Auf das absterben herrn Raymond Faltzens, weit-berühmten königlichen Preußischen...

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Da Bonn durch Preussens starcken held

Und Cöhorns donner niederfällt:

Da Wien die freuden-paucken rühret;

So leidt hingegen Phöbus noth,

Und klagt, daß er durch Faltzens tod

Mehr, als ein gantzes heer, verliehret.

Zörnt nicht, ihr helden! die ihr denckt,

Daß alles an dem degen hengt:

Jhr seyd der brust-schild unsers lebens;

Doch, soll euch einst die nach-welt sehn,

So muß es durch die kunst geschehn:

Sonft ist eur hoher ruhm vergebens.

Jhr rennet wall und mauren an;

Wir sagen, was ihr habt gethan:

Jhr sterbet; Unsre wercke bleiben.

Camill! wer dächte noch an dich,

Geschäh es nicht durch kupffer-stich,

Geschäh es nicht durch kunst und sehreiben?

Ja, Friedrich! deine crönungs-that,

Die keinen zusatz nöthig hat,

Und grösser ist, als wir es meinen,

Die würde, könten stahl und stein

Und bücher nicht die zeugen seyn,

Uns selbst als eine fabel scheinen.

Drum hast du bey der grossen macht

Auch stets auf grossen ruhm gedacht,

Und so viel künstler aufgeführet,

Daß man nicht wohl zu sagen weiß,

Ob dir mehr in dem felde preiß,

Ob in der musen chor gebühret.

Dein Faltz, den Phöbus itzt beklagt,

War schon an Franckreich halb versagt;

Jedoch dein glantz hat ihn bewogen,

Daß er Pariß für nichts geschätzt,

Den schein der wahrheit nachgesetzt,

Die tugend lastern vorgezogen.

Und dergestalt muß Ludewig

Wohl freylich über deinen sieg,

O grosser held! für eyfer breunen:

Schlag, spricht er, wie man schlägt und ficht,

Beraub mich nur der künstler nicht,

Die, was mir fehlt, ersetzen können.

Ach! köntest du doch auch zugleich

So, wie du dir ein königreich,

So, wie du unser heyl gebauet,

Uns Faltzen aus dem grabe ziehn,

Durch dessen künstliches bemühn

Die gantze welt dein bildniß schauet;

Was wunder würden wir nicht sehn,

Die ja zum theile schon geschehn,

Theils aber bald geschehen werden!

Allein GOtt zieht den schau-platz zu:

Faltz geht zu seiner seelen-ruh,

Und seine kunst mit ihm zur erden.

Jhr Musen! die ihr in der höh’,

Jhr Nymphen! die ihr an der Spree

Und kühlen ufern pflegt zu wohnen,

Hüllt seinen leib in scharlach ein!

Streut rosen auf den leichen-stein!

Pflantzt in den umkreis anemonen!

Der viel unsterblich hat gemacht,

Liegt nunmehr in des todes nacht;

Doch, was er andern hat gegeben,

Das bleibt ihm wieder zum gewinn?

Sie werden ewiglich durch ihn,

Er wird in ihrem bilde leben.