Auf das absterben Fr. A. C. G. B.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Betrübte zieht das saltz der schweren thränen ein

Und schlagt zugleich die last der sorgen in die erden:

Denn sagt wo könte wol der mutter besser seyn

Als itzt da mund und hertz zu lauter sternen werden.

Jhr wißt wol daß ein mensch den jahres-zeiten gleicht

Die erstlich nichts als lentz und süsse sommer zeigen

Biß daß der kühle herbst dem kalten winter weicht

Und endlich beyde sich zum untergange neigen

Dann fängt der naße mertz den frühling wieder an

Die strenge lufft zertrennt den dicken dunst der erden

Und denn bricht der aprill die bunte blumen-bahn

Und läst den kalten schnee zu frischen purpur werden:

So must es traurige der mutter auch ergehn;

Jhr alter war nunmehr biß in den winter kommen:

Weil sie von neuem nun soll wieder aufferstehn

So hat der krancke mertz die kälte weggenommen.

Wir graben nichts als schnee und schwache glieder ein;

Dort aber scheinet schon der frühling ihrer seelen

Und schreibt euch insgesamt auf ihren leichen-stein:

Wer GOtt liebt soll sich nicht um fromme seelen quälen.