[ASterie / ich bin gebunden /]

By Heinrich Mühlpfort

Written 1660-01-01 - 1660-01-01

ASterie ich bin gebunden

Und zwar durch nichts als einen kuß

Den kuß der macht mir seelen-wunden

So daß ich tödtlich krancken muß.

Ich werd entzücket

Durch einen mund

Und auch berücket

Daß von der stund

Ich nicht gesund.

Entdecke mir doch was das küssen

In seinem rechten ursprung sey;

Wenn sich die geister in sich schliessen

Durch so verliebte zauberey

Und sich verschrenken

In schneller eil?

Wer kan gedencken

Was vor ein theil

Der küsse pfeil?

Dein mund der ist mein wollust-keller

Worinn sich offt berauscht die seel;

Ich achte nicht den muscateller

Wann nur in der corallen-höl

Die seele weidet

Nebst deinem geist

Der nicht eh' scheidet

Und von mir reist

Biß ich gespeist.

Asterie laß deine lippen

Mir nur nicht harte felsen seyn;

Ein schiffer flieh't sonst hohe klippen

Bey dir lauff ich im hafen ein.

Dein kuß der bleibet

Mein lust-magnet

Zu dem mich treibet

Die treu so steht

Und nicht vergeht.

Hastu von mir was mehr empfunden

Als den verschrenckten lippen-rausch?

Hat lieb und treu ein garn gewunden

So schöner als der rosen-strauch;

So magstu glauben

Daß ich kein schnee

Und daß mit schrauben

Im hertzen steh

Asterie.