Armeniens wunderliche Liebens-Art.

By Johann Georg Gressel

Soll uns Armenie mit ihrer Gunst anlachen

So muß man sie durch Geld zuvor verliebet machen

Braucht man dis Kunst-stück nicht so triegt die Meynung oft

Und man erlangt das nicht worauf man sonst gehofft.

Hat sie die krumme Hand mit Gaben nicht vergnüget

So kriegt man keinen Blick ob man gleich vor ihr lieget

Sie dencket weil sie schön und liebens-würdig ist

Es schwärtzte ihre Zier wenn ohne Geld geküßt.

Sie will der

Man soll durchs Gold wie

Denn gleich wie dessen Gold durch Stein und Hüter brach

So gibt sie alsofort auf das Geschencke nach.

Sie läst sich nicht durch List noch Schmeichelung besiegen

Sie liebet den Gebrauch mit güldnen Kugeln kriegen

Der grosse

Weil er ihr diese Kunst zu ihren Vortheil lehrt.

Vom Freyen hält sie nichts noch weniger von Nehmen

Des Nehmens aber wil sie selber sich nicht schämen

Sie siehet auf das Geld ist dieses mit darbey

So glaub er daß er schon der Vestung Meister sey.

Wer will mag diese Kunst nur einmahl an ihr üben

Sie wird ihn alsofort mit grosser Inbrunst lieben

Denn spricht sie: Wer kan wol von Stahl und Eysen seyn

Ist doch ein heisser Kuß auch bey den Engeln rein

Allein was wird daraus? ach Kinder Kinder Kinder!

Sie aber bleibt getrost und buhlt nichts destominder

Sie schreyet immer fort ich nehme dennoch Geld

Ob mich schon manches Kind vor seine Mutter hält.