Antwort der Venus an die schwangere sup- plicanten deren trost-gedancken im erst...

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Auf töchter die ihr seyd in meinen schutz gewichen

Und mir auf mein altar verliebten weyrauch streut

Jhr habt euch von der last der fessel schon befreyt

Weil mit der jungferschafft auch alle schmach erblichen:

Die war es die euch stets in tieffe qual gerissen

Die euren reinen leib mit seuffzern offt befleckt;

Jtzt wist ihr was ihr seyd was gut und böse schmeckt

Und dörfft vor weiter nichts als eure wollust büssen.

O zucker-süsser schimpff! o schaden ohne wunden!

So schreibt man seinen ruhm ins buch der ewigkeit

So wird die stoltze zahl der ahnen zubereit

Und unser nahmens-lob der nachwelt eingebunden.

Wahr ist es daß das volck nach seiner art wird lachen

Wahr daß eu’r titul wird auff vielen zungen stehn

Daß manches läster-maul um euren busen gehn

Und mancher donner wird um eure wohnung krachen.

Mich deucht ich höre selbst schon diese worte klingen:

Ey lieber! schaut mir doch die schönen jungfern an

Seht wie die thierchen sich so niedlich angethan

Wie sie den dicken leib in enge kleider zwingen.

Wer aber hat die that der andern aufgeschrieben?

Wer hat den meisten wohl den nabel recht besehn?

Wer weiß was hier und dort im winckel ist geschehn?

Und was des baders hand durch ihre kunst vertrieben?

Nicht alle sind gerecht die wie die engel treten

Und die den busen offt biß oben zugeschnürt:

Da wo der teuffel nicht studenten hingeführt

Muß offt ein schlechter knecht das Pater noster beten.

Nicht alle sind gerecht die keine lieder lieben

Und auf ein iedes wort uns aus den augen gehn.

Was wegen argwohn nicht darf auf den lippen stehn

Das hat der kützel doch dem hertzen eingeschrieben.

Nicht alle sind gerecht die alle lust verlachen

Die vor ein compliment kaum sagen grossen danck

Und von dem rathhauß an biß zu der kirchen-banck

Fast sieben tausend mahl und sechzig schritte machen.

Sie lassen mehr als ihr gedämpffte seuffzer fliegen

Sie fühlen mehr als ihr die centner-schwere pein;

Und daß sie endlich noch so halbe jungfern seyn

Das macht die blinde furcht sie möchten kinder kriegen.

Wie manche möcht bey nacht vor thränen fast zerfliessen

Wenn sich der brüste schnee durch geile brunst bewegt

Wenn der beperlte safft die steiffen lenden regt

Und sich die seele selbst will aus den adern giessen.

Ach! denckt sie wenn ein traum kan solche lust erwecken

Wenn schlaff und schatten-werck so voller zucker stehn

Was mag doch wohl vor dampf aus allen gliedern gehn

Wenn man das honig darff aus rechten muscheln lecken.

Ach daß ich diese nacht mit ehren schwanger würde

Ach wäre nicht der tranck mit galle zubereit

So trüg ich heute noch mich in den männer-streit

Und denn drey viertel jahr die süsse liebes-bürde.

So aber darff mein feld der saate nicht geniessen

Mein blumen-garten darff kein wasser an sich ziehn

Mein stamm muß ohne kern und ohne früchte blühn

Und meine beste krafft auf kalte tücher fliessen.

So spielt das jungfern-volck bey nachte mit den plagen;

Bricht aber allererst der morgen wieder an

Ach! GOtt wer ist wohl denn der recht beschreiben kan

Wie sie die erbarkeit in hundert falten schlagen?

Da will die zehnde kaum von liebes-sachen wissen

Da heist ein freyes wort stracks eitel hurerey

Da fluchen sie getrost von pulver blitz und bley

Wenn man in ehren nur will ihre lippen küssen.

Da schreyn sie: ach! mein herr was? will er mich beflecken?

Was bildt er sich wohl ein? wer meynt er daß ich bin?

Witz aber recken sie die gusche selber hin

Und lassen unverhofft das theure leder lecken.

