Auf das in Schlesien sehr gewönli- che Karten spiel des trap- pelirens.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Jhr freunde kommt herbey der wahltag ist vorhanden

Der tag der uns erhöhn und wieder stürtzen kan

Drauf unser wohl und weh das gantze jahr gestanden

Den ieder sieht von uns mit furcht und hofnung an.

Wer diesen zeichen wird mit einem weissen steine

Wen der verbuhlte mund des glückes heute küst

Der kan nach hause gehn mit solchem ehrenscheine

Den selbst der Preto Jan und Mogol nicht genist.

Es lache wer da wil so muß er doch bekennen

Daß die vergnügung offt in eignem wahn besteht

Und der mit besserm fug ein könig ist zu nennen

So frey in mesolan als selav in purpur geht.

Wer weiß ob ich nicht oft viel größre lust empfunden

Wenn mir der Kuppidu nach hertzens wunsch gelückt

Als Ludwig da er Gent und Straßburg überwunden

Ob ieder gleich vor ihm vor mir sich keiner bückt.

Gewiß der beste wein ist meist in irdnen schalen

Der unmuhts-wurm befleckt den schönsten Porcellan

Ein hauß in Breßlau zeigt uns größre freuden-stralen

Alß kein Eseurial kein Louvre geben kan.

Ein wohlgesagter schertz kan uns so gut ergötzen

Als Molierens geist sich zu Paris bemüht

Wir können seel und hertz in bessre freude setzen

Als wenn man Roßballet und stiergefechte sieht.

Das macht der freundschafft saltz würtzt lieblich unfre speisen

Lust und vertrauligkeit ist unser mode-band

Der redligkeit tinetur macht gold aus unserm eisen

Wir brauchen zum salgt der liebe zuckerkant.

Wir fechten ohne blut wir schlagen doch die blätter

Wir kriegeu aber nur mit schwerdtern so gemahlt

Wir zancken doch entsteht kein blitz und donnerwetter

Wir nehmen und es lacht wer auch das meiste zahlt.

Welch Cato wil sich nun das edle trappeliren

Das grosse heldenspiel zu tadeln unterstehn?

Wir lernen land und stadt durch dieses spiel regieren

Und wie es überal pflegt auf der welt zu gehn.

Denn was der mund nicht kan das müssen prügel zwingen

Seind diese denn zu schwach so greifft man nach dem schwerd

Was beiden noch zu schwer muß geld zuwege bringen

Was hat ein becher nicht für gutes offt gewehrt.

Ich gehe weiter fort ist es nicht eh geschehen

Daß ein geringer mensch so nichts als ich und du

Sich durch subtilen witz in solcher macht gesehen

Daß könige vor ihm gemacht die augen zu.

Ein fußknecht geht oft mehr in einer viertelstunde

Als der zu pferde nicht in einer woche kan

Wer itzund obenliegt geht augenblicks zu grunde

Vor zehen sieht man neun vor neune zehen an.

Wir finden wenn wir offt im geist was grosses kochen

Daß doch ein schlechtes blat und böse sieben macht

Daß unser anschlag fehlt auff zwey und funfzig wochen

Und wir vor alle müh nur werden ausgelacht.

Der hofnung blauer dunst pflegt meistens uns zu blenden

Daß man was guts verwirft und nach dem schlimmen greift

Da doch viel besser ist ein sperling in den händen

Als rebhun und fasan so in dem walde läufft.

Ist einer der das glück kan zur gemahlin finden;

Und dessen hofnungs baum beginnet schön zu blühn

So wird sich alle welt gleich wider ihn verbinden

Und mit gesamter hand ihn plötzlich überziehn.

Wir müssen offt bald diß bald jenes wiedergeben

Das man nicht ohne grund vor schon gewonnen hielt

Weil unsre freunde selbst sich wider uns erheben

Wenn gifft der eifersucht aus ihren hertzen quillt.

Diß alles und noch mehr kan unser spiel uns lehren:

Jhr die ihr euch mit müh der rechenkunst befleist

Kommt insgesammt zu uns hier könnt ihr zahlen hören

Die euch kein Seckerwitz kein Adam Riese weist.

Ein iedes liebes glied wird hier vergnügung finden

Das auge sieht sich nicht der schönen bilder satt

Das ohre kan vom thon der blätter lust empfinden

Der arm wird hoch erhöht wenn man gesieget hat.

Jedoch was müh ich mich das spiel recht zu erheben

Ich finde meine faust vor dieses werck zu klein

Ein knorr ist viel zu dürr rechtschafnen glantz zu geben

Es muß ein Stein der Loh ein Wald des Hofes seyn.

Weg Hor weg Bindari Bassette und Tricheken

Weg Hornbre contra kauff- und Lanterlilabet

Es saget Schlefien mit Preussen und Polacken

Daß über alles spiel das Trappeliren geht.

Kommt freunde last uns nur heut mit einander freuen

Und nehmet günstig an was hier mein geist erdacht;

Geschichts so sol mein mund mit vollem halse schreyen;

Mein sechsundzwantziger ist redlich angebracht.