Auf den unersetzlichen verlust des unver- gleichlichen heldens, Johann Wilhelms,...

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Der himmel hat sich nun vor Deutschland aufgekläret:

Der trübe jammer streicht mit seiner macht vorbey:

Es hat uns mancher tag die frohe post gewähret,

Daß heyl und segen nun bey unsern waffen sey.

Das glücke ließ uns zwar einst in gerechter sache

Als ein zerstoßnes schiff an rauhen klippen stehn;

Wir seufftzten, doch umsonst, daß die erzörnte rache

Möcht in gerechtem muth auf unsre feinde gehn.

Die Schelde lieff betrübt, dem Ocean zu sagen:

Es dringe word und tod bey ihrem ufer ein.

Der Rheinstrom eilte nach fast gleiche noth zu klagen;

Er muste mehr von blut als trauben trächtig seyn.

Und der entfernte Po trieb die bestürtzten wellen,

In furcht und blöder angst durch öde wüsten hin;

Die Donau wolte gar zu lauter unmuth schwellen,

Und ließ ihr trübes naß durch dicke leichen ziehn.

Gantz Deutschland lag entsetzt als in den letzten zügen,

Weil ihm das messer fast an seine kehle stieß.

Die freyheit solte sich in Franckreichs ketten schmiegen,

So jener frechheit schon in unsern grentzen wieß.

Doch gönnt der himmel nur der bosheit ihre freude,

Wie man den buben wein am nahen galgen schenckt:

Das unrecht wird erhöht zu größerm fall und leide,

Weil, was im munde schmeckt, offt in den därmen kränckt.

Seit dem Eugenius sein tapffres schwerd gezücket,

Wovon Stamboldens reich noch manche wunde fühlt;

Seit dem die Britten uns den Gideon geschicket,

Der auf gemeines heyl mit seinen waffen zielt:

So schmückt sich unser land mit frohen lorbeer-zweigen,

Wirfft seine trauer ab, und zieht den purpur an.

Der Deutsche kan getrost die Alpen übersteigen,

Der unerschrockne muth bricht ihm die harte bahn.

Der Var-strom klagt und zagt, seit dem an seinem strande

Ein unermüdet heer das große lager schantzt.

Die weite küste bebt, daß unweit ihrem sande

Die nahe flotte schon die kühnen masten pflantzt.

Marseille bücket sich, es hört den donner knallen,

Der in ergrimter macht aufs nahe Toulon schlägt;

Das bange Dauphine läst muth und hoffnung fallen,

Weil sich das ungemach in dem gebirge regt.

Paris ist außer sich, der große Ludwig zittert,

Er soll nicht mehr, wie vor, der große Ludwig seyn.

Das steuer-ruder bricht, das leere schiff erschüttert,

Und nimmt aus furchtsamkeit die stoltzen flaggen ein.

So ist die frohe post der länder durchgedrungen,

Die mit vereinter krafft in ihren waffen stehn;

So ist manch freuden-lied zu unser lust erklungen:

Die göldne freyheit soll in sieges-kräntzen gehn.

Indessen dencket man auf frische lorbeer-cronen,

Die pflicht und danckbarkeit den deutschen helden reicht;

Die demuth mühet sich die thaten zu belohnen,

Vor deren treffligkeit das alte Rom entweicht.

Jan Wilhelms tapffrer geist liegt Sachsen in dem sinne;

Wenn uns ein neuer brief von neuen thaten sagt,

Wird unsre neugier auch der helden-proben inne,

Indem Jan Wilhelm auch sein blut dabey gewagt.

Die freude läst sich drauf in tausend seelen spüren,

Darzu ein ieder mund ein frohes vivat spricht.

Wir dencken Wilhelms haupt mit palmen auszuzieren,

So bald ein friedens-blick auf unsre grentzen bricht.

Doch spielt der morgen schon mit heitren sonnen-lichte,

Wenn ein beliebter strahl bey frühen stunden lacht;

So wird die anmuth doch in einem nu zu nichte,

So bald ein wolcken-zug den mittag düster macht.

Die hoffnung will uns offt mit süßem manna speisen,

Doch wird ein mara-tranck zum letzten aufgesetzt.

Der abend thönet offt mit bangen trauer-weisen,

Wo uns zu mittag noch ein freuden-lied ergetzt.

Die bühne dieser welt stellt ihre fröligkeiten

Zu allgemeiner lust bey ersten seenen auf;

Doch treten schertz und spiel gar schleunig auf die seiten,

Es hemmt ein jäher fall der wohllust ihren lauff.

Wir lachen in der see, und sehen den delphinen

In sanffter spiegel-fluth bey ihrem tantze zu.

Der himmel (dencket man) muß unsre fahrt bedienen,

Der angenehme west befördert unsre ruh.

Doch eh wir uns versehn, will sturm und wetter toben,

Und fällt den schweren mast mit allen kräfften am;

Die see stößt unten auf, der rauhe nord von oben,

Daß man dem ungemach offt nicht entrinnen kan.

Verwirrtes thun der welt! verkehrte wechsel-gänge!

Nach schönen blumen folgt der nessel-überfluß;

Es siehet lust und leid in ängstlichem gedränge,

Da jene diesem doch, als stärckern, weichen muß.

Was aber soll ich lang mit dunckeln worten spielen?

Ich sage kühnlich aus, was meine seele kränckt:

Will schon das bange weh in marck und adern wühlen;

Sind mir die lippen doch zu klagen nicht verschrenckt.

Jan Wilhelm ist dahin! Darff man der post auch glauben,

Die als ein donner-schlag in ohr und hertze bricht?

Wie? solt ein schneller fall den theuren Fürsten rauben?

Vielleicht daß noch ein brief der zeitung widerspricht!

Ach leyder! allzuwahr, Jan Wilhelm ist verblichen,

Als ein verfluchtes bley nach seinem haupte schlug.

Es ist der große Printz uns allzufrüh entwichen,

Der zu gemeinem heyl die strengen waffen trug.

Was soll ich nun, o Held! von deinen thaten sagen?

Du hast dein lob nicht gern im leben angehört.

Soll ich den frühen tod mit tausend thränen klagen?

