Asträens durch vier halb-götter ge- stütztes ehren-bild als vier gute freun- de ...

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Paris das andre Rom hat auch der Römer sitten

Und läst sie sonderlich umb seinen könig schaun;

Es würde wenn es nur die christen-regeln litten

Jhm leicht als einem GOtt altar und tempel baun.

Nur neulich hat es noch mit tausend pracht gezeiget

Wie hoch die Majestät wie groß der bürger treu

Und wie ein Königs-thron der alles übersteiget

Nur nach gemeiner art nicht zu verehren sey.

Es hatte diese stadt ein bild aus ertz gegossen

Umb seinem Ludewig ein ehren-mal zu seyn.

Das werck war auffgeführt und auch beglückt geschlossen

Und endlich weyhte man es diesem König ein.

Bey dieser handlung ward ein tempel angeschauet

In dem man ebenfalls des königs bildniß fand

Und war das gantze werck auff felsen auffgebauet

Auff derer härtigkeit es unbeweglich stand.

Vier helden die man einst den göttern zugesellet

Die nahmen ihren platz auff allen seiten ein.

Hieher war Hercules dort Perseus hingestellet

Hier stund des Theseus bild dort muste Jason seyn.

Manch sinnbild war hierbey von kluger hand geschehen

Es fehlte über diß an ehren-pforten nicht

Und unten liessen sich die wasser-götter sehen

Die voll verwunderung ihr haupt empor gericht.

Jhr die ihr an dem strand der schnellen Pleisse wohnet

Und heute fast bestürtzt von ihrem ufer geht

Da freud und jubel-ruff auch wolcken nicht verschonet

Indem die weite lufft voll schall uud jauchzen steht;

Jhr sag ich die ihr gleich den triessenden Najaden

Jtzt mit verwunderung das frohe haupt erhebt

Und die der glocken klang zu einem fest geladen

Von dessen herrlichkeit ihr alle zeugniß gebt:

Was seht ihr anders sonst? was kommt euch zu gesichte

Als ein dergleichen werck wie nächst Paris geschaut?

Das alles was so strahlt vor eurem augen-lichte

Hat man Astrœens bild zum tempel aufferbaut.

Denn weil die Themis hier in gar so viel gerichten

Sonst nichts zu üben pflegt als recht und billichkeit

Weiß sich die linden-stadt nicht besser zu verpflichten

Als daß sie diesen tag zu ihrem feste weyht.

Ein felsen ist der grund auff dem ihr tempel stehet

Denn die gerechtigkeit pflegt felfen gleich zu seyn:

Sie sinckt nicht wenn ein sturm der wellen auff sie gehet

Und es erweicht sie auch kein heisser sonnenschein.

Die helden welche hier den bau der ehren stützen

Seyd ihr gedoppeltes und halbes götter-paar

Astrœens bildniß kan auff euch geruhig sitzen

Jhr nehmt ihr theures wohl auff allen seiten wahr.

Mein Svendendörffer du bist Hercules zu nennen

Weil du die üppigkeit und faulheit stets bekriegt

Und sie zwo schlangen gleich die andre gifftig brennen

Fast in der wiege schon wie Hercules besiegt.

Und fragt man was davor das glücke dir beschieden?

So heist dein purpur mich dergleichen deutung thun:

Es wird wenn einsten ja dein atlas solt’ ermüden

Der ehren-himmel denn auff deinen schultern ruhn.

Du werther Frise hast das unrecht überwunden

So wie der Perseus einst Medusen hat gefällt

Demnach wer deinen witz und klugheit hat empfunden

Wird durch verwundern fast in einen stein verstellt.

Die arbeit wenn sie noch so schwer und hart gewesen

Hast du durch steten fleiß erleget und besiegt

Dir zur Andromeda die Themis auserlesen

Und dich und sie dadurch den sternen beygefügt.

Weil kluger Götze dich die weißheit seltner sachen

Der sprachen wissenschafft und gründliche verstand

Den du in rechten hast bereits zum abgott machen

Wird halb-gott Theseus auch dir billich zuerkant.

Statt Ariadnens hat die tugend dich geführet

Jm labyrinth viel sich sonst vergebens mühn

Und hat des Theseus arm Athen geschickt regieret

Wird unser Pleiß-Athen dich auch zu ehren ziehn.

Und du mein Stiglitz bist dem Jason zu vergleichen

Dein schiff ist müh und fleiß du theurer rechtens-sohn

Du hast die segel stets nach Colchis lassen streichen

Drum trägst du auch anitzt das göldne vließ davon.

Und hast du diesen schatz und solche kostbarkeiten

So wird gewiß dir auch Medea nicht entgehn:

Sie mag dir nun ein amt sie mag ein weib bedeuten;

Genug daß beydes sol zu deinen diensten stehn.

Wohlan! die Königin der rechte ist vergnüget

Daß ihr geweyhter thron so feste stützen führt

Und die gerechtigkeit auff solchen felsen liget

Auff derer spitze man nichts von erschüttern spürt.

Euch aber lasse nur der himmel alles schauen

Was werthesten diß blat euch wollen prophezeyn

Und ich wil noch zuletzt den sieges-bogen bauen

Worauff die beyschrifft sol von solchem innhalt seyn:

Schaut diese tragen hier mit unermüdtem rücken

Vier starcken pfeilern gleich Astrœens ehren-bild

Und daß sie diese last nicht sol beschwerlich drücken

Sind ihre schultern itzt in purpur eingehüllt.