Antwort der Sylvia an den Flo- rindo, der ihr in einem schreiben seine liebe ent...
Florindo schertzet nur: Ich sehe zwar sein schreiben;
Allein sein hertze liegt noch nicht in meiner hand,
Und wär es auch schon da, wie lange würd’ es bleiben?
Ich weiß gewiß, es liebt den süßen unbestand.
Denn die veränderung bringt allezeit ergetzen.
Es schleicht bey einer kost sich bald der eckel ein,
Und was man anfangs pflag dem golde gleich zu schätzen.
Das muß nach kurtzer zeit wie altes eisen seyn.
Die fessel, so mein blick Florinden angeleget,
Sind dem papiere nur, nicht dir und mir bewust.
Ja weil mein auge nichts von herrschsucht in sich heget,
So nenn’ ich deine band’ ein spielwerck deiner lust.
Ein so galanter kopff kan leichtlich was ersinnen,
Das dichten steht ohndem den besten dichtern frey.
Trüg’ ich den lorbeer-crantz, ich wolt’ es auch beginnen,
Ich schriebe, daß mein hertz wie deines, brünstig sey.
So aber, weil mich noch Apollo nicht gecrönet,
So setz’ ich weiter nichts, als was die wahrheit ist.
Ich weiß es ohnedem, daß mich Florindo höhnet,
Weil man in meiner nacht gantz keinen glantz erkiest.
Wie kan des himmels krafft in meinen augen stecken?
Legt eine göttin sich auch kranck, wie ich, dahin?
Mein glaube weiß sich nicht so weit hinaus zu strecken,
So leichtlich als ich sonst des glaubens fähig bin.
Ein geist, wie deiner ist, der alles kan verachten,
Der aus den perlen sand, und gold zu kothe macht,
Wird wol ein weibes-bild nicht zu vergöttern trachten,
Der selbst der Schöpffer nur das dienen zugedacht.
Drum sage mir nicht vor: daß ich dir was befohlen;
Das bitten kommt uns zwar, doch kein befehlen zu.
Dein liebes-feuer ist ein feuer kalter kohlen,
Und deine leidenschafft läst dich in guter ruh.
Indessen kan ich es vor keine kühnheit schelten,
Daß mir Florindens hand so nette verse schickt;
Ja kan mein bitten was bey deiner Muse gelten,
So werd’ ich künfftig mehr durch ihren schertz erqvickt.