Es wird ein helden-grab mit thränen schlecht geehrt.

Dein leben darff ich wol die tugend-kette nennen,

Da sich ein göldnes glied stets in das andre schlingt.

Du gabst die treffligkeit mit solcher krafft zu kennen,

Vor welchen selbst der neid als sprach-los niedersinckt.

Kaum ist dein Helden-geist dem wiegen-band entgangen,

Als dich ein hoher muth auf hohe thaten weist.

Du hast mit solchem ruhm dein leben angefangen,

Als mancher sonsten nie der wercke lauff beschleust.

Zwar scheint dein Fürsten-glantz in ungemeiner flamme,

Dir theilt dein großes Hauß die reinsten strahlen mit,

Es kennt der creiß der welt den ruhm von deinem stamme,

Der mit den sternen fast in gleiche circkel tritt;

Jedennoch woltest du ein Fürst mehr von gemüthe

Als von geblüte seyn. Der name ziert dich zwar,

Dich ehrt der Rauten-stock, dich preiset dein geblüte;

Doch macht dich dein verdienst vor allen offenbar.

Es würget Herculs faust schon ungeheure drachen,

Wenn er die mutter-brust noch in der wiege küßt.

Es will sich Hannibal schon an die Römer machen,

Wenn er der eltern zucht noch nicht entwachsen ist.

Der löwe zeiget ja die unerschrockne klauen,

Wenn er vor zärtligkeit noch in der höle liegt.

Der adler läst die krafft an seinen federn schauen,

Ob seine schwachheit sich noch in dem neste schmiegt;

Dein aufgeweckter muth ließ seine wercke sehen,

Als sich die kindheit noch in deinen gliedern regt;

Und dein erhitzter geist wolt in dem harnisch gehen,

Wenn andrer blödigkeit sich noch mit purpur trägt.

Jedoch auf krieg und blut, auf schwerd und pulver dencken,

Eh’ man das edle blut nach würden schätzen kan,

Kan zwar des namens glantz bis an die sterne lencken,

Doch klebet tyranney den großen thaten an.

Verstand und gottesfurcht sind die erwehlten zügel,

Womit ein muntrer held die muntre seele führt:

Verstand und gottesfurcht sind die gestärckten flügel,

Womit er adlern gleich den schnellen flug regiert.

Jan Wilhelm ließ sich nicht die gähe hitze treiben,

Wie die verwegenheit sich offt zum degen wagt,

Sein hertze muste sich dem Höchsten erst verschreiben,

Eh’ er der welt den dienst zu kriegen zugesagt.

Es schien, der ernst wär ihm von Ernsten angeboren,

Den itzt die affter-welt mit recht den Frommen heist;

Er hatt’ ihm Gottes wort zur regel auserkohren,

Als welches uns die kunst ein land zu schützen, weist.

Zwar will ein Julian des bibel-lesens spotten,

Dieweil nach seinem sinn es feige hertzen macht,

Er jagt die Christen fort aus seinen krieges-rotten,

Weil andacht, wie er denckt, im treffen zagt und schmacht;

Doch kan das heilge blat mehr wahrer helden stellen,

Als uns Homerens schrifft in dummen fabeln zeigt.

Ein trieb von jener macht kan ja mehr feinde fällen,

Als sonst Achillens faust Trojanen niederbeugt.

Dir lag, Durchlauchtigster! dein GOtt in den gedancken,

Und sein geliebtes wort nahm deine sinnen ein,

Dich hielt des Höchsten furcht in den gesetzten schrancken,

Doch war die andacht nicht ein bloser heuchel-schein

Nach arglist unsrer welt; Man führet GOtt im munde,

Man rühmt die heiligkeit, man stellt sich redlich an,

Man legt das Christenthum im regiment zum grunde,

Nur daß man füglicher das volck regieren kan;

Jm hertzen glaubt man nichts. Mit worten GOtt beken-

nen,

Jm hertzen doch noch mehr voll heißer andacht glühn,

War Wilhelms emsig thun. Die seuffzer musten brennen,

Wenn sich sein hoher geist wolt um ein werck bemühn,

Das unser heyl betraff. Schreibt Ajax schon das beten

In blinder wüterey den feigen memmen zu:

Will der von Friedland nicht vor seinen Schöpffer treten,

Sucht im gestirne glück und in den puncten ruh,

Eh er ein treffen wagt; So waren Wilhelms sinnen

Von einer frommen art weit anders abgericht.

Des glaubens wurde man zwar aus den wercken innen,

Doch that er in geheim dem Höchsten seine pflicht.

Sein tempel war sein zelt. Darff ich, o Wilhelm! sagen,

Was deine tugend uns hier stets verborgen hat?

Wie offte wolt’ ich mich zu deinem zelte wagen!

Jedoch begeht ein knecht nicht leicht die kühne that,

Daß er den Printzen stört; vielleichte möchtst du schlafen;

Denn wen die nacht bemüht, der sucht am tage rast.

Vielleichte (dacht ich) macht dir wol ein buch zu schaffen;

Denn dieses hast du auch gar offt zur hand gefaßt.

Die stille trieb mich ab: Doch wolte sichs nicht schicken,

Wenn mich die wichtigkeit nicht ferner säumen hieß,

So gieng ich näher zu; da kont ich offt erblicken,

Was andacht, eifer, ernst und GOttes liebe wieß.

Du lagst auf tieffem knie mit treu-gefaltnen händen,

Und flehtest deinen GOtt um hülff und segen an.

Sich von den menschen weg zur leisen stille wenden,

Ist wahrer andacht werck, die kräfftig beten kan.

Zwar wird ein Thraso wol die eckle nase rümpffen,

Doch Wilhelm acht den spruch der tadler gar nicht viel.

Die hölle pfleget dis nach ihrer art zu schimpffen,

Was nach dem himmel steigt, und GOtt gefallen will.

Wo nun das Christenthum zum sichren grunde lieget,

So wird der tugend-bau gar leichtlich aufgeführt;

Und wo man fleisch und blut durch GOttes wort besieget,

Hat witz und klugheit auch die seelen ausgeziert.

