Auf den seeligen vnnd vnverhoften todesfall Hn. Henrich Dälmers/ welcher in Fran...

By Johannes Plavius

Ewr winseln ewre müh' ewr klägliches beginnen

Ewr seüftzen ohne ruh' ewr bluthroth augenrinnen

Viel tugendsame fraw' erkennet jederman

Wer nur natürlich recht nicht vnrecht heissen kan

Daß es nicht vnrecht sey. Denn solte die nicht weinen

Die den verlohren hat desgleichen ihr Gott keinen

Nicht mehr gegeben hat da all' jhr trost auf stund

Den sie in dieser welt nähst Gott jhr wvnschen kont':

O jammer dieser welt wie seind wir doch so nichtig

Vnd minder fast als nichts? wie elend vnd wie flüchtig

Ist alles was man hier nicht ohne frewden offt

Für sein' ergötzung hält vnd söhnlich wünscht vnd hofft

So bald der bothe kam war alles voller frewden

Die doch nicht lange währt' ein anfang zu dem leiden

War daß der sohn nicht schrieb. Da gieng erst an die noth

Man dacht' er wäre kranck. Ach weh! so war er todt.

Ihr hofftet ewer sohn solt' als ein' helle sonne

Durch sonderlichen glantz vnd sonderliche wonne

Durch sonderliche konst durch sonderliche gonst

Euch bald erfrewlich seyn. Solch hoffen war vmbsonst.

Doch wär' es auch gewiss wol nicht vmbsonst gewesen

Hätt' jhn des todes macht nur lassen recht genesen

So schneidt der bleiche tod vns vnser hoffnung' ab

Beneben vieler frewd' vnd wirfft sie hin in's grab!

Ihr hofftt der vater würd' in diesem sohne leben

Vnd würd' euch alle das viel duppelt wiedergeben

Welchs euch sein vater nam als jhm würd' ein gewinn

Das was man sterben heisst. Nun ist er auch dahin.

Er ist hinweggerafft der vor in seinem leben

Der mutter frewd' vnd lust zu leben konte geben

Die nu durch seinen tod also verletzet ist

Daß sie des lebens fast vnd jhrer selbst vergisst.

Er ist hinweggerafft der noch vor kurtzen tagen

Durch vngesparten fleiß der weißheit nach zujagen

Sich nichts vervielen ließ: er war bey tag' vnd nacht

(Nichts achtend den verdruß) mit ernst darauf bedacht

Das ja mit ehr' vnd ruhm die blüthe seiner jugend

Der wachstum seines lobs durch süssigkeit der tugend

In seiner wanderschafft also würd' angewandt

Damit er fleisses frucht brächt' in sein vaterland.

O mehr als grimmer tod ist dis nun sein studieren?

Ist dis sein saurer schweiss sein stille seyn sein frieren?

Ist dis die schwere reis'? ist dis nu seine müh'?

Ist dis sein steter fleiß sein lesen spat vnd früh?

Er ist hinweggerafft der mutter meiste frewde

Der freundschaft beste zier vnd lässt sie nun mit leide

In diesem thränen thal' in eitelkeit vnd leid

Nicht ohne sorg vnd müh' hinbringen jhre zeit.

Viel tugendsame fraw' ich hör' euch deucht mich klagen

Was euch am meisten kränckt mich deucht ich hör' euch sagen:

Daß doch Gott meinen sohn alhier in dieser stat

In meiner gegenwart nicht abgefordert hat!

Wir hätten jhn gelabt, wir hätten sein gepfleget

Wir hätten jhm eh' er noch in den sarg geleget

Wo wir nicht mehr gekont noch einen trewen kuss

Gegeben auff den weg zun letzten abscheid-gruss'.

Ach ach wir hätten ja zum letzten liebes zeichen

Was wir vermocht gethan wir hätten seiner leichen

Die letzte gonst erweist vnd zierlich ausgeschmückt

Wir hetten jhm auch selbst die augen zugedrückt!

So hätte wer jhn nur gekennet mit den seinen

In seinem vaterland' auch helfen vmb jhn weinen

So ruhte sein gebein in dieser schönen stat

Dergleichen wie bewust gantz Preussen nicht mehr hat.

Ach nein! der alles weiss der alles schafft vnd lencket

Nach dem es jhm gefällt der was das hertze dencket

In seinen ohren hat der weiss am besten wol

Wo wenn vnd wie er vns in'n himmel fordern sol:

Wenn aber weinen nur dem tode könte wehren

So wäre kläglich thun mit samt den heissen zehren

Fürwar ein köstlich ding vnd mehr als edelstein.

Nun aber wenn nichts hilfft so hilfft gedültig seyn.

Er ist durch diesen tod dem tode recht entrücket

Der vns noch treffen kan ja alles was vns drücket

In dieser wanderschafft daß hat er abgelegt

Vnd ruht in dessen hand der alle dinge trägt.

Wol jhm er ist versetzt weit in ein besser leben

Als dieses ist: Er siht die jhn beschützet schweben

Vmb jhren schöpffer her: er sieht das ware liecht

Ohn' alle hindernis in Gottes angesicht':

Er ist nu wo Gott selbst die seinen tröstt vnd lehret

Was vns hier ist zu schweer ja was kein ohr' erhöhret

Vnd was kein aug' ersehn hier in der sterblichkeit

Das hat er dort vollauf in höchster seeligkeit.

Wol dir du liebe seel' empfinde deine frewden

Geneuß der fröligkeit die vns nach diesem leiden

Auch bey geleget ist. Wol dir vnd ewig wol

Es kömmt wils Gott die zeit da man dir folgen soll.