[Armseliger/ was hilfft dich doch dein lieben?]

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Written 1647-01-01 - 1647-01-01

Armseliger was hilfft dich doch dein lieben?

Du liebest was nicht lieben kan

Des himmels schluß hat dich itzt zwar getrieben

Doch rührst du was verbotnes an.

Die schönheit die dein hertze sucht

Ist des verbotnen baumes frucht.

Die hoffnung lud mich einsten zwar zu gaste

Der neid läst aber mich nicht ein

Die mißgunst macht mir eine stete faste

In der viel marter-wochen seyn.

Mein paradieß ist zugemacht

Und wird von eyffersucht bewacht.

Wer lescht den durst mir nun in dieser wüste?

Ich leide noth bey überfluß.

Was nützt der auszug engels-gleicher lüste

Weil sie kein mund geniessen muß?

Das auge das vergnügung hat

Macht durchs gesicht kein hertze satt.

Ich küsse gnug und spiele in gedancken

Gedancken aber speisen nicht.

Manch süsser traum setzt mich in liebes-schrancken;

Was ist ein traum beym tage-licht?

Diß blendwerck schwindet wie ein dunst

Und das ergetzen ist umsonst.

So müh ich mich mit irrwisch und auch schatten

Und der ichs klage lacht darzu;

Es schwärmen kaum ums licht so viel der matten

Als seuffzer stöhren meine ruh.

Ein stetes wünschen frißt mich ab

Und nichts erhalten bringt das grab.

Stirb Lysis stirb viel besser ists gestorben

Als ohne Phyllis gunst gelebt;

Wer so verdirbt der ist traun wohl verdorben

Wenn ihn das glücke so erhebt;

Vielleicht rührt Phyllis todt mich an

Als sie im leben nicht gethan.