Du bist, Durchlauchtigster! der niedrigkeit entflogen,

Und dein versuchter sinn, dein himmlischer verstand,

Nach welchem du genau der sachen werth erwogen,

Macht deinen großen ruhm der weiten welt bekant.

Zwar darff es nicht bey dir, von fremden dis zu borgen,

Was dir ein volles maaß vorlängsten beygelegt;

Doch war dein frischer muth voll ungesäumter sorgen,

Ein trieb, der andre zeucht, hat dich auch angeregt.

Du dachtest in die welt. Du hast die herrligkeiten

Und fremder völcker thun begierig angeschaut.

Dir wieß der erste zug die schönen seltenheiten,

Worauf das Niederland so pracht als nutzen baut.

Dich sah das freye volck mit unverwandten blicken,

Als das schon bey sich selbst aus deinen augen las’:

Daß deine starcke faust solt ihren Staat beglücken,

Der damals schon nicht mehr in sichrer ruhe saß.

Dich trug die see darauf ins große reich der Britten,

Es nahm dich Engelland als deutschen engel an.

Du sahest Londens pracht und seiner bürger sitten,

Wie sich die Themse nährt und auch beschützen kan.

Der große William wieß dir viel liebes-zeichen,

Er nahm an dir, o Printz! was ungemeines wahr;

Sein Withal muste dir die holden küsse reichen,

Dein stern macht seinen glantz durch helden offenbar.

Hat einst der Sachsen macht das Britten-volck bezwungen,

Und ihren thron daselbst zur herrschafft aufgeführt;

So ist Jan Wilhelms huld von neuen durchgedrungen,

Von welchen jedes hertz sich als bezwungen spürt.

Allein das feuer kan doch keine ruhe finden,

Es treibet seine loh in lichten flammen auf.

Der himmel weiß sich doch auf keine ruh zu gründen,

Er gehet um und um, weil der gewohnte lauff

Die ruh in unruh sucht. Du gleichst den heißen flammen,

O mehr als theurer Held! und weist von keiner ruh.

Dein angeborner muth muß von dem himmel stammen,

Du thust dir selbst die thür zur sanfften stille zu,

Und gehest weiter fort. Das unermüdte reisen

Ist deiner sinnen lust. Es rühmet Wallenstein,

Daß Welschland ihm allein was kluges können weisen,

Und seine lehrerin in seltnen künsten seyn:

Er dachte keinen fast der freundschafft werth zu schätzen,

Der auf den Apennin nicht seinen fuß gewagt:

Ich könte mich dem spruch gar wohl entgegen setzen,

Da man oracul auch an nähern orten fragt;

Doch Wilhelm ist bemüht Jtalien zu schauen,

Das paradieß der welt, Europens schönste pracht,

Der anmuth lust-revier, wo die natur will bauen,

Was anderswo die kunst mit saurem fleiße macht.

Hier sahest du das feld, das einst von deinen kriegen

Und deinem helden-muth solt in dem rauche stehn:

Hier sahst du manche stadt, die einst nach deinen siegen,

In tieffer niedrigkeit dir solt entgegen gehn,

Wo Hannibal gekämpfft, wo Fabius gesäumet,

Wo Cäsars starcker arm die sieges-fahnen trug,

Wo Alarich erhitzt den eifer ausgeschäumet,

Wo Totila die macht der feigen Welschen schlug.

Hier fiel das stoltze Rom dir endlich ins gesichte,

Die große herrscherin der alten vorder-welt:

Was uns ein blat gesagt, was ehmals die geschichte

Vor grauer zeit gelehrt, ist hier noch aufgestellt;

Doch als ein schatten-bild. Es liegt das aas der zeiten,

Das sein gerippe nun mit neuer pracht geschmückt.

Die säulen trotzten einst die späten ewigkeiten,

Man findt das ertzt nicht mehr, der marmor ist zerstückt.

Hier sahst du, Kluger Fürst! wie zeit und schicksal spielen;

Wie ein bejahrtes reich sich selbst verzehren muß;

Wie tod und untergang auf cron und throne zielen;

Wer heut das haupt erhebt, liegt morgen unterm fuß.

Doch was in Rom vergeht, kommt in Venedig wieder,

Weil die regierungs-form fast jener alten gleicht,

Die pracht des großen raths und seiner edlen glieder

Ist würdig, daß auch Rom vor ihm die segel streicht.

Dein auge säumet nicht die wunder anzumercken,

So mitten in der see in vielen insuln stehn,

Wie noth und kunst den ort durch drücken kan bestärcken,

Da seine kahue doch durch alle gassen gehn.

Auf reisen kan man mehr in einem tage wissen,

Als uns ein gantzes jahr aus stummen büchern lehrt.

Und dis, worauf, o Printz! dein eifer war beflissen,

Hat die erfahrung dir begierig zugekehrt.

Doch soll ich anders nichts, als Wilhelms reisen zehlen?

Nein: Ob Vlysses schon durch see und länder schweifft;

So will ihm dennoch viel an seinem ruhme fehlen,

Wenn seine rege faust nicht nach dem degen greifft.

Jan Wilhelms ernster muth schaut endlich nach den waffen,

So ihm des himmels schluß vorlängsten zuerkannt:

Ein kluger printz versteht, worzu er sey erschaffen,

Nicht vor sein eigen wohl, nur vor das vaterland.

Der Rhein hat ihn zuerst in blanckem stahl erblicket,

Der ihm beym ersten gruß den frischen lorbeer wieß.

Es war das krieges-volck in ehren-furcht entzücket,

Als dieser junge held den degen blincken ließ.

Doch Willjam, dessen arm die schwache freyheit decket,

Als ihr ein kühner feind fast an das hertze griff,

Hat unsers Fürsten muth durch neue huld erwecket,

So ihn ins Niederland zu großen thaten rieff.

Hier war der tummel-platz, da Wilhelm seine proben

In muntrer freudigkeit dem großen Willjam gab;

Was unser Wilhelm thut, muß jener Willjam loben,

Die wahrheit stattet selbst ein treues zeugniß ab.

