Auf das Absterben einer vornehmen Christlichen Frauen

By Christian Friedrich Hunold

Written 1697-01-01 - 1697-01-01

Hoch-Edle die ich nur der Tugend nach gekandt

Die ein so gut Gerücht als Ruth in Salems Auen

An Tugend hat gehabt die das gelobte Land

Auf Erden nicht so wohl als wie anitzt kan bauen

Ihr hat der Höchste viel vom Leiden auferlegt

Und Ihr den Liebes-Kuß der Frommen auch gegeben:

Allein ihr Glaube ward zu keiner Zeit bewegt;

Bey diesem allen blieb ihr Hertz am Himmel kleben.

Vor edle Seelen ist die Welt ein Jammerthal

Und wenn sie gleich den Fuß auf lauter Rosen setzen.

Und diesen giebt der Herr den grösten Gnaden-Strahl

Die an dem Irdischen sich nie zu sehr ergetzen.

Wer kennt das edle Blut der Leopolden nicht?

Sie hat? Hochseelige den Ursprung draus genommen

Und zeigte was die Schrift von frommen Assaph spricht:

Von edlen Eltern muß was edles wieder kommen.

Ein Zweig von schöner Art trägt allzeit gute Frucht:

So ist Hochseelige ihr Lebens-Baum gewesen

Ihr Tugend-Wachsthum hat der Höchste selbst gesucht

Die Frucht des Glaubens war bey Ihnen auserlesen.

Unmöglich daß ein Blat in wenig Zeilen bringt

Wie rein ihr Christenthum; Es war so wie mich deuchtet

Ein Licht davon der Glantz in fremde Gräntzen dringt

Das vor den Leuten hat nach Christi Wort geleuchtet.

Ein edles Weib bekomt auch einen edlen Mann

So ward an Ihr erfüllt was Frommen wird verheißen.

Wer theurer Heincke dich noch wurdig nennen kan

Muß deine Tugenden und Wissenschafften preisen.

Der Leib vermodert zwar doch deiner Ehren-Krantz

Frist weder Zeit noch Wurm. Gelehrsamkeit und Gaben

Die dich berühmt gemacht die werden steten Glantz

So wie Wohlseelige auch Ihre Tugend haben.

Bey allem Kummer hat der Höchste sie geliebt

Und in sein Vater-Hertz sie inniglich geschlossen;

Davon ihr schönes End ein herrlich Zeichen giebt

So wie ihr Leben auch die Proben stets genossen.

Wir schauen ihren Tod mit solchen Augen an

In welchen wenn vorher die Thränen sind gewesen

Nun Ehrerbietung steht woraus ein jeder kan

So ihre Herrlichkeit als ihr Gedächtniß lesen.

So grünt Ihr Ruhm allhier und auch ihr edles Blut

Wir ihrer Eltern Glantz durch gleiche Tugend nehren.

So vieler Seegen sonst auf frommen Erben ruht

So viele Wohlfahrt müß' auch deren Heil vermehren.

Die Grabschrifft aber kan Hoch-Edle diese seyn:

Wer nie der Frömmigkeit und Klugheit Hauß erblicket

Der nahe sich der Grufft und hebe diesen Stein

Hier ruht ein edles Weib mit beyden ausgeschmücket.