Auf den Tod des Geschichtschreibers Schmizlin von UihingenFußnoten

By Ludwig Eichrodt

Written 1848-01-01 - 1848-01-01

Lasset heut' die Leichenglocke schallen

In der Harfe Todtenmelodien,

Ach, ein großer Mann ist uns entfallen,

Schwabens Zierde, Schmizlin, ist dahin!

Ewig soll im Tempel der Geschichte

Ihres Priesters Name aufrecht stehn,

Und im Lied, im Drama, im Gedichte

Soll die Nachwelt ihn verherrlichen.

Mit dem Geist der alt' und neuen Zeiten

War der Hingetretene vertraut,

Er enthüllte die Begebenheiten

Mit der Wahrheit unverzagtem Laut.

O Verhängniß, warum diese Härte

Ueber's Vaterland, war's nicht genug,

Daß der Krieg mit seinem Heidenschwerte

Ihm erst jüngst so manchen Sohn erschlug?

Warum ist das Loos der Feuerköpfe

Schweres Unglück oder früher Tod?

Während die gewöhnlichen Geschöpfe

Finden lebenslang ihr täglich Brot.

Ward nur darum diesem selt'nen Manne

So im Nu dies arge Lebensziel?

Fiel er darum wie die hohe Tanne,

Und ist Tannensturz ein Kinderspiel?

Aber besser so, wie es gekommen,

Als wenn Schlimmeres noch wär' geschehn.

Kann Gebrest und Altersschwäche frommen

Einem Geiste aus den Himmelshöhn?

Welcher zu den Menschen kam hernieder,

Zu belehren dieses Publikum,

Solche Geister kommen nicht gleich wieder,

Wenn sie scheiden, wissen sie warum!

Darum schäm' ich mich, mit längern Klagen

Zu entsetzen euer friedlich' Ohr;

An der großen Männer Sarkophagen

Ziemt sich blos für Dankbarkeit ein Chor.

Auf darum, und laßt uns diesen singen!

Ewig bleiben wir davon entzückt,

Daß der sel'ge Schmizlin von Uihingen

Uns mit seiner Gegenwart beglückt!