Hier hast du, Großer Printz! kein ungemach gescheuet:

Was andern grauen macht, war dir ein rechtes spiel:

Ob hunger, hitz und durst, ob frost und nebel dräuet:

Ob die gestärckte macht der feinde schrecken will;

So achtst du dieses nicht; du zeigest deine kräffte,

Die GOtt und die natur dem helden-geist verliehn,

Du kennest überall die wichtigsten geschäffte,

Wie fern sich ieder muß um seine pflicht bemühn.

Wo ein beqvemes feld, das lager abzustechen,

Wie ein besetzter paß wohl anzugreiffen sey;

Wie durch erdachte list der nahe feind zu schwächen,

Wohin der fuß-knecht soll, und wo die reuterey

In guter ordnung gehn. Wie die armee zu stellen,

Was in erhitzter schlacht den besten vortheil giebt;

Wie im gewagten sturm an den beschloßnen wällen

Bescheid zu geben sey, was die soldaten übt,

Und in der strenge hält; Und andre krieges-wercke,

Die hattest du allhier als handwerck auserwehlt;

Doch kommen witz und muth zu der gewünschten stärcke,

Als Willjam endlich dich zu seinen helden zehlt.

So lang die Sambre wird ihr gelbes ufer küssen,

Wo sich die trübe Maas in ihre fluthen mischt,

Wird sie den helden-trieb der nach-welt sagen müssen,

Der unsern Wilhelm hier zu kriegen angefrischt.

Doch Ryßwick schencket uns den nun erstrittnen friede,

Der krieg bekommt ein loch, die helden gehn zur ruh.

Du aber, Tapffrer Printz! bist lange noch nicht müde,

Und zeuchst dir hier und da die arbeit selbsten zu,

Läst deine trouppen nicht in stiller muße lauren;

Es dient ein stilles thun vor gute krieger nicht.

Der Türcke trotzet noch in Belgrads festen mauren,

Ob ihm schon mancher sieg die rauhen kräffte bricht.

Hier woltst du muth und blut vor GOttes ehre wagen,

Wo der verfluchte feind in blindem eifer kämpfft,

Du woltest hier das schwerd vor unsre freyheit tragen,

Bis der gerechte GOtt das tolle heer gedämpfft.

Der große Leopold, so bald du nur erschienen,

Hat dir huld, lieb und hof nach würden aufgethan;

Du sahest überall des großen Käysers mienen,

Als einen morgen-schein voll göldner strahlen an.

Allein ein schnelles nun, ein unversehn geschicke,

Das uns der himmel gab, hemmt deiner waffen lauff,

Doch deine tugend nicht. Der friede zeigt die blicke,

Und giebt durch einen schluß die mürben fahnen auf.

Der himmel segnet dich: du woltest friede schaffen,

Doch eh du dich bemühst, ist schon der zweck erlangt.

Es bleibt der friede doch ein ziel getreuer waffen,

Der nach vollbrachtem streit in frischen palmen prangt.

Sich nur an krieg und blut nach rauher art ergetzen,

Und vor dem friedens-brief den hut ins auge ziehn,

Der armen leute raub vor seinen reichthum schätzen,

Und sich im krieg auf krieg, im mord auf mord bemühn,

Steht keinen helden an. Sie kriegen, daß sie siegen,

Sie siegen, bis die ruh ein treues volck erqvickt.

So kanst du, Großer Printz! den helden-muth vergnügen,

Als nun ein lieber schluß das öde land beglückt.

Hat schon kein Muselmann dein tapffres schwerd empfunden,

Hat er doch deinen muth verwundernd angesehn;

Es fühlt der Türcken heer von dir zwar keine wunden,

Doch muß dein tugend-glantz ihm tieff ins hertze gehn.

Die barbarn sahen dich, als sie um friede baten,

Als der gesandten zunfft ins deutsche lager kam.

Sie starrten über dir, daß, als sie näher traten,

Dein unverzagter blick ihr hertz in fessel nahm,

Doch fessel voller gunst. Du selber trugst verlangen,

Das ungeschlachte volck genauer zu beschaun.

Jhr lager solte dich nach ihrem wunsch empfangen,

So weit ihr kühner arm kont’ ihre zelter baun.

Es ehrte dich das heer; die angesehne Bassen

Die zogen deine zier Stamboldens printzen vor.

Die frechen Thracier, die schnaubenden Circassen

Die huben, Wilhelm! dich in ihrem sinn empor.

Das dumme heyden-volck von Bosphors kalten sande,

Von des Mäotis pful, vom Dnieper, von der Don,

Von Taurus klippen her, vom heißen Nilus-strande.

Bey allen trugest du den grösten preis davon.

Sie schätzten sich beglückt, daß sie den printzen sahen,

Der sie, doch ohne schwerd, mit stillen mienen sprach,

Daß du zu ihnen kontst und sie zu dir sich nahen,

Da doch kein ungestüm den umgang unterbrach.

Da nun Europa sich mit friedens-palmen crönet,

Und das verbrauchte schwerd zu krummen sicheln schleifft,

Was ists, das ferner dir den weg zum ruhme bähnet,

Wenn dein bemühter arm nicht schild und spieß ergreifft?

Es schien, ob wärest du zun waffen nur geboren,

Als dich der himmel selbst bisher zu felde rief,

Doch nein, Jan Wilhelm hat die zeiten nicht verlohren,

Zu welchen unsre welt in sichrer ruhe schlief.

Zwar wer ihn sieht das volck in glut und flammen führen,

Wenn sein erzörnter muth sich an den feinden reibt,

Der meynt, es wäre nichts sein tägliches studiren,

Als was die krieges-kunst in ihren schulen treibt.

Alleine wenn er sich läst an den höfen sehen,

Wo mancher könig ihn und seine tugend schätzt,

So gab sein gantzes thun uns etwas zu verstehen,

Als ob er nie die hand in krieg und blut genetzt.

Es muste Willjams huld in deiner seele leben,

Und weil er einst mit dir auf Englisch sich verband,

So wilst du abermals dich an die Thems erheben,

Dich tragen GOtt und schiff zum schönen Engelland,

Das deine thaten kennt. Du sahest Willjams hertze

Jtzt in gemehrter gunst die liebes-funcken streun,

Die freundschafft brannte nun gleich einer lichten kertze,

Worauf kein scheeler neid den geiffer dorffte speyn.

