Auf das Waltsgott- und Hilmannische hochzeit-fest.
Njm werther bruder diß so gut als meine liebe
Dir in der einsamkeit von ferne dienen kan.
Es steht mein Helicon ietzunder etwas trübe:
Dir bricht ein helles licht mir nacht und schatten an
Dein himmel schmücket sich mit einer göldnen sonne
Es dünckt mich deine lust ein blosser traum zu seyn
Du lebst wie du verlangst in süsser Oster-wonne;
Allein bey mir allhier fällt erst die fasten ein.
Doch schau der ferne weg zeucht mich von deinen freuden
Nicht gar so gäntzlich ab: es will mein bestes ich
An deiner fröligkeit sich gegenwärtig weiden;
Mich dünckt ich seh bereits dich theurer bruder dich.
Ich komme gantz zu dir und lasse nur die schaale
Und das befleischte hauß bey seinen musen stehn:
Ich komm und sehe dich in einem hochzeit-saale
Und ein recht himmlisch kind an deiner seite gehn.
Entbrich dich doch so viel von deiner hochzeit-freude
Und schau noch einst zurück wohin das glücke zielt:
Wie selbtes dich nunmehr in lauter rosen weide
Nachdem es manchen dorn in deine brust gespielt.
Dich riß ein fester schluß in abgelegne gräntzen
Wo einst der erden-kreiß ein knecht und sclave hieß;
Wo dich der himmel ließ in neuer würde gläntzen
Indem man dir den lohn der Hygiene wies.
Zwar erstlich strömte dir das glücke nicht zu wider
Es schien als wär es dir mehr als zu viel geneigt
Es satzte dich die fluth durch sanffte westen nieder
Da wo die zier der welt aus Thetis busen steigt.
Und weil dir jederzeit die seele grosser städte
Mehr als der bau gefiel: so rieth Hygea dir
Zu schaun was die natur vor künstliches geräthe
Stellt der verwunderung an Arnus ufern für.
Drauff sahestu das aaß der fürstin aller reiche
Wo was die Donau ist vorhin die Tyber war:
Und mercktest: daß die zeit die allgemeine seuche
Der menschen ewigkeit selbst leget auff die bahr.
Hier schien dein schutz-gestirn sich nach und nach zu neigen
Indem manch wilder sturm auff deine seegel drang
Es schiene dir die fluth ein nasses grab zu zeigen
Die fluth die Cajus einst in eine brücke zwang.
Doch hat das glücke dir auch wiederum geblühet;
Allein es stürtzte dich dort wieder in gefahr:
Da wo Jtalien beflammten athem ziehet
Indem schon Plinius dein nechster nachbar war.
Und jetzo schüttete das glücke seine blitzen
Auff dich viel härter aus; ein scharffer donnerschlag
Schien einen schweren keil auf deine brust zu spitzen
Als Griechenland bereits vor deinen füssen lag:
Du hattest kaum das land das werthe land beschritten
Was vor geraumer zeit der musen mutter hieß
Als gleich ein feindlich schall und angeranntes wütten
Dich mit genauer noth so fort zu schiffe wieß.
Hier gab der himmel auch ein feindliches gesichte
Ein wetter schloß den tag in nacht und wolcken ein:
Der mittag wurd’ allein durch rauhe blitzen lichte
Und trennte wolck und nacht nur durch geborgten schein.
Die seegel winselten mit kläglichem gethöne
Die lüffte pfiffen selbst ein furchtsam todten-lied
Die höchst-erregte see brach ruder strick und sehne
Biß endlich doch der tod samt blitz und wolcken schied.
Jtzt ist nun alles hin: des glückes saure minen
Die füllen sich nunmehr mit lauter lachen an;
Die überstandne noth muß dir zur wollust dienen
Weil dich der rechte port nun völlig trösten kan.
Du hast den port erreicht wenn dich dein schöner engel
Beglückter bruder dich an ihre lippen drückt
Bey der ein Argus auch nicht die geringsten mängel
Auch nicht den minsten fleck an geist und leib erblickt.
Wie soll diß auge dich nicht gantz in flammen stecken
Das so viel geist und glut auf deine seele schmeist?
Wie muß doch wohl ein kuß von solchen lippen schmecken
Wo solch ein nectar-safft auff hohen nelcken fleust?
Mich dünckt mein auge siht wie deine geister wallen
Jm fall du an den zweck entbrandter küsse denckst;
Es ist als hört’ ich selbst der lippen lautes schallen
Wenn du an deiner braut verliebten wangen henckst.
Was wird die nette hand dir nicht vor wincke geben
Die hand die selbst der schnee sieht ziemlich neidisch an?
Wie solte selbte denn nicht deinen trieb beleben
Die was gestorben war zum leben wecken kan?
Genug dein bräutgen winckt; umfasse brust und seiten
Und dencke wohl darauff wenn dich dein schatz erblickt:
Wie doch ein bräutigam soll diese sprache deuten
Wenn die verliebte braut auff ihn ein auge drückt.
Geh hin ich folge dir aus deinem hochzeit-saale
Es wünscht mein treuer geist was du im sinne trägst:
Er russet dir glück zu! wenn du im liljen-thale
Dir einen festen grund zu deinem glücke legst.