Auf den Tod einer Nachtigall.

By Ludwig Christoph Heinrich Hölty

Die Sängerin,

Die durch ihr Lied den ganzen Hain verschönte,

Sie ist dahin!

Sie, deren Ton mir in die Seele hallte,

Wenn ich am Bach,

Der durchs Gebüsch im Abendgolde wallte,

Auf Blumen lag!

Sie gurgelte, tief aus der vollen Kehle,

Den Silberschlag:

Der Wiederhall in seiner Felsenhöhle

Schlug leis' ihn nach.

Die ländlichen Gesäng' und Feldschalmeien

Erklangen drein;

Es tanzeten die Jungfraun ihre Reihen

Im Abendschein.

Auf Moose horcht' ein Jüngling mit Entzücken

Dem holden Laut,

Und schmachtend hing an ihres Lieblings Blicken

Die junge Braut:

Sie drückten sich bei jeder deiner Fugen

Die Hand einmal,

Und hörten nicht, wenn deine Schwestern schlugen,

O Nachtigall.

Sie horchten dir, bis dumpf die Abendklocke

Des Dorfes klang,

Und Hesperus, gleich einer goldnen Flocke,

Aus Wolken drang;

Und gingen dann im Wehn der Maienkühle

Der Hütte zu,

Mit einer Brust voll zärtlicher Gefühle,

Voll süsser Ruh.