Die Seine hieß dich drauf, Durchlauchtigster! willkommen,

Paris, das allen pracht Europens in sich schleust,

Hat dich in seinen schoos, als Printzen, angenommen,

Dem Louis nach verdienst die höchste gunst erweist.

Dis ist der tugend art, daß sie ein feind auch liebet,

Ein feind, der noch verstand in seinen sinnen hegt;

Man ehrt den edelstein, der strahlen von sich giebet,

Ob ihn die fremde hand in fremdem golde trägt;

Der stoltze Frantzmann steht in nichtigen gedancken:

Daß unsre Deutschen plump und sonder anmuth sind;

Er zeucht die artigkeit in allzuenge schrancken,

Die sich nach seinem kopff nur an der Seine findt.

Der kühne Bouhours sucht recht gründlich zu erweisen,

Es sey ein deutsch gehirn zur klugheit ungeschickt;

Er spricht: der himmel sey bey uns von stahl und eisen,

Der seine härtigkeit auch in die seelen drückt.

Allein was dienet es mit fingern zu bemercken,

Wo der bekante glantz der sonnen-fackel brennt?

Es soll kein widerstreit das gegentheil bestärcken,

Das auch ein blödes aug aus den exempeln kennt.

Paris gestunde sich in seinem wahn betrogen,

Hier stach der wahre glantz die falschen farben ab.

Die pral-sucht hat ihr wort beschimpfft zurück gezogen,

Als ihr ein Sachsen-Printz der klugheit proben gab.

Verstand und artigkeit die waren hier verbunden,

Gleich als der zwillings-stern in seinem creise blinckt:

Der Gallier hat hier ein wahres muster funden,

Daß noch kein deutsches blut vor seinem hochmuth sinckt.

Indessen da Paris mit seinen liebligkeiten

Die deutsche tugend sonst mit schlauen netzen fängt,

Wilst du, Behertzter Printz! nicht auf dem eise gleiten,

Indem dein helden-muth auf große wercke denckt.

Der Schweden zwölffter Carl ließ spieß und schwerdter klingen,

Dort wo der Düna-strom die kalten felder netzt;

Er wolte fremde macht, mit eigner macht verdringen,

Die Wolg’ und Weichsel ihm in seine reiche setzt.

Jan Willhelm ruhet nicht; er will dem großen Helden,

Der nichts als siege kennt und seiner thaten preiß

Durch erd und himmel trägt, auch seinen muth vermelden,

Ob schon die gantze welt davon zu sagen weiß.

Das wilde Russen-volck hat deine faust empfunden,

Die als ein donner-keil auf ihre häupter fiel,

Wo sich die dickste schlacht mit glied auf glied verbunden,

Da ist dein sieges-platz, der dich beerönen will.

Du kontest Carlens geist nach seinem wunsch vergnügen,

Und stundest in der reih der helden oben an.

Du kontst der feinde macht und Carlens hertz besiegen,

Daß jene liegt, und dieß dich innig lieben kan.

Will ihn die billigkeit dem Alexander gleichen,

Must du Hephästion an seiner seite seyn;

Will ihm die danckbarkeit verbundne cronen reichen,

So slicht sie deinen ruhm als diamanten drein.

Alleine soll mein kiel den rauhen fall vergessen,

Als dich ein wilder schlag an jene klippen warff?

Kan meine schwachheit schon den helden-lauf nicht messen,

So weiß ich, daß ich doch dis wunder melden darff:

Du bist durch mord und glut, als überwinder, gangen;

Doch wiegelt nun die see die stoltzen wellen auf.

Ach jammer! da Stockholm den Printzen soll empfangen,

So hemmt ein rauher sturm der fernen reise lauff;

Jedoch nicht ohngefehr: Dis ist des Höchsten liebe,

Die ein geschwächter mensch auf seinem schoos erblickt,

Er macht den tag zu nacht, das heitre wetter trübe,

Doch so, daß seine gunst uns aus den ängsten rückt.

Wer will der kräuter krafft, der ärtzte witz erkennen,

Wenn nicht der blasse tod uns offt die sense wieß?

Wer wolt das sonnen-licht den trost der erden nennen,

Wo nicht ein kalter frost auf unsre felder bließ?

Wer will des Höchsten huld und seine liebe preisen,

Wenn nicht die bange noth an leib und seele stürmt?

Jan Wilhelm kan alsdann mit seinen fingern weisen,

Wie weit ihn GOttes macht in seiner noth beschirmt.

Der himmel schwärtzet sich, die strenge winde sausen,

Die wellen schaumen auf, die rauhe see erregt

Die ungestüme flut, die grimme wogen brausen,

Da ihr erhitzter zorn an schiff und segel schlägt;

Das schiff wanckt hin und her, die masten stürtzen nieder,

Der kiel steigt himmel-an, der steuermann erblaßt,

Jtzt springt sein ruder auf, und itzo sinckt es wieder,

Der botsmann, der verzagt die starcken towen faßt

Nimmt alle segel ein: Die schwachen blancken schüttern,

Der fock bricht hinten ab, und der mesan zerschellt,

Das schiff ist ohne schutz, die untern breter splittern,

Da alle hoffnung nun mit allen masten fällt,

So plumpt der schiffer noch, das wasser auszugießen,

Das durch den weiten leck in die cajute brach.

Die angst begreifft sich nicht, und weiß nichts mehr zu schlüßen;

Weil der zerschlagne rest im letzten ungemach

Gar an die klippen fährt: Der ruffet, jener lärmet,

Der betet, jener bebt: Das schiff stöst an das land

Und prellet doch zurück, das rauhe wetter schwärmet

Und liefert, was es trifft, der rauhen unglücks-hand.

Doch kan des Cäsars trotz die wilde see verlachen,

Die ihm den untergang in ihren wellen droht,

Kan er dem schiffer-volck noch trost und hoffnung machen,

Und rufft: Mein glücke steht mir dennoch zu gebot;

So wird, Jan Wilhelm! dir dein GOtt zu einer klippe!

Und führt dich unverletzt den festen klippen zu,

Ob schon der rauhe sturm, das mürbe schiff-gerippe

In tausend stücke schlägt, du findst an klippen ruh.

