Auf das absterben Fr. A. C. G. B.
Betrübte zieht das saltz der schweren thränen ein
Und schlagt zugleich die last der sorgen in die erden:
Denn sagt wo könte wol der mutter besser seyn
Als itzt da mund und hertz zu lauter sternen werden.
Jhr wißt wol daß ein mensch den jahres-zeiten gleicht
Die erstlich nichts als lentz und süsse sommer zeigen
Biß daß der kühle herbst dem kalten winter weicht
Und endlich beyde sich zum untergange neigen
Dann fängt der naße mertz den frühling wieder an
Die strenge lufft zertrennt den dicken dunst der erden
Und denn bricht der aprill die bunte blumen-bahn
Und läst den kalten schnee zu frischen purpur werden:
So must es traurige der mutter auch ergehn;
Jhr alter war nunmehr biß in den winter kommen:
Weil sie von neuem nun soll wieder aufferstehn
So hat der krancke mertz die kälte weggenommen.
Wir graben nichts als schnee und schwache glieder ein;
Dort aber scheinet schon der frühling ihrer seelen
Und schreibt euch insgesamt auf ihren leichen-stein:
Wer GOtt liebt soll sich nicht um fromme seelen quälen.