Aria im nahmen des Herrn Bräutigams.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

So giebst du dich mein kind in deines dieners armen

Und siehest meinen schmertz mit milden augen an!

Du pflagst dem himmel gleich dich endlich zu erbarmen;

Nach dem du mir das joch der fessel angethan.

Doch laß dich scham und furcht nur länger nicht verweilen:

Es ist ein himmlisch werck: die matten seelen heilen.

Mein engel röthe nicht die unentweihte wangen

Und lieffre willig mir den werthen jungfern-crantz.

Ach wünsche länger nicht in solcher zier zu prangen

Es ist ein falscher schmuck und ein geschminckter glantz.

Verwirff die mürbe pracht die zwar die scheitel schmücket

Und doch die freyheit nur mit centner-lasten drücket.

Bedencke nur vielmehr du meine werthe taube

Wie du der Venus magst geschickt entgegen gehn.

Es wird dir liebster schatz die süsse frauen-haube

Mehr als du selber denckst gesichert artig stehn;

Drum schaue nur getrost die zarten blumen beugen

Weil doch ein Phönix soll aus ihrer asche steigen.

Verwirff das rauhe pfand der unerfahrnen sitten

Und lerne was die glut der warmen adern will.

Es schaut der strenge crantz genau nach allen tritten

Und setzt der jungferschafft ein gar zu enges ziel.

Wie kan ein wespen-stich die blumen leicht verletzen

Und ein erhitzter strahl sie aller zier entsetzen!

Drum ach beseuffze nicht du engel meine liebe

Und achte meinen kuß vor keine galle nicht;

Der beste nectar-safft schmeckt in der ersten trübe

Gnug daß man auch zugleich von dornen rosen bricht.

Dann pflegt das gröste leid die beste lust zu machen

Wenn man nach kurtzem weh die seuffzer kan belachen.

Nun schatz der abend-stern tritt allgemach zur wache

Und die empfindligkeit wil schon zu bette seyn.

Cupido steht und lauscht vor unserm schlaffgemache

Und fordert selbst den schmuck von deiner scheitel ein;

Er rufft: verliebtes paar komm schleuß den müden reihen

Die glut ist schon bereit das opffer einzuweihen.

Mich deucht ich breche schon die himmel-süsse küsse

Von deinen lippen ab: drum engel eile doch;

Die seele wallet schon auff die verliebten bisse

Ach komm und laß den crantz das kleine kummer-joch;

Denn soll er dich hinfort nicht zieren meine schöne

So schau daß dich hiervor der nahmen; mutter kröne.