Arion fällt ins meer, doch reichen ihm delphinen

Zu seiner rettung noch den breiten rücken dar;

Dir ist, o Theurer Printz! auch hülff und trost erschienen,

Als der gebrochne mast noch deine brücke war.

Es sah dich Hernösand an harten felsen schweben,

Und ließ ein frisches boot zu deinem ufer gehn.

Stockholm erblicket dich in dem verneuten leben,

Und läst nach deiner angst die freuden-zeichen sehn.

Indessen lieff die post in dein getreues Sachsen,

Es that die danckbarkeit ein treues opffer ab;

Wir wünschten, daß dein heyl noch ferner möchte wachsen,

Da uns des Höchsten gunst der liebe proben gab.

Die sehnsucht wartet auf, dich selber anzuschauen,

Da unsre demuth dir schon palmen-kräntze flicht.

Wir hoffen, du wirst einst hier deine ruhe bauen,

Weil auch ein langer schweiß des Herculs kräffte bricht.

Du kömmst, wir sehen dich, doch die gewünschte freuden

Verfallen, rosen gleich, in wenig stunden hin,

So will des tages-licht, des abends abzuscheiden,

Der welt zu kurtzem trost aus seinem morgen ziehn.

Du kommst; doch lässet dich dein helden-geist nicht rasten;

Das vaterland wird doch im lande nicht beschützt:

Die schultern sind gewohnt, sie tragen schwere lasten,

Worunter manches blut in bangen sorgen schwitzt,

Zu ihrer sondern lust. Der große Joseph höret

Der großen thaten ruff. Hat dich einst Leopold

Nach stand und nach verdienst, Durchlauchtster Printz! geehret,

So ahmt ihm Joseph nach und zeigt dir gleiche hold.

Dein ruhm durchschallt die welt, und Hollands Staat wird in-

nen,

Wie deine tapffre faust manch großes werck verübt.

Der Britten Königin kömmt noch zu danckbarn sinnen,

Daß William einsten dich vor andern printzen liebt.

Die ehre laufft dir nach, du willst Europen zeigen,

Wie dein besorgter geist des landes rettung sucht:

Du willst als Hannibal die Alpen übersteigen,

Du deutscher Hannibal! der aller arbeit flucht,

So keine feinde schreckt: Turins entsetzte mauren,

Allwo Marsinens schwerd auf deine trouppen schlug,

Die werden länger nicht als ruhm und ehre dauren,

Die sieg und tapfferkeit dir dort entgegen trug.

Es raucht der schlancke Po vom donner der karthaunen,

So den erzörnten feind an seinen ufer fällt,

Und Alexandria erblicket mit erstaunen,

Daß sich dein muthig heer an ihre pforten stellt.

Cremon und Mantua und Mäyland werden melden,

So lang der Apennin die nahen wolcken rührt:

Daß Sachsens Wilhelm hier, der auszug deutscher helden,

Den degen vor das land in stetem siege führt.

Es siehet Piemont in klippichten gebirgen,

Daß auch kein harter fels die deutschen printzen schreckt,

Ein Hercul kan nicht mehr die ungeheuer würgen,

Wenn Gades seinem muth die letzte grentzen steckt;

Doch gehst du weiter fort, du weist von keinen säulen,

So dir die ruhe setzt. Es mocht in alter zeit

Der alten Deutschen heer die Alpen übereilen,

Daß sich das freche Rom vor ihren waffen scheut;

So ist kein Deutscher noch die Alpen übergangen,

Wo sich Jtalien von Franckreichs grentzen trennt;

Du kanst als erster Held bey deinen Deutschen prangen,

Den Var- und Rhone-strom in seinem harnisch kennt.

Armin, der helden keru, der alten ritter ehre,

Der deutschen freyheit trost, der Welschen harter zwang,

Trifft mit erhitzter macht auf Varus stoltze heere,

Und dräut Augustens thron den letzten untergang.

Was jene helden trieb, ist dir ins blut gepräget,

Und jener tapfferkeit ermannet deinen geist;

Was jenen ehmals hat die strenge hand gereget,

Ists, was dir itzo noch die ehren-cronen weist.

Des Wittekindens muth erhitzet dein gemüthe,

Der einsten seinen blitz der Weser sehen ließ,

Es steckt was Sächsisches in Sächsischem geblüte,

Das schon vor langer zeit in deine flammen bließ.

Des großen Bernhards ruhm, vor welchem Lützen zittert,

Vor dessen schilden noch das feste Breysach bebt,

Der vor das vaterland dem donner gleich, gewittert,

Hat in gesippter krafft, o Wilhelm! dich belebr.

Du kanst, o Großer Printz! die üppigkeit verachten,

Die sonst mit leichtem garn die grösten helden fängt;

Du kanst bey strenger noth in durst und hunger schmachten,

Weil sich kein weiches thun in deine waffen mengt.

Will schon die zärtligkeit in manche helden schleichen,

Und läufft die eitle pracht schon manchen printzen nach;

So muß die wohllust doch von deiner thüre weichen,

Du bannst den schnöden tand aus deinem schlaf-gemach.

Es ist ein leichtes werck die schnelle regung zwingen,

Wo das gesetze schreckt und die gelegenheit

Das thor verriegelt hat. Doch mit der wohllust ringen,

Wo man nicht sclaven gleich, die tugend-regeln scheut.

Ist wahrer tugend lob. Dir, Wilhelm! stehet offen,

Was andern die gefahr genau verriegelt hat;

Doch hat der süße pfeil dein hertze nie getroffen,

Dein trieb, der himmlisch ist, scheut iede schnöde that,

So weiche seelen lockt. Wie mancher überwindet,

Was die geschickte kunst sonst vor unzwingbar hält?

Doch, wenn der heiße zorn die harte seel entzündet,

So wird der muntre gelst, den selaven gleich, gefällt.

Wo bosheit, list und trotz das fromme recht verletzet,

So reißt der eifer zwar Jan Wilhelms ernsten muth,

Doch hat sich die vernunfft der regung beygesetzet,

Die ohne mürrisch-seyn auf stille waage ruht.

