Auf den ersten Geburts-tag eines jungen Töchterleins.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Verzeihe theures paar daß ich mich untersteh

Und deiner zarten frucht der noch die sprache fehlet

Doch schon mit einer schrifft gleich heut entgegen geh

Da dieser holde zweig den ersten jahrs-tag zehlet.

Ein kind dem so ein haupt zum vater ist erkiest

Das wie Johannes lebt das wie Johannes lehret

Und dessen Mutter-hertz gleich einer Rahel ist

Verdient daß man es schon in wieg und windeln ehret.

Ließ Rom doch solche pflicht bey seinen kindern zu

Wenn unter derer haupt ein wunsch ward eingeleget

Zu lehren daß ein kind darauff am besten ruh

Und daß man nicht zu früh ihm heil zu wünschen pfleget.

Ja ward mir überdiß zu wohlbewuster zeit

Ein holder krantz verehrt durch dieser Tochter hände

So nehm ich wie mich deucht mit recht gelegenheit

Daß ich ihr einen krantz von dichter-blumen sende.

Ich winde zwar nicht viel von lob und rühmen ein;

Doch seh ich nur im geist ihr künfftiges erziehen

So können allbereit zwey Töchter zeugen seyn

Daß auf dem Dornenfeld die schönsten rosen blühen.

Wir loben noch die kunst und wunder-volle that

Die des Homeri werck in eine nuß verstecket;

Man rühmt Alumni fleiß der so geschrieben hat

Daß hundert wörter offt ein pfennig hat bedecket:

Euch aber geht solch lob vielmehr hochwerthen an

Die ihr den glaubens-grund der Christen bestes wissen

Den ein erwachsner offt nicht leicht begreiffen kan

Auf kinder-hertzen habt so weißlich abgerissen.

Und gleiche hoffnung giebt auch diese jüngste frucht

Der selbst die anmuth hat ihr ebenbild geschencket.

Jhr habet schon ihr wohl und bestes heil gesucht

Weil ihr durch beten längst den ersten grund gesencket.

Zwar Sparta badete die kinder gar im wein

Doch eures kindes bad hat dieses überwogen

Denn Heyden kleidte man in götzen-kleider ein

Da eure tochter hier hat Christum angezogen.

Wohlan so blühe denn du hofnung-volles kind

Zu deines GOttes ruhm zu deiner eltern freude.

Sey gegen tugenden einst so wie sie gesinnt.

Bleib mit den Schwestern stets ihr schertz und augen-weyde.

Dir aber wünsche ich zu letzt hochtheures Paar

Daß du dein wohlergehn sehr lange mögst geniessen

Und stellet künfftig sich noch grösser seegen dar

Daß aus drey Gratien neun Musen werden müssen.