Auf den seeligen vnnd vnverhoften todesfall Hn. Henrich Dälmers/ welcher in Fran...
Ewr winseln ewre müh' ewr klägliches beginnen
Ewr seüftzen ohne ruh' ewr bluthroth augenrinnen
Viel tugendsame fraw' erkennet jederman
Wer nur natürlich recht nicht vnrecht heissen kan
Daß es nicht vnrecht sey. Denn solte die nicht weinen
Die den verlohren hat desgleichen ihr Gott keinen
Nicht mehr gegeben hat da all' jhr trost auf stund
Den sie in dieser welt nähst Gott jhr wvnschen kont':
O jammer dieser welt wie seind wir doch so nichtig
Vnd minder fast als nichts? wie elend vnd wie flüchtig
Ist alles was man hier nicht ohne frewden offt
Für sein' ergötzung hält vnd söhnlich wünscht vnd hofft
So bald der bothe kam war alles voller frewden
Die doch nicht lange währt' ein anfang zu dem leiden
War daß der sohn nicht schrieb. Da gieng erst an die noth
Man dacht' er wäre kranck. Ach weh! so war er todt.
Ihr hofftet ewer sohn solt' als ein' helle sonne
Durch sonderlichen glantz vnd sonderliche wonne
Durch sonderliche konst durch sonderliche gonst
Euch bald erfrewlich seyn. Solch hoffen war vmbsonst.
Doch wär' es auch gewiss wol nicht vmbsonst gewesen
Hätt' jhn des todes macht nur lassen recht genesen
So schneidt der bleiche tod vns vnser hoffnung' ab
Beneben vieler frewd' vnd wirfft sie hin in's grab!
Ihr hofftt der vater würd' in diesem sohne leben
Vnd würd' euch alle das viel duppelt wiedergeben
Welchs euch sein vater nam als jhm würd' ein gewinn
Das was man sterben heisst. Nun ist er auch dahin.
Er ist hinweggerafft der vor in seinem leben
Der mutter frewd' vnd lust zu leben konte geben
Die nu durch seinen tod also verletzet ist
Daß sie des lebens fast vnd jhrer selbst vergisst.
Er ist hinweggerafft der noch vor kurtzen tagen
Durch vngesparten fleiß der weißheit nach zujagen
Sich nichts vervielen ließ: er war bey tag' vnd nacht
(Nichts achtend den verdruß) mit ernst darauf bedacht
Das ja mit ehr' vnd ruhm die blüthe seiner jugend
Der wachstum seines lobs durch süssigkeit der tugend
In seiner wanderschafft also würd' angewandt
Damit er fleisses frucht brächt' in sein vaterland.
O mehr als grimmer tod ist dis nun sein studieren?
Ist dis sein saurer schweiss sein stille seyn sein frieren?
Ist dis die schwere reis'? ist dis nu seine müh'?
Ist dis sein steter fleiß sein lesen spat vnd früh?
Er ist hinweggerafft der mutter meiste frewde
Der freundschaft beste zier vnd lässt sie nun mit leide
In diesem thränen thal' in eitelkeit vnd leid
Nicht ohne sorg vnd müh' hinbringen jhre zeit.
Viel tugendsame fraw' ich hör' euch deucht mich klagen
Was euch am meisten kränckt mich deucht ich hör' euch sagen:
Daß doch Gott meinen sohn alhier in dieser stat
In meiner gegenwart nicht abgefordert hat!
Wir hätten jhn gelabt, wir hätten sein gepfleget
Wir hätten jhm eh' er noch in den sarg geleget
Wo wir nicht mehr gekont noch einen trewen kuss
Gegeben auff den weg zun letzten abscheid-gruss'.
Ach ach wir hätten ja zum letzten liebes zeichen
Was wir vermocht gethan wir hätten seiner leichen
Die letzte gonst erweist vnd zierlich ausgeschmückt
Wir hetten jhm auch selbst die augen zugedrückt!
So hätte wer jhn nur gekennet mit den seinen
In seinem vaterland' auch helfen vmb jhn weinen
So ruhte sein gebein in dieser schönen stat
Dergleichen wie bewust gantz Preussen nicht mehr hat.
Ach nein! der alles weiss der alles schafft vnd lencket
Nach dem es jhm gefällt der was das hertze dencket
In seinen ohren hat der weiss am besten wol
Wo wenn vnd wie er vns in'n himmel fordern sol:
Wenn aber weinen nur dem tode könte wehren
So wäre kläglich thun mit samt den heissen zehren
Fürwar ein köstlich ding vnd mehr als edelstein.
Nun aber wenn nichts hilfft so hilfft gedültig seyn.
Er ist durch diesen tod dem tode recht entrücket
Der vns noch treffen kan ja alles was vns drücket
In dieser wanderschafft daß hat er abgelegt
Vnd ruht in dessen hand der alle dinge trägt.
Wol jhm er ist versetzt weit in ein besser leben
Als dieses ist: Er siht die jhn beschützet schweben
Vmb jhren schöpffer her: er sieht das ware liecht
Ohn' alle hindernis in Gottes angesicht':
Er ist nu wo Gott selbst die seinen tröstt vnd lehret
Was vns hier ist zu schweer ja was kein ohr' erhöhret
Vnd was kein aug' ersehn hier in der sterblichkeit
Das hat er dort vollauf in höchster seeligkeit.
Wol dir du liebe seel' empfinde deine frewden
Geneuß der fröligkeit die vns nach diesem leiden
Auch bey geleget ist. Wol dir vnd ewig wol
Es kömmt wils Gott die zeit da man dir folgen soll.