Jan Wilhelm leget zwar den feind zu seinen füßen,

Doch legt er seinen zorn ihm selber auch zu fuß:

Ob andre sich vor ihm, als knechte, bücken müssen,

So schaut, wie sich sein zorn für ihm auch bücken muß,

O Edler Helden-Preis! Und forscht man nach der qvelle,

Woraus dis große thun den ersten ursprung nahm;

Bemercket das gesicht der wurtzel eigne stelle,

Woraus der schöne zweig mit seinen früchten kam,

So ists das nüchtern seyn. Offt sencken große geister,

Verstand, witz, muth und ernst in große gläser ein;

Wird der geliebte trunck des tapffren blutes meister,

So muß der helden-muth der sclaven diener seyn,

Und kennt sich selbsten nicht; Will andre zwar regieren,

Doch ist der volle leib den knechten unterthan;

Und soll man eine that mit klugen händen führen,

So greifft das düstre haupt die sache rückwerts an.

Jan Wilhelms thaten hat kein solcher schmutz beflecket,

Ein Printz, der redligkeit, der GOtt und tugend ehrt,

Der sein erhabnes ziel nicht an die erde stecket,

Fleucht das verdammte thun, so kluge sinnen stört:

Dis ists, das, Wilhelm! dich in großer Fürsten orden,

Gleich als das sonnen-licht, zum sternen-reihen bringt;

Dis ists, wodurch dein preis dem himmel ähnlich worden,

Der mit vermehrtem schein, durch ost und westen dringt.

Es ehret dich die welt und mischet mit der liebe

Die ungezwungne furcht; Es siehet dich der knecht

Als seinen Fürsten an, doch in dem ehren-triebe

Legt deine sanfftmuth ihm ein unverhofftes recht

Getreuer freundschafft bey; dis sind die göldne schlingen,

In welche sich die welt mit ihrer freyheit schmiegt;

So läst das niedre volck die blöden hertzen zwingen,

Wenn sie kein strenges wort, nur huld und gunst besiegt.

Will sich Caligula nichts an die liebe kehren,

Und glaubet, daß sein thron genug beschützet sey,

Wenn ihn der unterthan mit banger furcht muß ehren,

Setzt sich ein grimmer haß schon allen pflichten bey;

So will ein Titus doch den scepter fester halten,

Wenn ihn das frohe Rom die lust der erde nennt.

Trajanus kan sein reich in fichrer macht verwalten,

Wenn die verbundne welt ihn als den besten kennt;

Jan Wilhelm! deine gunst dringt durch die theuren seelen,

Gleich als ein frischer thau in dürre furchen ein,

Du liebst, und wirst geliebt, und wenn sich andre quälen,

Daß sie auf ihrem stuhl nicht können sicher seyn,

So schützt die liebe dich. Doch nicht nur bey den kleinen,

So die ergebenheit zu ihren pflichten zwingt;

Auch große lassen dir die gegenblicke scheinen,

So bald dein liebes-strahl in ihre hertzen dringt.

Dich liebt dein Sachsen-land, Jan Wilhelm ist sein hoffen,

Der treuen wünsche ziel, der trost in ungemach,

Der ancker, wenn ein sturm das arme land betroffen,

Es sieht ihm Thüringen als seinem ruder nach.

Doch jammer! dieses licht fällt in der asche nieder,

Ein unversehner schlag reißt unsre säulen ein:

Jan Wilhelms Sonne kömmt aus ihrer grufft nicht wieder,

Wir müssen ihm zu früh die sterbe-fackeln weihn;

Ach leyder! allzufrüh muß unsre Ceder sincken,

Auf welcher sich der bau gemeiner wohlfahrt stützt;

So will ein rauhes beil den stärcksten pfeilern wincken,

Worauf ein treues land in sichrer ruhe sitzt!

Es rückt der Große Printz mit unerschrocknen füßen,

Mit aufgewecktem muth an Toulons mauren an,

Jhm folgt das muntre volck den nahen feind zu grüßen,

Der an dem walle noch die Deutschen trotzen kan.

Jan Wilhelm steht behertzt, die harten keule schwärmen

Auf seine tronppen zu; der feind läst seine macht

Mit ungewohntem zorn in dampff und feuer lärmen,

Bis die verwegenheit sie aus der ordnung bracht.

Die glieder sind verwirrt, die reihen sind zerstücket,

Da sich der kühne feind mit in die rotten mengt;

Die leute sind entsetzt, entkräfftet und verrücket,

Daß ieder selbst vor sich auf flucht und rettung denckt.

Jan Wilhelm weichet nicht, schent weder schwerd noch flammen,

Die in vereinter glut um seine scheitel gehn,

Giebt ordre, treibt das volck, bringt glied und glied zusammen,

Läst sein ermanntes hertz in neuen kräfften sehn.

Die feinde wüten fort, und trotzen mit der menge,

Die als ein dicker sturm auf unsern Printzen fällt:

Die trouppen drücken sich in feurigem gedränge,

Wo der behertzte Printz gleich starcken mauren hält.

Ob hagel, blitz und glut um unsern Printzen spielen:

Ob ein geschwärtzter dampff ihm vor die augen zeucht:

Ob tausend kugeln schon nach seinem haupte zielen,

Und manch gezückter stahl ihm an das hertze streicht;

So steht er doch getrost. Er lässet seinem muthe

In voller freudigkeit den muntern zügel ab.

Er fällt! Ein Simson sucht mit seinem eignen blute,

In seiner feinde sturtz ein edles helden-grab:

Er fällt! Jan Wilhelm fällt! Vermaledeyte wälle,

Bey welchen dieser Fürst als opffer niedersinckt!

Vermaledeyter platz! verworffne lager-stelle,

Wo man ein solches garn vor große Helden schlingt!

Verfluchtes bley, das sich darff auf den scheitel wagen,

Dem unsre demuth schon die göldnen cronen beut!

Verfluchtes bley, so darff ein solches auge schlagen,

Vor dessen blitzen sich doch iedes auge scheut!

So fällt der Printz dahin! Wer will den schluß ergründen,

Den nun des Höchsten zorn auf Deutschlands grentzen macht?

Vielleicht ist dis die frucht von unsern schweren sünden!

Wer weiß nun, welches schwerd auf unsre rache wacht?

