Aria von der einsamkeit.
Einsamkeit! mein aufenthalt!
Tieffe thäler! hohe berge!
Schwerer sorgen grüfft’ und särge!
Und du auserlesner wald,
Wo so viel vergnügung blühet!
In euch liegt der magnet, der mein gemüthe ziehet.
Viel gemeinschafft, viel verdruß!
Grosse titel lass’ ich gerne,
Es sind schalen ohne kerne,
Die man theuer zahlen muß.
In der demuth lebt man sicher:
Der scharlach kehrt sich offt in klag- und thränen-tücher.
Aber du, o einsamkeit!
Machst uns nicht mit sorgen müde:
Du erquickest uns mit friede,
Den kein harter sturm zerstreut.
Unter deinen lorber-blättern
Befürchtet sich mein geist vor keinen donner-wettern.
Eyfersucht, verleumdung, neid
Nasen nur auf hohe zinnen:
Und ihr gifftiges beginnen
Steht nach keiner einsamkeit;
Denn ein haus von schlechter stirne
Kommt solchen Furien nicht leichtlich ins gehirne.
Ich bekümmre mich nicht viel,
Ob mein einsames gefilde
Einem andern gleich zu wilde,
Und zu fruchtbar scheinen will;
Weil ihm vor dem orte grauet,
Da man nicht viel gepräng’ und viel gesellschafft
Gleichwohl macht die einsamkeit
Meinem hertzen niemahls bange:
Keine stunde währt zu lange,
Man vertreibt sich schon die zeit;
Denn ein buch von guten sachen
Kan auch den längsten tag zum augenblicke mathen.
Unsre regung, fleisch und blut
Recht vernünfftig zu bekriegen,
Und ihm selber obzusiegen,
Lernt sich nirgends sonst so gut,
Als in abgelegnen büschen,
Wo keine schmeichler uns was in die ohren zischen.
O gewünschtes paradies!
Wo uns keine böse schlange
Und kein schrecken-bild macht bange:
Wie vergnügt ist dein genieß!
Denn der zucker deiner früchte
Macht alle saure pein durch seine krafft zu nichte.
Schwermuth, unruh, grimm und spott
Machen hier gantz kein getümmel:
Friede bauet hier den himmel,
Denn, wo fried ist, da ist GOtt,
Der auch unter schlechten kiefern
Den schatten sauffter ruh uns häuffig weiß zu liefern.
O vergnügtes einsam-seyn!
Deine grotten, deine hölen
Flösen den gelassnen seelen
Lauter tugend-balsam ein;
Und was ich am höchsten schätze:
Die freyheit kennet hier kein knechtisches gesetze.
Drum ade! verhaßte stadt!
Du gefängniß der gemüther!
Wo man, statt der wahren güter,
Nichts als dunst und firniß hat.
Hertze, fuß und alle glieder
Gehn nach der einsamkeit, und kommen schwerlich