Aria von der einsamkeit.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Einsamkeit! mein aufenthalt!

Tieffe thäler! hohe berge!

Schwerer sorgen grüfft’ und särge!

Und du auserlesner wald,

Wo so viel vergnügung blühet!

In euch liegt der magnet, der mein gemüthe ziehet.

Viel gemeinschafft, viel verdruß!

Grosse titel lass’ ich gerne,

Es sind schalen ohne kerne,

Die man theuer zahlen muß.

In der demuth lebt man sicher:

Der scharlach kehrt sich offt in klag- und thränen-tücher.

Aber du, o einsamkeit!

Machst uns nicht mit sorgen müde:

Du erquickest uns mit friede,

Den kein harter sturm zerstreut.

Unter deinen lorber-blättern

Befürchtet sich mein geist vor keinen donner-wettern.

Eyfersucht, verleumdung, neid

Nasen nur auf hohe zinnen:

Und ihr gifftiges beginnen

Steht nach keiner einsamkeit;

Denn ein haus von schlechter stirne

Kommt solchen Furien nicht leichtlich ins gehirne.

Ich bekümmre mich nicht viel,

Ob mein einsames gefilde

Einem andern gleich zu wilde,

Und zu fruchtbar scheinen will;

Weil ihm vor dem orte grauet,

Da man nicht viel gepräng’ und viel gesellschafft

Gleichwohl macht die einsamkeit

Meinem hertzen niemahls bange:

Keine stunde währt zu lange,

Man vertreibt sich schon die zeit;

Denn ein buch von guten sachen

Kan auch den längsten tag zum augenblicke mathen.

Unsre regung, fleisch und blut

Recht vernünfftig zu bekriegen,

Und ihm selber obzusiegen,

Lernt sich nirgends sonst so gut,

Als in abgelegnen büschen,

Wo keine schmeichler uns was in die ohren zischen.

O gewünschtes paradies!

Wo uns keine böse schlange

Und kein schrecken-bild macht bange:

Wie vergnügt ist dein genieß!

Denn der zucker deiner früchte

Macht alle saure pein durch seine krafft zu nichte.

Schwermuth, unruh, grimm und spott

Machen hier gantz kein getümmel:

Friede bauet hier den himmel,

Denn, wo fried ist, da ist GOtt,

Der auch unter schlechten kiefern

Den schatten sauffter ruh uns häuffig weiß zu liefern.

O vergnügtes einsam-seyn!

Deine grotten, deine hölen

Flösen den gelassnen seelen

Lauter tugend-balsam ein;

Und was ich am höchsten schätze:

Die freyheit kennet hier kein knechtisches gesetze.

Drum ade! verhaßte stadt!

Du gefängniß der gemüther!

Wo man, statt der wahren güter,

Nichts als dunst und firniß hat.

Hertze, fuß und alle glieder

Gehn nach der einsamkeit, und kommen schwerlich