Auf den Tod eines vornehmen und Tugendhaften Officiers

By Christian Friedrich Hunold

Written 1697-01-01 - 1697-01-01

Schaut ihr betrübten Augen an

Wer abermahl den Augen wird entrissen

Geht biß zu jener Toden-Bahn

Die jetzo hat ein Tapffrer wandeln müssen

Ein tapffrer Krieges-Mann von Lastern unbeschwert

Und der des Krieges Schmach durch sich in Ruhm verkehrt.

Ein kluger Mann erblaßt von Hofe hoch geschätzet

Von Hofe zwar geliebt doch niemahls nicht verletzet.

Denn seine Tugend hat gefiegt:

Im Felde hat sie seinen Muth erwiesen.

Im Frieden war sie zwar bekriegt

Doch konte sie auch Palmen da geniessen.

Denn Feinde hat ein Mensch er kriege oder nicht

Davon der meiste Theil aus unsern Hertzen bricht.

Drum ist der Helden Art: sich tapffer lassen finden;

Im Frieden aber offt sich selber überwinden.

Wohlseeliger dein Ruhm ist groß.

Der Sterblichen zwey rechte Probe-Steine

So Hof als Feld nahm dich in Schooß;

Doch hieng dein Hertz an ihnen nicht alleine:

Es war dein edles Blut von edlen Muth entflammt

In klug und tapffer seyn bestand dein edles Amt.

Du woltest allezeit vollkommen edel werden

Und Gott gefällig seyn als wie geliebt auf Erden.

Gottseelger Mann der Gott vertraut

Der ihm getreu der Tugend ihr Exempel

Die Klugheit der Gerechten baut

Des wahren Glücks der wahren Ehre Tempel.

O welcher Glantz bestrahlt nicht dein berühmtes Hauß

Wer lässet Ruhm und Lob darob vollkommen aus?

Die Ehre wird und kan dir güldne Seulen setzen

Und auch in deinen Schild so Glück als Tugend ätzen.

Es ist nunmehro ausgekriegt:

Die Feinde sind gedoppelt überwunden.

Es ist nunmehro ausgesiegt:

Der Anfang ist der vollen Ehren Stunden.

Ein Weiser in der Welt ein Christlicher Soldat

Ist der sein Leben hier so wohl geendet hat.

Klug tapffer und gerecht im Leben und im Sterben

Muß die Unsterbligkeit hier und auch dort erwerben.