Atheistenkriege unnütz und unnöthig.

By Barthold Heinrich Brockes

Die Ursach, warum itzt die Lehren,

Die Atheisten zu bekehren,

Sich fast an allen Orten häufen,

Kann ich nicht gar zu wohl begreifen,

Da doch so viel, als wie man hört,

Sich ihre Schaar nicht eben mehrt.

Ja sollte letzters auch geschehen,

Ist es noch ungewiß, ob selbe nicht entstehen

Dadurch, daß man, was Gott, so wunderlich erklärt.

Es scheint, wenn wir es recht ergründen,

Daß, wenn dieß ohne Noth geschicht,

Mehr Stolz als Nutz darinn zu finden;

Wer braucht beym Sonnenstral ein Licht?

Man glaubt, die Sprache der Natur

Sey, gegen unsre Schlüsse, nur

Ein unverständlich dunkles Wesen,

Und, sonder unsrer Schlüsse Kraft,

Das Kreaturbuch nicht zu lesen.

Da in der Geister Eigenschaft

Doch ganz verschiedene Gedanken,

Ein ärgerlichs beständigs Zanken,

Und nichts als Jrrungen entstehn,

Wie leider! überall zu sehn.

Wann in den wunderbaren Werken

Der Schöpfer überall zu merken,

Er selbst sich überall entdeckt;

So scheint, als ob in dem Betragen,

Von andrer Schwachheit nichts zu sagen,

Kein andrer Grund als dieser steckt:

Ein jeder scheint sich zu bemühn,

Mehr seinen Geist hervorzuziehn,

Als Gottes Wesen zu bewehren.

Ein jeder will mit seinem Geist,

Was sich an allen Orten weist,

Was mehr als sonnenklar, erklären.

Es kömmt ein solch Betragen mir

Fast in der That nicht anders für,

Als wenn ein Kind, mit klugen Lehren,

Mit einer langen Schlüsse Reih,

Will aus dem A. B. C. erklären,

Daß es zu Mittag, Mittag sey.