Antwort-schreiben an die Frau Gr. A. v. A.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

So bald ich dich und deinen einschluß laß

O werthes blat! von schönster hand geschrieben

Da wurd ich der der seiner selbst vergaß

Weil ich mich sah von der beständig lieben

Die auf der welt in warheit in der that

An redlichkeit an treu verstand und güte

An schönem leib noch schönerem gemüthe

An tugend selbst nicht ihres gleichen hat.

Wer bin ich doch und mein verdienst mit mir

Mich solcher gunst und liebe werth zu schätzen?

Das heist sich selbst zu tief herunter setzen

Wenn man ein nichts zieht vielem etwas für.

Wer kiefelstein vor diamanten kiest

Wer kohlen gräbt und läst den goldklump liegen

Wem kleinigkeit sein grosses wesen ist

Und kan mit witz sich doch dabey vergnügen:

Den zwingt fürwahr der himmel selbst darzu

Durch ein gerüst von sehr verborgnen stricken

Das heimlich wirckt und läst uns keine ruh

Biß man sich muß in sein verhängniß schicken.

Man fühlt den trieb und merckt doch keinen zwang

Die reden sind samt ihrer krafft verborgen;

Ein weiß nicht was durch unsichtbaren gang

Verwickelt uns in weiß nicht was für sorgen.

Da hört man nichts von klugem unterscheid

Da hebt sich auf was werth und unwerth machet

Der sitzt im schooß und jener stirbt vor neid;

Der wird geliebt ein ander wird verlachet.

Hier seht ihr euch leibhafftig vorgestellt

Moin ander ich mein eintziges vergnügen

Ich bin das nichts ihr mir die gantze welt;

An statt ich solt zu euren füssen liegen

So liebt ihr mich und zwar mit höchster treu

Mit reinigkeit den engeln gleich zu schätzen;

Mit keuscher brunst die immer kan ergetzen

Und ohne schuld wird alle morgen neu.

Fahrt fort mein schatz mein allerhöchstes gut

Durch dieses band uns ewig zu verbinden

In meiner brust soll sich kein ende finden

Das schwer ich euch bey unsrer schönen glut.

So lange sich mein blut in adern regt

Und meinem leib empfindlichkeit wird geben;

So lange noch mein hertz zur lincken schlägt

So lange seyd auch ihr mein liebstes leben.

Nun fragt euch selbst ob man dergleichen mann

Der sich so gar an euch hat übergeben

Der keine stund ohn euch begehrt zu leben

Auch wie ihr schreibt zu heftig lieben kan?