Jm fall ein pfeiler sinckt, so muß das hauß zerschüttern:

Jm fall ein eckstein bricht, so fällt das mürbe dach,

Und will ein starcker riß den festen grund zersplittern,

So stürtzt der gantze bau in noth und ungemach.

Gott reißt die Helden weg; Er hat vielleicht den waffen

Und ihrem frischen lauff ein kurtzes ziel gesetzt.

Ach Toulon kan ja schon in sichrer ruhe schlaffen,

Seit dem es seinen fuß in Wilhelms blut genetzt.

Kaum ist die harte post die zelter durchgestrichen,

Als ein gezognes ach auf allen zungen schwebt:

Die bange stimme klagt: Es ist ein Held verblichen,

Der unsrer deutschen welt zu ruhm und trost gelebt.

Es seufftzt Eugenens mund, daß ihm sein aug und hertze;

Daß ihm sein treuster Held zu früh entfallen sey.

Faßt sich ein tapffrer muth schon mitten in dem schmertze,

So bringt doch der verlust hier manchen jammer bey.

Des großen Josephs hof läst seine klagen hören,

Und nimmt den trauer-brief als unglücks-boten an;

Die Britten wollen ihn mit ihrem beyleid ehren,

Es traurt der zwölffte Carl um seinen Jonathan.

Ja Preussens Friederich, der sich mit ihm verbunden,

Und ihn, als seinen Sohn, in voller gunst erkannt,

Klagt, daß nunmehr ein Printz aus unsrer welt verschwunden,

Dem erd und himmel selbst die liebe zugewandt.

Das schöne Niederland vermeldet den provintzen:

Daß itzt ein edelstein aus ihrem ringe fällt,

Seit dem ein harter fall den auszug tapffrer Printzen

Durch einen jähen tod den leichen beygesellt.

Jedoch was andre nur mit leisen zungen sprechen,

Beweinet Friedenstein mit vollem thräuen-fluß.

Man sieht die blitze zwar in fremde grentzen brechen,

Doch daß der donner hier die mauren schlagen muß.

Was andrer muth erregt, bewegt hier das geblüte,

Was andrer haut verletzt, dringt hier zum hertzen ein!

Zwey brüder gleicher treu von gleicher art und güte,

Die wollen durch den tod nicht gern getrennet seyn.

Es seuffzet Friederich, daß ihm ein schild entfallen,

Der sein getreues land und liebstes volck bedeckt,

Man hört das angst-geschrey durch die paläste fallen,

Das zu gem einer noth die unterthanen schreckt.

Betrübtes Sachsen-land! wer will den riß ergäntzen?

Ist denn kein balsam da, der deine wunden heilt?

Das unglück drohet dir auf den bedrängten grentzen,

Dir wird ein volles maaß der thränen zugetheilt.

Du klagest; und wer will die bittren klagen schmähen?

Dir gehu zu deiner noth nur unglücks-sternen auf;

Dir will ein rauher sturm in das gesichte wehen,

Und kein gestärckter schutz hemmt solcher winde lauff.

Zwar ist Jan Wilhelms ruhm im minsten nicht gestorben,

Weil ihn die ewigkeit in ihre säulen gräbt.

Er hat durch seine faust das große lob erworben,

Das in verjüngter krafft durch alle zeiten lebt.

So lang die mittel-see bey Toulons hafen strandet,

Und ihr gehäufftes saltz an jene küste trägt,

So lang ein müdes schiff an jenen ufern landet,

So lang die wilde flut an jene mauren schlägt;

So lange wird die welt den Sachsen-Printzen kennen,

Der seinen Helden-geist dort seinem himmel gab;

So lange wird der glantz von seinen thaten brennen:

Es fällt das öle nicht von solchen lampen ab.

Jan Wilhelms name lebt. Doch bringt das angedencken

Uns nur ein größer bild des großen jammers bey;

Glaubt, daß ie mehr wir nur auf ihn die augen lencken,

Uns dieses Helden fall auch mehr empfindlich sey.

Jan Wilhelm ist dahin! wir sehen nur die glieder,

Die uns ein fernes land als überrest geschickt;

Und diese sencken wir zu ihrer ruhe nieder;

So wird uns aller trost in einem nu entrückt!

Ich mische meine noth in die gemeinen thränen,

Du wirst, Durchlauchter Printz! mein lichter norden-pol;

Nach diesem muß ich mich, gleich als magnetisch, sehnen,

Der schein von deiner gunst sah auf mein gantzes wohl.

Dein leben schaffte mir ein recht vergnügtes leben,

Jtzt hat dein tod mich fast den todten zugepaart.

Ich kan, doch bin ich nichts, ein wahres zeugniß geben:

Dein tugend wandel war von rechter Fürsten-art.

Indessen da du mich sonst öffters angehöret,

So hörst du nun nicht mehr, was dir ein diener klagt;

Da dich ein schlechter reim mit eiteln thränen ehret,

Hast du der nichtigkeit vergebnen tand entsagt.

Jan Wilhelm sieht nicht mehr in diese welt zurücke,

Wo uns die trübe noth in ihre circkel schleust;

Jhm giebt die ewigkeit erfreute segens-blicke,

Wo ihn ein englisch heer auf Edens felder weist.

Er hat vor GOttes ruhm und vor das land gestritten,

Jtzt trägt er im triumph den sieges-erantz davon;

Er hat, wie Fürsten ziemt, auch vor das land gelitten,

Jtzt giebt der Lebens-Fürst ihm seinen Fürsten-lohn.

Du aber, Großer

cken,

Der erden weiter creiß in stillen regeln geht,

Du schaffest, daß wir itzt aus jammer-bächen trincken,

Du machst, daß unser land in tieffen sorgen steht.

Du schlägst uns, Großer GOtt! wir ehren deine schläge,

Und küssen deine hand, so uns die ruthe zeigt.

Es gehet deine macht durch unverhoffte wege,

Die uns in unser schuld den harten rücken beugt.

Ach! wo die liebe noch dein treues hertze rühret,

So heile diesen schlag! Hilff, daß nach dieser nacht,

Wo noch die Majestät den Vater-titul führet,

Ein froher morgen-stern auf unsern Friedrich lacht.