Auf das grosse Stück-Schiessen den 4. Julii den 1666. in Breßlau gehalten.

By Heinrich Mühlpfort

Daß die Gerechtigkeit und heilsame Gesetze

Dein unvergänglich Lob du schöne Stadt erhöhn

Daß Rath und That zugleich dir an der Seiten

Damit kein gisstig Biß deß Feindes dich verletze

Kröhnt Breßlau deinen Ruhm und mehrt die grosse Ziehr

In welcher du vorlängst gehst andern Städten für.

Doch ist diß nicht allein. Auch mitten in dem Frieden

Da ungekränckte Ruh die güldnen Zeiten weist

Schläft doch dein Bürger nicht der embsig sich befleist

Wie durch der Waffen Macht wird aller Fall vermieden

Und als jetzt hundert Jahr gleich ihren Kreiß vollziehn

Sieht man deß Werders Platz an Stück und Zelten blühn.

Es wolte Jupiter nechst seinen Blitz ablegen

Als er den Donner-Knall auf Erden hörte gehn

Und Mars blieb nicht wie vor auf seinen Hämus stehn.

Er dachte gleiche Lust mit solchem Volck zu hägen

Das in dem Hertzen Feur Krafft in den Armen hat

Und das nicht ohn Verdienst erlangt ein Lorbeer-Blat.

Hiermit so wuchs der Muth als Kleinod und Geschencke

Von Göttern dieser Stadt den Bürgern außgetheilt

Ein jedes Auge hat der Kugel gleich geeilt

Zu sehen ob der Schuß tieff in dem Schirme hencke

Wie weit daran gerückt wie nah es müsse seyn

Und was da eigendlich zum Vortheil leitet ein.

Den Uberwinder hat die Stimme der Trompeten

Ein freudiges Glück zu ein silberner Pocal

Siegprangend aufgeführt und denn ein köstlich Mahl

Geheissen alle Noth und bittre Sorgen tödten

Wer lobt im Frieden nicht Bereitung zu dem Streit

Und daß man diß erlernt was man braucht mit der Zeit.

Zwar ewiges Gelück und Frieden-reicher Segen

Schweb’ umb dein blühend Haupt du unbefleckte Stadt

Die nie kein Feind geschwächt kein Sturm geschändet hat.

Es müsse stetes Heil sich umb die Mauren legen

Der Oelbaum süsser Ruh ein Paradiß dir baun

In dem die Einigkeit ist wesendlich zu schaun.