Arie Hertzogs Sylvius Friederick zur Oelse auff seine Gemahlin.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Ach zürne nicht erlauchte Sylvia

Daß dich ein mund der irrdisch ist will küssen

Mein eigner trieb selbst trieb mich nicht so nah

Des himmels schluß legt mich zu deinen füssen

Der mich verblend aus dem gewichte reist

Und lieben heist.

Ich habe gnug dir diese noth verhölt

Wie aber kan das hertze länger schweigen?

Was das gesicht in der gestalt erzehlt

Muß auch der mund mit blassen lippen zeigen

Ach Sylvia! laß dir das müde flehn

Zu hertzen gehn.

Kan ich davor daß ich entzündet bin?

Dein heisser blick hat diesen brand erwecket;

Mit einem blick war auch mein hertze hin

Wer weiß das feur in schnee und marmor stecket?

Ich hatte kaum ein aug auff dich gewand

Und war entbrandt.

Ach Sylvia! erwege was es sey

Zu seiner lust unschuld’ge seelen brennen

Ich war vorhin von diesen zügen frey

Mit dir hab ich sie erstlich lernen kennen

So hasse denn nicht was du hast gemacht

Und auffgebracht.

Der himmel weiß von keiner härtligkeit

Er schlägt zwar ein doch löscht er auch mit regen

Du bist ihm gleich du ausbund dieser zeit

Laß dich doch auch zu gleicher lust bewegen

Die hölle lehrt was wütet und zerbricht

Der himmel nicht.

Die sonne selbst mischt sich den thälern ein

Ihr wesen wird berühmter auff der erden

Die kohle giebt dem spiegel glantz und schein

Durch mich kan nicht den werth gemindert werden

Die seele die den irrdschen cörper speist

Bleibt doch ein geist.

Zwar ists zu viel ein blosser mensch zu seyn

Und sich an dem was göttlich ist verlieben.

Ach aber ach! GOtt giebt das lieben ein

Wer widersteht den überirrdschen trieben

Ein armer mensch hat nur von fleisch ein hertz

Und nicht von ertz.

Die liebe sieht auch keine gleichheit an

Sie mischet greiß und perlen-schmuck zusammen

Die Emma küst hier ihren unterthan

Ein sclave brennt in königlichen flammen;

Und Veneri ist Adon nur ein knecht

Doch nicht zu schlecht.

Und weist du nicht wem du gewalt gethan?

Gib acht auff dem der dir wird seuffzer schicken

Der ists der dich unendlich siehet an

Verzeihe doch den allzu kühnen blicken

Die sonnen-blum dreht nach der sonne sich

Ich nach dir mich.