Aristoteles Hymne an die Tugend.

By Gotthard Ludwig Kosegarten

Die du, o heil'ge Stärke, der Sterblichen

Mühselige Geschlechter zu Thaten spornst,

O Tugend, unsrer schwülsten Schweisse

Köstlicher Preis und gewünschtes Kleinod.

Entbrannt in deiner Schöne, Holdselige,

Von deinem Blick begeistert, Jungfräuliche,

Trotzt Hellas Jugend jeder Arbeit,

Lacht der Gefahr, und frohlockt im Tode.

So schmeichelt nicht dem Auge des Goldes Glanz,

So mundet nicht dem Müden der süsse Schlaf,

So kos't die Amme nicht dem Säugling,

Wie du dem ewigen Geiste kosest.

Um deinetwillen stürzte Heracles sich

In endelose Mühen; es stürzten sich

Um deinetwillen Ledens Söhne

Freudigen Muthes in Noth und Arbeit.

Nach dir verlangend, wallte Patroklos Freund

Und Rächer jung noch nieder zur Schattenwelt;

Nach dir verschmachtend, zu des Ais

Düstrer Behausung der starke Ajas.

Dein werth zu werden, Brünstigumschlungene,

Verschmäht' Acharnens Zögling der Knechtschaft

Verschmähte selbst des süssen Lichtes

Wonnegenuss und des Aethers Heiltrank.

Nur dir gebührt der Hymnus. Es huldigen

Nur dir die ew'gen Töchter Mnemosynens.

Zevs Xenios ist ihres Liedes

Inhalt. Ihr Päan ist heil'ge Freundschaft.