Will denn ein guter kerl biß in den busen schiffen

Da hört man allererst was rechte keuschheit sey

Da geht der donner loß; und dencken doch dabey:

Ach! warum habt ihr mir nicht besser dran gegriffen?

Und endlich sprechen sie wenn alles vorgegangen:

Mein schatz es steht dir frey nur dieses bitt ich noch

Verschone meiner scham und meiner ehren doch

Sonst magst du wie du wilt mit meinem kräntzchen prangen.

Drum trauret länger nicht ihr töchter um die sünden

Was euch ietzund betrifft hat manche schon gefühlt;

Die auf dem haupte noch mit blumen heute spielt

Kan morgen wohl vielleicht sich ihrer last entbinden.

Was ist die jungferschafft? ein blätchen voller wunden

Das manches mägdchen oft nur mit der hand zerreist

Das auch Fallopius kaum selber uns erweist

Und unter tausenden bey dreyen nur gefunden.

Und soll ich endlich ja die rechte warheit sagen:

Es ist ein lumpen-ding mit kummer angefüllt

Ein rös’gen das nur auf ein viertel stündchen gilt

Und vor ein groschen-stück offt viel zu marckte tragen.

Ich schwere bey mir selbst und aller götter leben:

Giebt eine jungfer sich von achzehn jahren an

Die mir das rare pfand vor augen stellen kan

Sa will ich tausend marck ihr zu der hochzeit geben.

Was sucht ihr weiter denn mit thränen zu beschämen

Ein ding das euch vielleicht das tantzen längst geraubt

Das selber die natur mit dornen überlaubt

Und kaum ein ehrlich kerl darff in die hände nehmen?

Ach denckt doch wer ihr seyd und was ihr seyd gewesen!

Schaut euren neuen stand mit frischen augen an;

Denn sagt was dem die lust der liebe schaden kan

Der so die äpffel darff aus reinem marmel lesen.

Gesetzt auch daß ihr solt gar in die wochen kommen

Was ist es endlich mehr mit kindern schwanger gehn?

Es wird euch doch fürwar zu mehrerm ruhme stehn

Als wenn das alter euch hätt ins spital genommen.

Jhr habt bey weitem nicht so grosse schmach erlitten

Als manch verschrumpelt thier die stets die liebe quält

Die so viel jahre fast als zähn im maule zehlt

Und sich vor kummer offt muß in die grube bitten.

Genug daß ihr kein geld vor eure lust begehret

Daß ihr den gürtel noch mit ehren abgelegt;

Ein andre die den leib vor sieben groschen trägt

Mag klagen daß der crantz auch ihren glantz verzehret.

Euch aber ist der tag der freuden aufgegangen

Jhr saugt canari-sect aus zucker-schalen ein

Und lasset bey der nacht was jungfern jungfern seyn

Wenn eure rosen nur mit gleichem purpur prangen.

Ja wie ein bunter platz gefärbter tulipanen

Wenn man den stengel bricht doch wieder blumen streut;

So wird der süsse bruch der euren schoß bemeyt

Euch allererst den weg zu frischer blüte bahnen.

Die kinder werden euch nur zum ergötzen dienen

Wenn euch eur ebenbild wird unter augen stehn

Wenn eure liebligkeit von ihren lippen gehn

Und eure freude wird auff ihren wangen grünen.

Und endlich seyd ihr nicht die ersten unter allen

Die liebe lust und list mit flammen angefüllt

So ist vor langer zeit das wunderschöne bild

Des grossen Carles kind die Emma selbst gefallen.

So musten meinen thron Augustens töchter küssen

So rieff Cleopatra mich um erbarmen an

So trat Columbula die feder-leichte bahn

Und legten ihren crantz zu meinen götter-füfsen

Doch solte wer von euch in der geburt erblassen

Und giengs ihr etwa nicht nach weiber weise woll

So schwer’ ich daß mein sohn nicht eher schlaffen soll

Biß er diß denckmahl wird auf euren stein verfassen:

Steh leser! diese grufft hält weib und kind verbunden

Diß weil das leben ihm den tod zu wege bracht;

Sie aber weil ihr kind hier vor des neides macht

Hat ausser ihren leib’ kein besser grab gefunden.