Aria von der rechten standhafftigkeit im unglücke. C. G. R.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Hemme deine rauhe klagen!

Stille deiner thränen lauff!

Werthe seele! denn die plagen

Hören nicht durch kummer auf.

Warum frisst du dir das hertze

Mit erdachter bitterkeit?

Deine seufftzer, nicht der schmertze,

Sind dein gantzes hertzeleid.

In dem unglück frölich leben,

Will zwar sast unmöglich seyn;

Wetter, die die erd erbeben,

Flösen billich schrecken ein.

Wann die donner-schläge knallen,

Wird der gröste fels gerührt:

Und wenn schloss’ und hagel fallen,

Wird uns blum und lust entführt.

Dencke nur diß zu behalten,

Daß zwar furcht erlaubet sey;

Doch vor schrecken gar erkalten,

Bleibet niemahls tadel-frey.

Niederfallen wird gestrafet;

Zittern nicht. Die wahre ruh,

Die gelassenheit verschaffet,

Kömmt nicht eiteln lüsten zu.

So, wie die geschlancken weiden,

Die kein sturm-wind nicht verletzt,

Doch sich nicht mit blüthen kleiden;

So bleib du auch fest gesetzt.

Der wird unverletzt getroffen,

Der, trotz auch der schwersten last!

Durch geduld und stilles hoffen

In dem himmel wurtzeln fasst.