Arie Hertzogs Sylvius Friederick zur Oelse auff seine Gemahlin.
Ach zürne nicht erlauchte Sylvia
Daß dich ein mund der irrdisch ist will küssen
Mein eigner trieb selbst trieb mich nicht so nah
Des himmels schluß legt mich zu deinen füssen
Der mich verblend aus dem gewichte reist
Und lieben heist.
Ich habe gnug dir diese noth verhölt
Wie aber kan das hertze länger schweigen?
Was das gesicht in der gestalt erzehlt
Muß auch der mund mit blassen lippen zeigen
Ach Sylvia! laß dir das müde flehn
Zu hertzen gehn.
Kan ich davor daß ich entzündet bin?
Dein heisser blick hat diesen brand erwecket;
Mit einem blick war auch mein hertze hin
Wer weiß das feur in schnee und marmor stecket?
Ich hatte kaum ein aug auff dich gewand
Und war entbrandt.
Ach Sylvia! erwege was es sey
Zu seiner lust unschuld’ge seelen brennen
Ich war vorhin von diesen zügen frey
Mit dir hab ich sie erstlich lernen kennen
So hasse denn nicht was du hast gemacht
Und auffgebracht.
Der himmel weiß von keiner härtligkeit
Er schlägt zwar ein doch löscht er auch mit regen
Du bist ihm gleich du ausbund dieser zeit
Laß dich doch auch zu gleicher lust bewegen
Die hölle lehrt was wütet und zerbricht
Der himmel nicht.
Die sonne selbst mischt sich den thälern ein
Ihr wesen wird berühmter auff der erden
Die kohle giebt dem spiegel glantz und schein
Durch mich kan nicht den werth gemindert werden
Die seele die den irrdschen cörper speist
Bleibt doch ein geist.
Zwar ists zu viel ein blosser mensch zu seyn
Und sich an dem was göttlich ist verlieben.
Ach aber ach! GOtt giebt das lieben ein
Wer widersteht den überirrdschen trieben
Ein armer mensch hat nur von fleisch ein hertz
Und nicht von ertz.
Die liebe sieht auch keine gleichheit an
Sie mischet greiß und perlen-schmuck zusammen
Die Emma küst hier ihren unterthan
Ein sclave brennt in königlichen flammen;
Und Veneri ist Adon nur ein knecht
Doch nicht zu schlecht.
Und weist du nicht wem du gewalt gethan?
Gib acht auff dem der dir wird seuffzer schicken
Der ists der dich unendlich siehet an
Verzeihe doch den allzu kühnen blicken
Die sonnen-blum dreht nach der sonne sich
Ich nach dir mich.