Antwort auf die vorige klag- aria. G. S.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Was singest du vom sterben?

Das kalte grab ist nicht vor dich.

Des grausen todes bleicher strich

Muß keine frische lippen färben.

Dein aug’ ist allzu schön dazu,

Sich auf die düstre grufft zu lencken.

Das alter sucht die lange ruh;

Die jugend darff daran nicht ohne zittern dencken.

Der scepter, den ein könig

Aus lieb in deinen schos gelegt,

Ist doch kein baum, der dornen trägt.

Ist diese gunst vielleicht zu wenig?

Wie viele lebten höchst-vergnügt,

Wenn sie ein eintzig strahl beschienen!

Und Bellamire seufftzt und liegt,

Da gantze sternen ihr zu der Erquickung dienen.

Daß dich mein mund geküsset,

Ist trost genung vor deinen geist;

Die kost, so das gemüthe speist,

Bleibt dessentwegen unvermisset.

Dein könig liebt dich mehr, als vor;

Vor bahnet’ ihm der schnee der glieder

Die glatte bahn zum liebes-thor:

Jtzt legt sich blos sein geist zu deinem geiste nieder.

Drum, kluge Bellamire!

Besiehl dem munde, daß er schweigt,

So offt ein fleischlich ach! aufsteigt,

Damit ich dich nicht gantz verliere.

Die schönheit hat genung erlangt,

So eines helden faust gebunden;

Damit dein witz nun höher prangt,

So zeige, daß er selbst den sieger überwunden.

Die eyfernden gedancken

Stehn keinem grossen hertzen an.

Die königliche liebes-bahn

Schließt sich nicht in gemeine schrancken.

Man schaut mehr als ein schlaf-gemach

Vor einen fürsten zubereitet.

Armandus folgt der sonne nach,

Die ihren göldnen glantz auf berg’ und thäler breitet.

Was wilst du demnach weinen?

Dein ancker bricht noch nicht entzwey:

Dein schiff ist aller stürme frey:

Du siehst den Pharus helle scheinen.

Drum seegel ungehindert fort!

Dein witz läßt dich was grosses hoffen:

Verschließt dir Venus ihren port;

So hält die klugheit dir der tugend hafen offen.