Auch ein Schicksal

By Ludwig Achim von Arnim

Written 1806-01-01 - 1806-01-01

Ich habe mein Feinsliebchen

So lange nicht gesehn,

Ich sah sie gestern Abend,

Wohl vor der Thüre stehn.

Sie sagt, ich sollt sie küssen,

Als ich vorbey wollt gehn;

Die Mutter sollts nicht wissen,

Die Mutter hats gesehn.

Ach Tochter, du willst freyen,

Wie wird es dir ergehn;

Es wird dich bald gereuen,

Wenn du wirst andre sehn.

Wenn alle junge Mädchen

Wohlauf zum Tanzboden gehn,

Mit ihren grünen Kränzerchen

Im Reihentanze stehn,

Dann mußt du junges Weibchen

Wohl bey der Wiege stehn,

Mit deinem schneeweissen Leibchen,

Der Kopf thut dir so weh.

„Das Feuer kann man löschen,

Das Feuer brennt so sehr;

Die Liebe nicht vergessen,

Je nun und nimmermehr.“