters sieht man sie, wie Wellen,

Wallen, sincken, steigen, schwellen,

Bald verschwinden, bald entstehn,

Bald erscheinen, bald vergehn,

Bald sich theilen, bald vereinen,

Schwinden, und aufs neu erscheinen.

Oefters zeigt sich dem Gesichte,

Mitten in dem hellen Lichte,

Ein gedrehter blauer Rauch.

Ein stets umgeschwungner Schmauch

Zeuget hier auf manche Weise

Kleine Wolcken, kleine Kreise.

In derselben regem Schwingen

Sehn wir helle Funcken springen,

Die sich durch die Loh erhöh’n,

Und, wenn sie entstehn, vergehn,

Aber doch nicht ohn Vergnügen,

Wenn man sie besieht, verfliegen.

Wenn, mit drey getheilten Spitzen,

Schnelle Flammen lodernd blitzen,

Knastert öfters, zischt, und pufft

Die verschrenckt-gewesne Luft,

Da sie das, was sie gedrenget,

Oft mit starckem Knall zersprenget.

Ofters sieht man dunckle Stellen

Plötzlich durch die Glut erhellen,

Wenn die dünne Loh’ sich spitzt,

Und bald hie, bald dorten blitzt,

Wenn die Flammen gantz durchbrechen

Und wie Schlangen-Zungen stechen.

Wenn die Loh’ denn aufwärts steiget

Und nur weisse Lichter zeiget;

Sieht man unten Kohlen glühn,

Als ein funckelnder Rubin,

Diese zeigen tausend Brüche

Und von Asche tausend Striche.

Da sie alles sonst verzehren,

Sieht man sie doch Asch gebähren;

Asche, die sie dämpft und deckt,

Sie erhält, erstickt, versteckt.

Hierin sieht man tausend Spuren

Von verschiedlichen Figuren.

Man sieht weiß und schwartz sich fügen,

Asch’ auf schwartzen Kohlen liegen,

Oefters wie der Schnee so weis,

Und als hätte man, mit Fleiß,

Nach der Kunst, die’s Aug’ erfreuet,

Loder-Asche drauf gestreuet.

Ja, wofern man sie betrachtet,

Und auf Farb’ und Formen achtet,

Tauget die Verschiedenheit,

Wenigstens auf kurtze Zeit,

Uns, in Bildern vieler Sachen,

Einen Zeitvertreib zu machen.

Wann ich nun, bey sanfter Hitze,

Jm gewärmten Zimmer sitze,

Und seh, in gelassner Ruh,

Meiner Glut Bewegung zu;

Scheinet ihr erwärmend Lodern

Danck für Nutz und Lust zu fodern.

Dann bewegen sich von innen

Eilig meine Seel’ und Sinnen,

Und mein Geist hält brünstiglich,

Gleich der Gluth, sich über sich,

Danckt, erhitzt von Andachts-Flammen,

Dem, draus Licht und Wärme stammen.

Denckt zugleich: was würd’ auf Erden

Doch wol vor ein Zustand werden,

Hätte GOTT die rege Gluth,

Die der Haut so sanfte thut,

Zum Gebrauch in unserm Leben,

Uns aus Gnaden nicht gegeben?

Wer demnach, wanns schneit und frieret,

Durch das Feuer Lindrung spüret,

Dencke billig: GOTT allein

Giebt dem Feuer Wärm’ und Schein;

Auch zugleich: daß Preiß und Ehre

Jhm, mit Recht, dafür gehöre.

Nun was kann, für alle Gaben,

Unser Schöpfer von uns haben

Für ein solch unschätzbar Gut,

Als die rege Kraft der Gluth?

Was kann man ihm sonst erweisen,

Als in unsrer Lust ihn preisen?