Auf das Waltsgott- und Hilmannische hochzeit-fest.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Njm werther bruder diß so gut als meine liebe

Dir in der einsamkeit von ferne dienen kan.

Es steht mein Helicon ietzunder etwas trübe:

Dir bricht ein helles licht mir nacht und schatten an

Dein himmel schmücket sich mit einer göldnen sonne

Es dünckt mich deine lust ein blosser traum zu seyn

Du lebst wie du verlangst in süsser Oster-wonne;

Allein bey mir allhier fällt erst die fasten ein.

Doch schau der ferne weg zeucht mich von deinen freuden

Nicht gar so gäntzlich ab: es will mein bestes ich

An deiner fröligkeit sich gegenwärtig weiden;

Mich dünckt ich seh bereits dich theurer bruder dich.

Ich komme gantz zu dir und lasse nur die schaale

Und das befleischte hauß bey seinen musen stehn:

Ich komm und sehe dich in einem hochzeit-saale

Und ein recht himmlisch kind an deiner seite gehn.

Entbrich dich doch so viel von deiner hochzeit-freude

Und schau noch einst zurück wohin das glücke zielt:

Wie selbtes dich nunmehr in lauter rosen weide

Nachdem es manchen dorn in deine brust gespielt.

Dich riß ein fester schluß in abgelegne gräntzen

Wo einst der erden-kreiß ein knecht und sclave hieß;

Wo dich der himmel ließ in neuer würde gläntzen

Indem man dir den lohn der Hygiene wies.

Zwar erstlich strömte dir das glücke nicht zu wider

Es schien als wär es dir mehr als zu viel geneigt

Es satzte dich die fluth durch sanffte westen nieder

Da wo die zier der welt aus Thetis busen steigt.

Und weil dir jederzeit die seele grosser städte

Mehr als der bau gefiel: so rieth Hygea dir

Zu schaun was die natur vor künstliches geräthe

Stellt der verwunderung an Arnus ufern für.

Drauff sahestu das aaß der fürstin aller reiche

Wo was die Donau ist vorhin die Tyber war:

Und mercktest: daß die zeit die allgemeine seuche

Der menschen ewigkeit selbst leget auff die bahr.

Hier schien dein schutz-gestirn sich nach und nach zu neigen

Indem manch wilder sturm auff deine seegel drang

Es schiene dir die fluth ein nasses grab zu zeigen

Die fluth die Cajus einst in eine brücke zwang.

Doch hat das glücke dir auch wiederum geblühet;

Allein es stürtzte dich dort wieder in gefahr:

Da wo Jtalien beflammten athem ziehet

Indem schon Plinius dein nechster nachbar war.

Und jetzo schüttete das glücke seine blitzen

Auff dich viel härter aus; ein scharffer donnerschlag

Schien einen schweren keil auf deine brust zu spitzen

Als Griechenland bereits vor deinen füssen lag:

Du hattest kaum das land das werthe land beschritten

Was vor geraumer zeit der musen mutter hieß

Als gleich ein feindlich schall und angeranntes wütten

Dich mit genauer noth so fort zu schiffe wieß.

Hier gab der himmel auch ein feindliches gesichte

Ein wetter schloß den tag in nacht und wolcken ein:

Der mittag wurd’ allein durch rauhe blitzen lichte

Und trennte wolck und nacht nur durch geborgten schein.

Die seegel winselten mit kläglichem gethöne

Die lüffte pfiffen selbst ein furchtsam todten-lied

Die höchst-erregte see brach ruder strick und sehne

Biß endlich doch der tod samt blitz und wolcken schied.

Jtzt ist nun alles hin: des glückes saure minen

Die füllen sich nunmehr mit lauter lachen an;

Die überstandne noth muß dir zur wollust dienen

Weil dich der rechte port nun völlig trösten kan.

Du hast den port erreicht wenn dich dein schöner engel

Beglückter bruder dich an ihre lippen drückt

Bey der ein Argus auch nicht die geringsten mängel

Auch nicht den minsten fleck an geist und leib erblickt.

Wie soll diß auge dich nicht gantz in flammen stecken

Das so viel geist und glut auf deine seele schmeist?

Wie muß doch wohl ein kuß von solchen lippen schmecken

Wo solch ein nectar-safft auff hohen nelcken fleust?

Mich dünckt mein auge siht wie deine geister wallen

Jm fall du an den zweck entbrandter küsse denckst;

Es ist als hört’ ich selbst der lippen lautes schallen

Wenn du an deiner braut verliebten wangen henckst.

Was wird die nette hand dir nicht vor wincke geben

Die hand die selbst der schnee sieht ziemlich neidisch an?

Wie solte selbte denn nicht deinen trieb beleben

Die was gestorben war zum leben wecken kan?

Genug dein bräutgen winckt; umfasse brust und seiten

Und dencke wohl darauff wenn dich dein schatz erblickt:

Wie doch ein bräutigam soll diese sprache deuten

Wenn die verliebte braut auff ihn ein auge drückt.

Geh hin ich folge dir aus deinem hochzeit-saale

Es wünscht mein treuer geist was du im sinne trägst:

Er russet dir glück zu! wenn du im liljen-thale

Dir einen festen grund zu deinem glücke legst.