Auf das absterben Herrn Ernst Heinrich Wedels, Med. Doct. und Prof. Publ. Extrao...
Der ungeheure frost, den unsre welt empfunden,
War zu gemeinem heyl und troste kaum verschwunden,
Als der geschmoltzne schnee von berg und felsen flos
Und nebst dem mürben eiß sich in ein meer ergos,
Das thäler, wiesen, feld und äcker überschwemmet.
Nun hat der frohe lentz die fluten zwar getämmet,
Und theils schon abgeführt: Der landmann ist erfreut,
Die stadt verspricht ihr selbst nicht schlechte nutzbarkeit
Aus der verlohrnen flut: Die theurung scheint zu fallen,
Die täglich steigen wolt; Allein was vor ein knallen
Bricht aus der wolcken-nacht auf des Parnassus höh?
Wo unsrer Musen witz auch unter kalten schnee
Der weisheit blumen pflantzt. Was hat der blitz getroffen?
Wir schauen unverhofft Hygeens tempel offen.
Der eine pfeiler liegt zerdrümmert und entzwey:
Der Meditrine mund bricht in ein angst-geschrey
Und herbes seuffzen aus: So muß mein Wedel sterben?
So nimmt des todes macht des großen Vaters Erben,
Sein kluges Ebenbild auf einen schlag dahin.
Was hilfft dich deine kunst? betrübte Meditrin!
So klagt Hygeens mund. Sie muß auch freylich klagen,
Nachdem er so erwünscht dem Vater nachgeschlagen,
Dem Vater, dessen ruhm durch so viel länder geht,
Dem Vater, dessen witz ihn täglich mehr erhöht.
Was dieser itzund ist, das fieng er an zu werden:
Der fortgang war gewiß, er aber darff auf erden
Nicht ferner nützlich seyn: des harten himmels schluß
Macht, daß allhier der artzt selbst zeitlich sterben muß.
Es klagt die gantze stadt, und was ihm sonst sein leben
Bedächtig anvertraut: Nach andrer besten streben
Hielt er vor seinen nutz: Wir fallen selber bey,
Daß dieses Sternes fall sehr zu beweinen sey;
Indem er uns bisher den schönen weg geleitet,
Wo die erfahrung geht, und der verstand nicht gleitet,
Der weg, der in das chor des hohen tempels führt,
In dem Hygea sitzt: wo sich die nacht verliert,
Womit Morvonens grimm den armen menschen dräuet,
Ach daß uns dieser Stern so kurtze zeit erfreuet!
Wie manches irr-licht bleibt und strahlet in der welt,
Obgleich viel tausenden sein strahlen schädlich fällt?
So ist kein Wedel nicht. Erblaßter! dessen seele
Uns allzufrüh verläst, und dessen leib die höle
Des grabes itzt umfängt, dir bleibet doch der ruhm,
Daß du recht treu gelehrt, zu deinem eigenthum.
Nun stirbet diese treu. Ach daß sie doch noch lebte!
Ach daß nicht der Parnaß von deinem falle bebte!
Wiewol sie lebet noch in deiner hörer brust.
Wem ist die redligkeit der Lehrer unbewust,
Die noch am leben sind und unsern tempel stützen?
Dein Vater, welchem wir zu seinen füßen sitzen,
Ist annoch unser trost. Drum wünschet unsre pflicht:
Daß GOtt, der kälte, flut und alles unterbricht,
Was uns verderben kan, die macht zurücke ziehe,
So uns in trauren setzt: Daß unser Pindus blühe:
Und der, so den verlust durch ungefärbte treu
Und wissenschafft ersetzt, ein andrer Wedel sey.